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Sauber-Analyse: Was würde Nico Hülkenberg mit dem C44 anstellen?

Der Sauber C44 ist zu langsam in den Kurven und nicht ideal für eine Runde, Valtteri Bottas rechnet sich im Rennen aber bessere Chancen aus

(Motorsport-Total.com) - Für das Schweizer Sauber-Team hat die Formel-1-Saison 2024 nicht nach Wunsch begonnen. Valtteri Bottas und Guanyu Zhou schieden im Qualifying zum Grand Prix von Bahrain in Q1 aus. Am Ende Platz 16 und Platz 17 für den Finnen und den Chinesen, die nur durch eine Tausendstelsekunde voneinander getrennt waren und eine Zehntelsekunde Rückstand auf Platz 15 (Kevin Magnussen) hatten, der für den Einzug ins Q2 gereicht hätte.

Titel-Bild zur News: Valtteri Bottas

Valtteri Bottas hat nicht damit gerechnet, in Bahrain in Q1 auszuscheiden Zoom

Es sei letztendlich "sehr eng" gewesen, analysiert Bottas: "Gestern haben wir gesehen, dass wir auf eine Runde nicht alles rausholen, wenn man es mit dem Longrun vergleicht. Da gibt es einen klaren Performance-Unterschied. Heute hat sich das bestätigt."

Auch Zhou glaubt, dass Sauber das Qualifying derzeit noch schwerer fällt als das Rennen: "Schwer zu sagen, was es ist. Es scheint schwieriger zu sein, die eine schnelle Runde hinzubekommen", sagt er und ergänzt: "Selbst wenn du eine saubere Runde triffst, scheinen wir beim Grip einen kleineren Schritt gemacht zu haben als unsere direkten Gegner im Mittelfeld."

In den Kurven langsamer als Referenz Tsunoda

Die direkten Gegner im Mittelfeld, das sind zum Beispiel die Racing Bulls, am Freitag in Bahrain mit Yuki Tsunoda auf Platz 11. Mit so einem Ergebnis wäre man auch bei Sauber zufrieden gewesen. Doch die Analyse der Telemetriedaten via F1-Tempo.com zeigt: Dafür verliert der grün-schwarze C44 vor allem in den Kurven zu viel Zeit.

Bottas erklärt: "Heute war eher Untersteuern in der Mitte der Kurve das Problem. Ich glaube, dass ich das Auto für eine schnelle Runde besser abstimmen hätte können. Das hätte dann aber Rennperformance gekostet. Das erfordert einen Kompromiss."

Beim Topspeed, gemessen am Ende der Start- und Zielgeraden, lag das Formel-1-Feld 2024 im Qualifying in Bahrain dicht beisammen. Klammert man Max Verstappen einmal aus, liegen alle anderen innerhalb von 8,5 km/h. Bottas liegt auf Platz 10 der Topspeed-Tabelle, mit 318,3 km/h Spitze. An den Messpunkten bei den beiden Zwischenzeiten ist er Achter beziehungsweise Siebter.

Bottas ist optimistisch, dass es für Sauber im Rennen weiter nach vorn gehen könnte: "Mit dem Set-up, das ich habe, fühle ich mich im Longrun viel wohler. Auf dieser Strecke ist der Abbau der Hinterreifen immer ein Thema. Ich bin schon sehr gespannt, ob wir im Rennen belegen können, dass unsere Rennpace besser ist."

Trotzdem ein Fortschritt im Vergleich zu 2023?

Immerhin: Grundsätzlich ist der ehemalige Mercedes-Pilot davon überzeugt, dass Sauber im Vergleich zu 2023 ein Schritt nach vorn gelungen ist. Vor einem Jahr war er im Qualifying in Bahrain Zwölfter, Zhou landete auf P13. Damals fehlten in Q2 1,2 Sekunden auf die Bestzeit. 2024 waren es in Q1 nur noch 0,8 Sekunden.

"Besonders im Renntrimm fühle ich mich viel wohler. Das steht fest", sagt Bottas. "Aber ich hätte ehrlich gesagt vor dem Wochenende nicht damit gerechnet, in Q1 auszuscheiden. Wir haben am Donnerstag schon gesehen, dass wir einen Schritt nach vorn machen müssen, wenn wir weiterkommen wollen. Und dieser Schritt war nicht groß genug."

"Es ist definitiv eine Priorität, unsere Performance auf eine Runde hinzukriegen. Besonders bei so kühlen Temperaturen haben wir da ein Problem", analysiert er und ergänzt: "Wenn ich schaue, wie dicht alles beisammen liegt, ist es definitiv möglich, nach vorn zu rücken. Das kann aber nur gelingen, wenn wir schneller entwickeln als andere."

Unter dem neuen Technischen Direktor James Key, der zu spät in die Entwicklung des C44 eingestiegen ist, um das gesamte Basiskonzept zu entwickeln, seien "mehr Updates geplant als vergangenes Jahr. Das ist gut", freut sich Bottas. Und: "Es ist noch früh, und es denkt niemand dran, jetzt schon aufzugeben."

Zhou nickt: "Wir haben diesmal mehr Schritte für während der Saison geplant als in den vergangenen Jahren. Das wird uns ein bisschen helfen. Aber es wird nicht ausreichen, wenn wir eine Zehntelsekunde mehr aus diesem Paket rausholen. Wir müssen uns hinsetzen und schauen, die beste Konfiguration für das Auto zu finden. Denn im Moment sind wir eindeutig zu weit hinten."

Zhou: Ohne Fehler hätte er Bottas geschlagen

Das lag in seinem speziellen Fall auch ein wenig am Fahrer. Zhou unterlief auf seiner schnellsten Runde ein Fehler in der letzten Kurve. Bis dahin lag er laut Telemetrie sogar 0,077 Sekunden vor Bottas. "Der Fehler hat mich wahrscheinlich Platz 16 gekostet. Ob es auch für Platz 15 gereicht hätte, weiß ich nicht", sagt Zhou.

Sein Fazit: "Es ist uns schwergefallen, die Pace zu finden. Wir hatten schon vor dem Qualifying damit gerechnet, in Q1 auszuscheiden. Das ist schade, aber wir müssen einfach schauen, mehr aus diesem Paket rauszuholen. Denn es ist mit diesem Auto nicht so leicht, die Balance hinzukriegen."

Unklar bleibt in der Analyse der Sauber-Performance, welche Rolle die Fahrer im Gesamtbild spielen. Drei Zehntelsekunden schneller, und Bottas wäre in Q1 in der Nähe von Lewis Hamilton auf Platz 10 gewesen, statt als 16. auszuscheiden. Es gibt erste Stimmen, die sich fragen: Was würde eigentlich ein Nico Hülkenberg mit dem Sauber anstellen?


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