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Schumacher 1994 mit Traktionskontrolle: Stimmt's wirklich?

Auf den Spuren der "Mythbusters" - Ausgabe 8: Hatte Michael Schumachers Benetton von 1994 wirklich eine verbotene Traktionskontrolle eingebaut?

(Motorsport-Total.com) - Seit Jahrzehnten ist das Formel-1-Fahrerlager eine Welt, die voll ist von kleinen Geschichten um skurrile Teamchefs, von Piloten am Rande des Wahnsinns (oder auch jenseits davon) und von irren physikalischen Phänomenen. In unserer Serie "Stimmt's wirklich? Formel-1-Mythen unter der Lupe!" gehen wir Legenden der Szene nach, die sich hartnäckig halten - und erkundigen uns bei denjenigen, die es wissen müssen. Nach Vorbild der US-TV-Doku Mythbusters.

Michael Schumacher

Michael Schumacher im Benetton von 1994: War da wirklich alles legal? Zoom

In der achten Ausgabe beschäftigt uns eine von vielen Geschichten rund um das Thema verbotene Technik-Tricks. Im konkreten Fall geht es um eine der größten Debatten um die Legalität eines Autos, die die Formel 1 jemals geführt hat und nie abschließend beantwortet hat. Die Frage: Hatte Michael Schumachers Benetton von 1994 wirklich eine verbotene Traktionskontrolle eingebaut?

Um wen geht's?

An dem jungen Michael Schumacher schieden sich in der Saison 1994 die Formel-1-Geister: Der selbstbewusste - seine Kritiker mögen formulieren arrogante - Newcomer aus Kerpen verschaffte der Motorsport-Welt nach dem Tode Ayrton Sennas im gleichen Jahr die Aussicht, einen Superstar hervorzubringen. In Kombination mit dem exzentrischen, cholerischen und mit allen Wassern gewaschenen Teamchef Flavio Briatore formte er ein erfolgreiches wie streitbares Gespann.

Schumacher macht sich in den Tagen des WM-Kampfes gegen Damon Hill im Williams als "PS-Rambo" und "Schummel-Schumi" einen Namen. So tauft ihn zumindest die deutschen Boulevard-Presse. Beim Großbritannien-Grand-Prix ignoriert er eine Schwarze Flagge, beim Belgien-Grand-Prix wegen eines zu weit abgefahrenen Unterbodens disqualifiziert. Später hat auch die Titel-Entscheidung per Rammstoß gegen Hill in Australien mehr als nur das berühmte "Geschmäckle".

Was ist der Mythos?

Erste Gerüchte um eine Traktionskontrolle im Benetton kommen auf, nachdem Senna nach seinem Ausscheiden beim Pazifik-Grand-Prix im April am Streckenrand stehenbleibt und von dort aus die Technik der Konkurrenz mit dem Ohr vernommen haben will. Er weiß: Sie ist seit Saisonbeginn genau wie diverse andere Fahrhilfen (etwa die aktive Radaufhängung und ABS) verboten. Bereits zuvor hat Nicola Larini erklärt, in eine Freien Training in Aida eine Traktionskontrolle in seinem Ferrari genutzt zu haben, was die Scuderia und ihr Pilot kurz darauf aber entschieden dementieren.


Fotostrecke: Schumachers Weg zum ersten WM-Titel

Nach dem Imola-Rennen - also nach Sennas Unfalltod - fordern die FIA-Regelhüter von Benetton, Ferrari und McLaren die Quellcodes für die Motorensteuerung, um der Sache nachzugehen. Nur die Roten stellen die Daten sofort bereit. Benetton und McLaren müssen erst zu einer Strafzahlung von 100.000 US-Dollar (damals 165.000 Deutsche Mark) verdonnert werden, ehe sie einlenken. Die Sachverständigen entdecken in allen drei Fällen keine Auffälligkeiten. Alles scheint vom Tisch.

Doch nach dem Frankreich-Grand-Prix in Magny-Cours kommen erneut Gerüchte auf, im Benetton B194 sei eine Traktionskontrolle verbaut. Über den Raketenstart Michael Schumachers von Rang drei, mit dem er die Williams-Piloten Damon Hill und Nigel Mansell scheinbar mühelos überholt, sagt David Coulthard im Live-Kommentar bei 'Eurosport', die Szene erinnere ihn an die Starts 1993, als die Traktionskontrolle legal war. Brisant: Coulthard ist damals der dritte Williams-Fahrer.

Und, stimmt's nun wirklich?

Michael Schumacher, Pat Symonds

Michael Schumacher und Pat Symonds als Benetton-Kollegen im Gespräch Zoom

Pat Symonds sagt: "Nein, das Auto hatte definitiv keine Traktionskontrolle." Der damals für Schumacher zuständige Benetton-Renningenieur erinnert sich an die Nachlese des Frankreich-Grand-Prix und seine Verwunderung über die Ergebnisse, die die Analyse ans Licht brachte: "Als das Gerücht aufkam, habe ich mir die Daten mit ihm angesehen. Witzigerweise war es ein vergleichsweise schlechter Start. Da war gar nichts verdächtig", sagt er 'Motorsport-Total.com'.

Auch der Programmpunkt im Benetton B194, hinter dem sich die Traktionskontrolle versteckt haben soll, sei unverdächtig gewesen: "Option 14", sagt Symonds über einen sagenumwobenen Modus, "war etwas, was wir aus dem vorangegangen Jahr übernommen hatten. Sie tauchte im Menü des Autos auf, dahinter lag aber nichts mehr. Die FIA entdeckte es selbst und sah es sich an."

Wer hat uns aufgeklärt?

Unser Experte ist selbst Protagonist des Mythos: Der studierte Aerodynamiker Pat Symonds begann seine Formel-1-Karriere 1984 bei Toleman und arbeitete mit Ayrton Senna zusammen, ehe er 1994 und 1995 bei dem Nachfolgeteam Benetton Michael Schumacher als Renningenieur zu zwei seiner sieben Titel verhalf. Symonds stieg zum Technikchef auf und blieb es im Renault-Werksteam, mit dem er 2008 in die "Crashgate-Affäre" um Nelson Piquet in Singapur verwickelt war. Nach einem Intermezzo bei Virgin kehrte Symonds 2013 bei Williams zurück, wo er heute wieder Technikchef ist.

Wie geht's weiter?

Gibt es irgendeine Geschichte, von der du schon immer mal wissen wolltest, ob sie wirklich wahr ist? Wir begeben uns auf die Spuren der Mythbusters und haken für euch nach. Einfach deinen Mythos via Kontaktformular oder auf Twitter an unsere Formel-1-Spezialisten Christian Nimmervoll und Dominik Sharaf schicken! Die nächsten Folgen sind schon in Planung.

Bisherige Folgen von "Stimmt's wirklich?"

01: Dürfen McLaren-Mitarbeiter im Büro wirklich keine Frühstücksbrote essen?
02: Bestimmte Jean Todt den Ausgang der Rallye Paris-Dakar mit einem Münzwurf?
03: Sah Jacques Villeneuve per Computerspiel die Zukunft der Formel 1 voraus?
04: War Formel-1-Boss Bernie Ecclestone beim großen Postzugraub dabei?
05: Gewann Porsche den Sportwagen-WM-Titel mit Zange und Panzerband?
06: Designte Jacques Villeneuve seinen bunten Helm nach dem Vorbild eines Kleides seiner Mutter?
07: Werden die Gymkhana-YouTube-Videos von Ken Block in einem Take gefilmt?

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