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"Schlechter Journalismus": Vettel redet nicht gern über Teamorder

Sebastian Vettel hält sich mit seinen Aussagen zur Ferrari-Teamorder in Schanghai bewusst zurück, weil er befürchtet, von den Medien missverstanden zu werden

(Motorsport-Total.com) - Die (missglückte) Teamorder bei Ferrari war nach dem Grand Prix von China in Schanghai das bestimmende Thema im Formel-1-Paddock. Natürlich hatten die internationalen Journalisten bohrende Fragen für die Protagonisten der Scuderia parat - aber Sebastian Vettels Lust darauf, diese zu beantworten, war enden wollend.

"Mir war schon in dem Moment, als es passiert ist, klar, dass ich diese Fragen beantworten muss", sagt Vettel und wendet sich an die im Saal versammelten Journalisten: "Ich bin mir nicht sicher, ob ich sie auch beantworten will, denn mir gefällt nicht, wie ihr arbeitet. Ihr klaubt die Antworten auseinander und setzt sie ins falsche Licht."

Auf die Frage, ob der beste Weg, Weltmeister zu werden, eine Positionierung als Nummer 1, mit Teamorder zu den eigenen Gunsten, sei, reagiert er schnippisch mit einer Anspielung auf Sotschi 2018: "Weiß nicht. Fragt doch Lewis! Mercedes war da in einer ganz anderen Situation. Es ist nicht das erste Mal, dass sowas passiert."

"Wir versuchen halt, das Beste für das Team rauszuholen", rechtfertigt sich Vettel. Die Idee hinter dem Platztausch in der elften Runde des Grand Prix von China war, den Deutschen nach vorne zu lassen, damit er Jagd auf Mercedes machen kann. Das gelang ihm nicht. Stattdessen fiel Charles Leclerc als Konsequenz davon sogar auf den fünften Platz zurück.

Vettel: Von den Medien gescholten

"Vor zwei Wochen", erklärt Vettel, "war Charles schneller. In Bahrain war das Überholen vielleicht ein bisschen leichter. Aber was uns nach diesem Rennen wirklich ärgert, ist, dass wir nicht Dritter und Vierter geworden sind. Klar will ich vor Charles sein, und er vor mir. Sehr viel mehr will ich dazu nicht sagen. Weil ich nicht weiß, was ihr dann aus meiner Antwort macht."

Der 31-Jährige, der sich zuletzt nach seinem Dreher im Duell mit Lewis Hamilton in Bahrain (erneut) einiges an Kritik gefallen lassen musste, betont, dass er mit seiner Medienkritik auf keine bestimmte Story abzielt. Es gehe ihm generell um "schlechten Journalismus. Meiner Meinung nach. Aber ich bin ja kein Journalist, um das zu beurteilen. Daher sollten Sie das nicht persönlich nehmen."

Einem Journalisten bietet er dann an, die Frage nach dem Warum der Teamorder "in einer halben Stunde im Paddock" zu beantworten, und zwar "off the record" - also vertraulich, inoffiziell. "Das schreiben Sie dann nicht auf." Nicht alle Journalisten arbeiten unseriös, unterstreicht er. "Aber einige schon."

Sebastian Vettel, Charles Leclerc

Zwischen den beiden Ferrari-Piloten bahnt sich eine Rivalität an Zoom

Dass es bei Ferrari kaum noch ein anderes Thema gibt als das Gerede über den Nummer-1-Status im Team, empfindet Vettel per se nicht als frustrierend. "Dass ich immer wieder die gleichen Fragen beantworten muss, das schon", sagt er und stellt klar: "Das Team hat immer Priorität. Das weiß Charles, das weiß ich."

"Wir fahren auf der einen Seite für das Team. Auf der anderen Seite fahren wir natürlich auch unser eigenes Rennen", erklärt Vettel. "Solche Dinge sind nie angenehm. Aber wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Die Zeit wird zeigen, ob wir das heute richtig gemacht haben oder nicht."

Im Gegensatz zu Bahrain, wo Leclerc das komplette Wochenende hindurch den Eindruck hinterließ, der schnellere Ferrari-Pilot zu sein, war Vettel in China zumindest ebenbürtig unterwegs, phasenweise sogar einen Tick schneller. Insofern ist nachvollziehbar, dass ihn Ferrari an Leclerc vorbeigeschleust hat.

Vettel: Im ersten Stint schneller als Leclerc

Dabei, das stellt Teamchef Mattia Binotto klar, ging es nicht darum, Vettel als Nummer 1 zu positionieren und ihm die Möglichkeit auf maximale Punkte einzuräumen. Sondern weil Leclerc mit den führenden Mercedes nicht mithalten konnte, wollte man sehen, ob Vettel das kann. Dass Leclercs Rennen danach eine so unglückliche Wendung nahm, fällt in die Kategorie Kollateralschaden.

Sebastian Vettel

Die Freude war nach dem dritten Platz recht überschaubar Zoom

"Ich hatte das Gefühl, dass ich schneller fahren konnte, und ich wurde gefragt, ob ich schneller fahren kann. Da habe ich geantwortet, dass ich glaube, dass ich das kann", schildert Vettel. "Als ich dann freie Fahrt hatte, hatte ich plötzlich ein bisschen Schwierigkeiten." Unter anderem leistete er sich einen Verbremser in der Haarnadel, bei dem sich Leclerc zurückhalten musste.

Zu Vettels Verteidigung sei erwähnt: Während er selbst Leclerc im DRS-Fenster folgen konnte wie ein Schatten, hatte er, als er einmal vorne war, die DRS-Gefahr ziemlich rasch gebannt. "Als ich einmal meinen Rhythmus hatte, konnte ich mich absetzen", berichtet er. Bei seinem Boxenstopp in Runde 18 betrug sein Vorsprung 1,7 Sekunden.

"Das Ziel war, Mercedes einzuholen. Aber die waren da schon ziemlich weit weg", sagt Vettel. Sein Rückstand auf den an zweiter Stelle liegenden Valtteri Bottas betrug unmittelbar nach dem Platztausch mit Leclerc (Runde 11) 4,7 Sekunden. Und wuchs bis zum Boxenstopp (Runde 18) auf 8,9 Sekunden an.

"Du versuchst immer das zu tun, was dir in dem Moment richtig erscheint", unterstreicht der Ferrari-Pilot. "Ich verstehe, dass das für Außenstehende nicht immer leicht zu beurteilen ist. Aber Mercedes liegt momentan ein bisschen vor uns. Wir müssen verstehen warum - und sollten uns nicht über sowas (Teamorder; Anm. d. Red.) den Kopf zerbrechen."

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