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Kurz vor Doppelstopp: Bottas bat Mercedes um Einstopp-Strategie

Weil er sonst keine Chance auf den Rennsieg sah, wollte Valtteri Bottas mit nur einem Stopp durchkommen - Nach dem Rennen sieht er, dass Mercedes richtig lag

(Motorsport-Total.com) - Seine WM-Führung ist Valtteri Bottas nach dem dritten Saisonlauf in China los. Der zweite Platz von Schanghai reichte dem Finnen nicht, um seine Führung gegen Teamkollege Lewis Hamilton zu verteidigen. "Ich bin enttäuscht", sagt Bottas. Enttäuscht, dass er die WM-Führung abgeben musste. Enttäuscht aber vor allem auch, dass er das Rennen am Sonntag nicht gewinnen konnte.

Valtteri Bottas, Lewis Hamilton

Valtteri Bottas ist nicht glücklich mit dem zweiten Platz am Sonntag Zoom

"Wenn du von der Pole startest, gibt's für das Rennen nur ein Ziel", stellt er klar. Er ist überzeugt: Rein vom Tempo her wäre Hamilton absolut schlagbar gewesen. Zwar kämpfte er im ersten Stint mit der verwirbelten Luft des Briten, "aber im zweiten und dritten Stint, das weiß ich, hätte ich ihn packen können."

Dass das nicht geklappt hat, lag eigentlich einzig und allein am Start. Dort musste Bottas die Führung gleich überlassen, weil er laut eigener Aussage durchdrehende Räder auf der Start-/Ziellinie direkt vor seiner Startbox hatte. "In diesem Sport geht es um kleine Details", hadert er. "Einiges kannst du nicht beeinflussen. Heute war vielleicht so ein Tag."

Bottas' Sorge vor dem Doppelstopp

Hamilton fuhr das Rennen anschließend kontrolliert herunter, allerdings kam Bottas nach dem ersten Stopp plötzlich deutlich näher. Das lag unter anderem daran, dass Mercedes Bottas in Runde 21 zuerst an die Box holte, obwohl normalerweise der führende Fahrer Priorität genießt. Doch mit dem frühen Stopps von Sebastian Vettel und Max Verstappen dahinter, sah man die Gefahr, dass Bottas überholt wird, wenn man zuerst Hamilton an die Box holen würde.

In Runde 36 gab es diese Priorität nicht: Stattdessen holten die Silberpfeile gleich beide Piloten gleichzeitig an die Box, obwohl es ein hohes Risiko gibt, mit beiden Fahrzeugen viel Zeit zu verlieren, sollte bei einem Auto etwas schiefgehen. Das wusste auch Bottas: "Ich war sehr besorgt. Ich weiß, dass du als hinteres Auto bei sowas Zeit verlierst", sagt er. Denn selbst wenn nichts schiefgeht, muss man zumindest warten, bis der Vordermann fertig ist.

Doch Mercedes hatte für diese Variante seine Gründe: "Valtteri war unter Druck von Sebastian, und wenn Sebastian an die Box gekommen wäre, hätte er einen Undercut gegen Valtteri gemacht", erklärt Motorsportchef Toto Wolff. "Die logische Variante ist daher, Valtteri zuerst reinzuholen."

Plan: Mit einem Stopp zum Rennsieg

Das Problem von Mercedes: Hätte man Bottas zuerst an die Box beordert, hätte dieser wiederum einen Undercut gegen Hamilton gemacht. "Wir wollten aber nicht in die Reihenfolge eingreifen, daher haben wir uns für den Doppelstopp entschieden", so Wolff. "Wir wussten, dass wir den nötigen Abstand haben, um das richtig zu machen und haben Valtteri versichert, dass er keine Zeit verlieren würde."

Doch Bottas war nicht überzeugt. Er fragte beim Team nach, ob man das wirklich machen wolle oder ob er nicht einfach eine Runde später an die Box kommen könne - oder sogar gleich ganz draußen bleiben. Sein Gedanke: "Ich wusste, dass es meine einzige Chance ist, das Rennen zu gewinnen, wenn ich nicht gleichzeitig mit Lewis reinkomme."

Das Risiko war Mercedes aber zu groß, weswegen man den Doppelstopp anordnete und durchzog. Und im Nachhinein sei das auch die richtige Entscheidung gewesen, sagt der Finne: "Jetzt, wo ich die Daten gesehen habe, verstehe ich die Entscheidung des Teams. Die war richtig, um den Doppelsieg abzusichern. Ich selbst wollte das Risiko eingehen, aber im Nachhinein glaube ich nicht, dass die Reifen gereicht hätten."

Wolff: "Echt beeindruckend!"

Von einer Verschwörung, dass die Silberpfeile wollten, dass Hamilton gewinnt, will er daher auch nichts wissen: "Nein, alles logisch", winkt er ab.

Der Stopp selbst hat in Toto Wolff Staunen und Glücksgefühle ausgelöst, weil er so gut funktioniert hat: "Das war echt beeindruckend, wie die Jungs das hinbekommen haben", lobt er. "Jeder, der die Formel 1 versteht, konnte sehen, dass die Choreografie beeindruckend war. Und selbst Dieter Zetsche (Daimler-Vorstand; Anm. d. Red.) hat die Mechaniker zusammengerufen und gesagt, dass er so etwas noch nie zuvor gesehen hat."

Bottas' verlor bei seinem Stopp sogar weniger Zeit als Hamilton, doch eine Chance auf den Sieg hatte er anschließend nicht mehr. Er musste sich mit Rang zwei begnügen und seinem Teamkollegen zum zweiten Sieg in Folge gratulieren. Nach der ersten Enttäuschung über das verlorene Rennen kann der Mercedes-Pilot aber auch den guten Start genießen.

Bottas will den Spieß wieder umdrehen

Einmal Erster, zweimal Zweiter ist für Bottas eine Bilanz, mit der er gut leben kann. 62 Punkte hat er nämlich insgesamt geholt und damit 24 mehr als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison. "So kann's weitergehen", sagt er.

Natürlich meint er damit aber nicht, dass er weiter hinter Teamkollege Hamilton hängen will. "Ich wäre lieber noch in Führung, aber das ist jetzt eben die Situation", sagt er und verweist darauf, dass noch 18 Rennen zu fahren sind. "Wenn ich weiterhin gute Leistungen bringe, kann ich den Spieß wieder umdrehen."

Das ist auch das Ziel für Baku. Und dort hat er nach dem Vorjahr noch eine Rechnung offen. Ein Reifenschaden in der letzten Runde verhinderte damals seinen Sieg und brachte seine Saison zum Kippen. Das soll ihm 2019 nicht wieder passieren.

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