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Schlechtester Auftakt seit 2014: Mercedes "ziemlich weit zurück"

Mercedes schafft am ersten Testtag in Bahrain 2021 die wenigsten Runden: Chefingenieur Shovlin erklärt die Probleme - Hamilton & Bottas bleiben positiv

(Motorsport-Total.com) - Mercedes liegt nach dem ersten Testtag in Bahrain "ziemlich weit zurück". Das Weltmeisterteam wurde am Freitag von Getriebeproblemen geplagt. Insgesamt konnten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas nur 48 Runden abspulen, als einziges Team schafften die beiden keine volle Renndistanz. Das ist der schlechteste Testauftakt seit 2014, damals fuhr Hamilton nur 18 Runden.

Lewis Hamilton

Hamilton und Bottas schaffen am 1. Testtag nur 48 Runden Zoom

Mercedes rollte den neuen Boliden, genannt W12, am Freitag in Sachir erstmals aus der Garage. Das Team hatte zuvor auf einen Shakedown verzichtet. Schon nach der ersten Installationsrunde von Bottas trat ein Problem bei der Gangschaltung auf. Das Getriebeproblem bremste das Team enorm ein.

Nachdem Bottas insgesamt nur sechs Runden am Vormittag abspulen konnte, übernahm Weltmeister Hamilton am Nachmittag - aufgrund der Umbauarbeiten am Auto fuhr auch er mit Verspätung aus der Boxengasse. Zusätzlich beklagte er Balance-Probleme.

Shovlin: Auto war nicht "im richtigen Balancefenster"

"Das war heute ein schwieriger Testauftakt für uns", stellt Ingenieursdirektor Andrew Shovlin fest. "Durch Valtteris Getriebeproblem haben wir mehr oder weniger den gesamten Vormittag verloren." Das hohe Arbeitspensum in der Mittagspause ließ außerdem den Weltmeister verspätet starten, bedauert der Brite.

"Nachdem wir mehr zum Fahren kamen, wurde uns klar, dass unser Auto nicht im richtigen Balancefenster war. Während wir uns im Laufe des Tages steigern konnten, sind wir noch nicht damit zufrieden, wie sich das Auto verhält", urteilt Shovlin schonungslos ehrlich. Und: "Es ist eindeutig, dass wir noch Arbeit vor uns haben."

Hamilton beendete den ersten Testtag, der am Nachmittag durch einen Sandsturm zusätzlich erschwert wurde, auf dem zehnten Rang, Bottas wurde 14. Mit insgesamt nur 48 Runden komplettierte Mercedes von allen zehn Teams eindeutig die wenigsten - 91 Umläufe fehlten auf Spitzenreiter und Erzrivale Red Bull. Zum Vergleich: Am ersten Testtag 2020 schafften die beiden zusammen noch 173 Runden.


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"Wir fahren unserem Testprogramm ein Stück hinterher und müssen noch etwas Balance und mehr Speed finden. Aber uns bleiben noch zwei Tage und viele Möglichkeiten, um die Situation zu verbessern", merkt Shovlin an. Hamilton akzeptiert den verkorksten Testbeginn und versucht, positive Aspekte zu finden.

"Heute war sicher nicht der sauberste Tag, den wir bislang erlebt haben", resümiert er, "aber diesen Herausforderungen müssen wir uns stellen. Jeder hat unheimlich hart gearbeitet, damit wir an diesen Punkt kommen." Der Brite bleibt dennoch optimistisch.

"Das Missgeschick am Vormittag war Pech für Valtteri, der dadurch Testzeit auf der Strecke verloren hat und das Team arbeitet hart daran, die Ursache dafür zu verstehen. Sie haben fantastische Arbeit geleistet, um das Auto wieder fahrtüchtig zu machen."

Hamilton: "Habe noch nie einen Sandsturm erlebt"

Das Getriebeproblem sei "aus dem Nichts" aufgetreten, berichtet Teamchef Toto Wolff mit ernster Miene. Zwar konnte Hamilton am Nachmittag nach einer kleinen Verspätung auf die Strecke gehen, aber auch seine Session verlief nicht "ohne Herausforderungen".

Der Brite war mehrfach abseits der Ideallinie zu finden und hatte teilweise Mühe bei den widrigen Bedingungen. "Ich habe in all den Jahren, die ich auf dieser Strecke gefahren bin, noch nie einen Sandsturm erlebt. Der Sand verhielt sich wie Regen. Wenn Sand auf die Reifen gerät, ist das nicht gut für ihre Haltbarkeit."

Außerdem haben die ungewöhnlichen Umstände konstante Longruns verhindert, merkt er an. "Auf einer schnellen Runde ist es nicht ganz so schlimm, aber zu dieser Jahreszeit müssen wir viele Runden zurücklegen, um Daten zu sammeln."


Formel-1-Test 2021 in Sachir

Genau das ist dem Favoriten allerdings kaum gelungen. Aufgrund der stark verkürzten Testfahrten vor dem Saisonauftakt 2021 hat Mercedes nun schon ein Drittel der Wintertests hinter sich gebracht. "Ich erinnere mich an die Testfahrten im Jahr 2007", merkt Hamilton an.

Damals befand er sich in seinem Rookiejahr bei McLaren, insgesamt zehn Testtage standen ihm vor dem Auftakt zur Verfügung, "aber seitdem werden es immer weniger. Vor dem ersten Rennen haben wir nur eineinhalb Testtage und das mit anderen Reifen und neuen Aerodynamikänderungen."

14 Jahre später hofft er, all seine Erfahrung einsetzen zu können, "um das Beste daraus zu machen". Auch Teamkollege Bottas versucht nach dem verkorksten Auftakt positiv gestimmt zu bleiben. "Das Gute daran ist, dass man in diesem Jahr verpasste Fahrzeit hoffentlich aufholen kann", glaubt der Finne.

Bottas: "Werden verpasste Zeit wieder hereinholen können"

"Denn durch die Auswirkungen der Budgetobergrenze werden die Kilometer beschränkt. Ich bin zuversichtlich, dass wir die verpasste Zeit wieder hereinholen können und freue mich am restlichen Wochenende auf zwei gute Testtage."

Dennoch muss er auch festhalten, dass sich Mercedes nach den reibungslosen Testfahrten der Vorjahre in einer ungewohnten Situation wiederfindet. "Das gesamte Team hatte sich darauf gefreut, heute auf die Strecke zu fahren, aber auf der Installationsrunde haben wir dann leider Schwierigkeiten mit dem Getriebe festgestellt."

Danach musste das Problem lokalisiert und das Getriebe getauscht werden, "was einige Zeit in Anspruch nahm". Erst Ende der Vormittagssession ging er schließlich wieder auf die Strecke. Aufgrund der roten Flagge durch Charles Leclerc konnte er aber kaum Runden drehen.

"Alles in allem habe ich sechs Umläufe zurückgelegt, bei allen hatte ich Messgeräte am Auto. Insgesamt bin ich heute also nicht viel zum Fahren gekommen, was keinen idealen Auftakt darstellt", lautet sein Fazit. War es ein Fehler von Mercedes, keinen Filmtag vor den Tests zu fahren?

Womöglich wären im Rahmen eines Shakedowns die technischen Probleme eher aufgetreten und hätten so schon vor den Tests behoben werden können. "Das ist im Nachhinein immer leicht zu sagen, Stand jetzt hätten wir wohl einen gemacht vorher. Aber in den vergangenen Jahren lief alles immer sehr reibungslos."

Er wird bis Samstagnachmittag auf seine nächste Chance warten müssen, denn am zweiten Testtag darf zunächst Hamilton ins Lenkrad greifen. Am Sonntag ist dann wieder Bottas am Vormittag dran, der Weltmeister begeht den Abschluss der Tests am Nachmittag.

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