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Sainz-Crash in Sotschi: Überraschung bei Unfallauswertung

Von 153 auf null km/h in vier Metern: Carlos Sainz' Unfall in Sotschi zeigt, wie sicher die Formel 1 mittlerweile ist, woran sie aber auch noch arbeiten kann

(Motorsport-Total.com) - Die FIA hat bei einem Medienbriefing am Samstag in Austin die Ergebnisse ihrer Untersuchung des Unfalls von Carlos Sainz im Freien Training zum Grand Prix von Russland präsentiert. Dabei kamen überraschende Erkenntnisse zutage, nachdem zunächst verschiedene Theorien über die Folgen im Umlauf gewesen waren.

Carlos Sainz

Der Toro Rosso von Carlos Sainz war unter den TecPro-Barrieren vergraben Zoom

Der Toro-Rosso-Fahrer war nach seinem Unfall rund eine Viertelstunde unter den sogenannten TecPro-Barrieren begraben, ohne dass er von Ersthelfern versorgt werden konnte. Weil die Stromversorgung im Auto zusammengebrochen war, hatte er auch keinen Funkkontakt zu seinem Team. Im Falle von Verletzungen, die ein schnelles Eingreifen der medizinischen Rettungskräfte erfordern, hätte das fatale Folgen haben können.

Zunächst kursierte eine Theorie, wonach sich der Toro Rosso aufgrund der tiefen Nase eingegraben haben könnte, und prompt wurde der Ruf laut, über die Sinnhaftigkeit des Verbots der hohen Nasen nachzudenken. Doch die FIA-Untersuchung hat ergeben, dass es diesbezüglich keinen Zusammenhang gibt. Das beweisen Videoaufnahmen, die den Medienvertretern in Austin gezeigt wurden, ansonsten aber unter Verschluss gehalten werden.

Darauf ist zu sehen, dass die TecPro-Barrieren zunächst ihren (lebensrettenden) Zweck erfüllen und den Aufprall entscheidend abfedern. Das Auto rutscht aber nicht sofort unter die Barrieren, wie im ersten Moment angenommen wurde. Vielmehr wird die Barriere zunächst gegen die dahinter stehende Betonmauer gedrückt - und nur wenige Sekundenbruchteile später kommt es zu einem Rückstoß der Barriere von der Mauer weg.

Bei diesem Rückstoß bewegt sich die Barriere nicht nur in Richtung Auto/Rennstrecke, sondern auch leicht nach oben, wodurch das Auto unter ihr vergraben wird. "Das zu verbessern, ist sehr wichtig", gesteht FIA-Sicherheitsdirektor Laurent Mekies, "denn der Rettungsmannschaft wurde dadurch das Leben schwer gemacht. Es war aber nicht so, dass das Auto einfach unter die Barriere gerutscht ist. Die Schlüsse, die wir jetzt ziehen, widersprechen den ersten Vermutungen."


Fotostrecke: Horror-Crash von Carlos Sainz

Doch bei aller Kritik: Letztendlich haben die TecPro-Barrieren ihren Zweck erfüllt. Sainz überlebte bei dem Aufprall eine Verzögerung von rund 40g - und sein Auto wurde auf einer Strecke von nur vier Metern von 153 auf null km/h verzögert. "Es war ein ziemlich extremer Aufprall, vielleicht der härteste dieses Jahres", erklärt Mekies. "Es ist erstaunlich, dass sowohl Auto als auch Barrieren dem Fahrer ermöglicht haben, diesen Unfall unverletzt zu überstehen."

"Die Zahlen", ergänzt GPDA-Chef Alexander Wurz, "waren ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass Carlos am nächsten Tag das Rennen gefahren ist. Das ist sehr beeindruckend und all der Arbeit für die Sicherheit zu verdanken. Wir hören nicht auf, sondern die Formel 1 sucht ständig nach noch sichereren Lösungen. Mit dem Problem, dass er unter den Barrieren eingegraben wurde, werden wir uns auseinandersetzen."