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Sauber: Keine Ablöse-Millionen für Perez

Peter Sauber verdient mit dem Perez-Wechsel zu McLaren nicht so viel wie einst mit Räikkönen, zumindest scheint ihm aber Telmex erhalten zu bleiben

(Motorsport-Total.com) - Als Peter Sauber Ende 2001 Kimi Räikkönen an McLaren verkaufte, kassierte er geschätzte zehn Millionen Euro Ablöse. Beim Wechsel von Sergio Perez zum Topteam nach Woking schauen die Schweizer hingegen durch die Finger: "Es war kein Geld involviert", bestätigt Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn.

Sergio Perez und Monisha Kaltenborn

Es heißt Abschied nehmen: Sergio Perez umarmt Monisha Kaltenborn Zoom

Zumindest nicht für die Sauber-Kriegskasse, denn grundsätzlich spielt Geld beim Perez-Deal natürlich eine Rolle. Medienberichten zufolge erhält Perez künftig eine ansehnliche Jahresgage von sieben Millionen US-Dollar (umgerechnet 5,4 Millionen Euro) - und sein Sponsor Telmex soll laut Informationen von 'Autosport' mindestens 2,5 Millionen Dollar (1,9 Millionen Euro) in die Hand genommen haben, um McLaren den jungen Mexikaner schmackhaft zu machen.

Gerüchten zufolge könnte Telmex sogar parat stehen, falls sich Vodafone als McLaren-Titelsponsor zurückziehen sollte, aber bei Sauber macht man sich angesichts des Paddock-Getuschels keine Sorgen: "Diese Saison gibt es so viele Gerüchte. Wenn man sich über jedes einzelne den Kopf zerbricht, würde man zu nichts anderem mehr kommen", winkt Kaltenborn ab. "Telmex hat uns gesagt, dass sie aus ihrer Sicht ein langfristiges Projekt mit Sauber haben."

Telmex steht weiter hinter Sauber

"Das wird durch Sergios Wechsel nicht beeinträchtigt", unterstreicht sie und ergänzt: "Wir haben diese Aussage von Telmex. Ich meine, sie haben gesehen, dass wir sehr gut zu ihrer Gesamtvision im Motorsport passen. Sie haben ja nicht nur die Rennfahrerschule, die Escuderia Telmex, sondern wollen Motorsport in dieser Region der Erde (Südamerika; Anm. d. Red.) populärer machen. Die Formel 1 verwenden sie als Marketingplattform für ihre riesigen Marken."

Sollte Telmex Sponsor bleiben (der Vertrag läuft dem Vernehmen nach bis Ende 2013, offiziell bestätigt ist dies jedoch nicht), ist ein Mitspracherecht der Slim-Familie auf die Fahrerwahl nicht ausgeschlossen. Jetzt, wo Perez nicht mehr da ist, würde es logisch erscheinen, mit Esteban Gutierrez einen weiteren Mexikaner ins Sauber-Stammcockpit zu hieven. Der 21-Jährige wurde dieses Jahr Gesamtdritter der GP2-Meisterschaft.

"Das bedeutet es nicht automatisch, aber es ist eine der Möglichkeiten, die wir in Betracht ziehen, denn Esteban steht schon lange mit dem Team in Verbindung - schon seit seinen Formel-BMW-Zeiten", sagt Kaltenborn. "In den vergangenen beiden Jahren war er Test- und Ersatzfahrer. Das ist eine unabhängige Beziehung. Wir wollen auch nichts über Esteban bekannt geben, nachdem Sergio das Team verlassen hat - das sind zwei voneinander unabhängige Angelegenheiten."

Sauber baut Gutierrez für die Formel 1 auf

"Wir werden die Fahrerpaarung separat bekannt geben. Es ist aber unsere Verpflichtung, Esteban auf dem Weg in die Formel 1 vorzubereiten", gibt die Österreicherin zu Protokoll. Keinen Hehl macht Kaltenborn aus der Tatsache, dass man Perez gerne behalten hätte: "Es war seine Entscheidung, uns zu verlassen. Alles andere sind vertragliche Details, über die ich nicht sprechen kann." Womit die Frage nach der zukünftigen Fahrerpaarung auf Antworten wartet.

Kamui Kobayashi

Kamui Kobayashi hat sein Sauber-Cockpit für nächste Saison nicht sicher Zoom

Die Liste der Namen, die mit Sauber in Verbindung gebracht werden, wird immer länger: Jaime Alguersuari soll rund um CEPSA ein spanisches Sponsorenpaket geschnürt haben, Nico Hülkenberg gilt als heißer Kandidat, Heikki Kovalainen eher nicht mehr, Pastor Maldonado (mit PDVSA-Millionen) meinte heute, sein Verbleib bei Williams sei nicht in Stein gemeißelt, und Adrian Sutil ist schon seit Monaten auf Jobsuche - und bringt Kleingeld von Medion und Capri-Sonne mit.

Kaltenborn will all diese Gerüchte nicht kommentieren: "Wir wollen jetzt nicht damit anfangen, etwas über einzelne Fahrer zu sagen, unabhängig davon, ob es eine Verbindung zu ihnen gibt oder nicht." Sie schließt aber nicht aus, dass es 2013 eine komplett neue Fahrerpaarung geben könnte: "Das ist eine Möglichkeit, wir haben uns ja noch nicht entschieden. Ich mache mir deswegen aber keine Sorgen, denn mit diesem Auto haben wir bewiesen, dass wir eine starke Performance abliefern können."

Routine spricht für Kobayashi

Nachsatz: "Bei jungen Fahrern muss uns klar sein, dass es keine Garantien gibt. Junge Fahrer machen Fehler, die vielleicht Punkte kosten. Aber so hatten wir uns damals (Ende 2011; Anm. d. Red.) entschieden. Die Basis muss sowieso ein gutes Auto sein." Für junge Fahrer spricht, dass sie oftmals hungriger sind als erfahrene Routiniers. Man werde aber "nicht zwingend" diesen Weg einschlagen: "Wir stehen vielen unterschiedlichen Ideen aufgeschlossen gegenüber", sagt Kaltenborn.


Fotos: Sauber, Großer Preis von Japan, Pre-Events


Dass sich Perez, der von den Medien anfangs als Bezahlfahrer kritisiert wurde, dieses Jahr so gut durchgesetzt hat, ist für das Sauber-Team eine Genugtuung: "Wir erinnern uns noch sehr gut daran, wie scharf wir dafür kritisiert wurden, als wir ihn verpflichtet haben. Aber wir haben es gemacht, denn wir waren von seinem Talent überzeugt. Und auf dieser Basis haben wir viele andere abgelehnt. Wir waren von Anfang an von ihm überzeugt", so Kaltenborn.

"Wir sehen uns in den nächsten zehn Jahren aber nicht nur als Team, das jungen Fahrern als Ausbildungsstätte dient", ergänzt sie. "Wenn man uns fragt, ob uns diese Situation gefällt, sagen wir ganz klar: Nein! Du wünschst dir das nicht für dein Team. Was können wir dagegen tun, dass uns die Talente davonlaufen? Ihnen ein schnelles Auto geben! Dieses Jahr haben wir einen sehr großen Schritt in diese Richtung gemacht."

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