powered by Motorsport.com
  • 21.09.2022 · 11:57

  • von Kevin Hermann, Co-Autor: Jonathan Noble

Safety-Car-Regeln spalten Formel 1: Rote Flagge eine Option für die Zukunft?

Red-Bull-Teamchef Christian Horner ist nicht gut auf das Safety-Car-Ende in Monza zu sprechen, während McLaren-Teamchef Andreas Seidl das Thema zu den Akten legt

(Motorsport-Total.com) - Die Debatte über die Safety-Car-Regeln in der Formel 1 wurde beim Großen Preis von Italien neu entfacht, als das Rennen nicht neu gestartet wurde, nachdem Daniel Ricciardo fünf Runden vor Schluss mit einem technischen Defekt ausschied und das Feld somit hinter dem Safety-Car ins Ziel kam.

Das Safety-Car vor Max Verstappen beim Rennen in Monza 2022

Zum Unmut der Fans ging der Grand Prix von Italien hinter dem Safety-Car zu Ende Zoom

Obwohl sich die Rennleitung dieses Mal buchstabengetreu an die Regeln hielt - anders als im vergangenen Jahr in Abu Dhabi, wo der Neustart in der letzten Runde die Meisterschaft entschied -, blieb bei den Fans ein bitterer Beigeschmack zurück, weil es kein Ende des Rennens unter grünen Flaggen gab.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner sagt, er sei der Meinung, dass das Rennen mit roter Flagge hätte beendet werden müssen, um sicherzustellen, dass zumindest eine Runde gefahren wird und das Rennen nicht unter dem Safety-Car endet.

Horner ärgert sich über "banalen Zwischenfall"

"Ich persönlich war enttäuscht, denn ich hatte das Gefühl, dass das Safety-Car das falsche Auto erwischt hat und dann verzögerte sich die Sache noch weiter, weil es sich um einen ziemlich banalen Zwischenfall handelte", sagt der Red-Bull-Teamchef.

"Das Auto war nicht in der Leitplanke oder so etwas Ähnliches. Wir haben immer darüber gesprochen, dass niemand ein Rennen mit einem Safety-Car zu Ende fahren möchte. Ich hatte das Gefühl, dass genug Zeit war, um das Rennen wieder in Gang zu bringen. Wir hätten das Rennen lieber unter Rennbedingungen gewonnen als unter einem Safety-Car."

Laut McLaren-Teamchef Andreas Seidl konnten sich die Formel-1-Teams bei den Diskussionen nach der letztjährigen Kontroverse in Abu Dhabi aber nicht auf einen Plan einigen, der das Beenden von Rennen unter dem Safety-Car verhindern sollte.

Seidl: "Konnten uns auf keine bessere Lösung einigen"

"Nach dem, was vergangenes Jahr in Abu Dhabi passiert ist, gab es viele Diskussionen zwischen der FIA, der Formel 1 und allen beteiligten Teams, um zu sehen, wie die Regeln geändert werden können, um sicherzustellen, dass Rennen nie unter einem Safety-Car enden", erklärte Seidl nach dem Rennen.

"Aber obwohl die FIA und die Formel 1 uns alle wirklich gedrängt haben, Lösungen zu finden, lag es an uns als Teams, aber wir konnten uns auf keine bessere Lösung einigen, die dann auch noch sportlich eine faire Lösung ist. Deshalb, denke ich, müssen wir einfach akzeptieren, dass es leider zu solchen Situationen kommen kann."


Rennende unter Gelb: Ist DAS die Lösung?

Interview: Die Formel 1 sollte nach Amerika schauen, um ein Farce-Rennende wie in Monza zu verhindern, findet Experte Marc Surer. Weitere Formel-1-Videos

Seidl sagt, die FIA und die Formel 1 hätten "wirklich alles versucht", um einen Weg zu finden, die Regeln so zu ändern, dass die Rennen immer unter grüner Flagge beendet werden, aber es habe zu viele Bedenken von Seiten der Teams gegeben, dass das Spektakel über den sportlichen Aspekt gestellt werde.

"Wir wollen nur eine Lösung, die auch sportlich fair ist und nicht plötzlich in Gefahr gerät", so Seidl. "Und deshalb konnten wir uns auf nichts Besseres einigen als auf das, was wir jetzt haben. Am Ende haben wir dafür gestimmt, dass das Reglement so bleiben soll, wie es jetzt ist. Soweit ich mich erinnere, hat jedes einzelne Team so abgestimmt. Und deshalb denke ich, dass wir das Thema abschließen sollten."

Horner widerspricht: Zwei Runden wären möglich gewesen

Für Horner war die Angelegenheit in Monza jedoch nicht durch das Reglement bedingt, sondern durch ein schlecht getimtes Safety-Car-Prozedere: "Ich denke, das hätte man in der Zeit klären können, um ehrlich zu sein. Es war ein Fall, in dem das falsche Auto [George Russell] aufgegriffen wurde."

"Das Safety-Car hat den Führenden nicht aufgefangen, was zu einer enormen Verzögerung führte, sodass die Führenden aufholen mussten und dann auch die überrundeten Autos hätten aufholen müssen. Und ich denke, man hätte mindestens eine Rennrunde fahren können. Wahrscheinlich sogar zwei."

"Man kann immer etwas lernen, aber es widerspricht den Prinzipien, die wir besprochen haben und es ist nicht gut, Rennen unter dem Safety-Car zu beenden", so Horner. "Und wenn sie gewusst hätten, dass sie es nicht hinkriegen, hätten sie die rote Flagge zeigen und das Rennen neu starten sollen, aber das ist offensichtlich nicht passiert."

FIA denkt über Änderungen der Safety-Car-Regeln nach

FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem hielt am Montag nach dem Rennen in Monza ein Gipfeltreffen mit Rennleitern und Formel-1-Teammanagern ab, um eine Reihe von sportlichen Angelegenheiten zu besprechen, wobei die Safety-Car-Regeln wahrscheinlich zur Debatte standen.

Eine mögliche Option, um sicherzustellen, dass Rennen immer mit einer grünen Flagge enden, wäre es, in die Regeln zu schreiben, dass eine automatische rote Flagge gezeigt wird, wenn das Safety-Car innerhalb einer bestimmten Distanz vor dem Ende benötigt wird.


Rennende hinter Safety-Car, muss das sein? Ja!

Wir schlagen im Regelbuch nach und erklären, warum die Zieleinfahrt unter Gelb beim Grand Prix von Italien in Monza alternativlos war. Weitere Formel-1-Videos

Auf diesen Vorschlag angesprochen, meint Alpine-Sportdirekor Alan Permane, das klinge "großartig", werde aber unweigerlich "unbeabsichtigte Folgen" haben. "Aber es ist schon mal passiert, wir haben es vergangenes Jahr in Baku gemacht, und es war gut", sagt Permane.

Permane: Rennende in Monza war "nicht akzeptabel"

"Ich denke, das kann man in die Regeln schreiben. Es klingt nicht verrückt. Ich bin mir sicher, dass es etwas geben wird, das uns nicht gefällt, aber wir sind schließlich hier, um eine Show zu veranstalten. Und [der Zieleinlauf in Monza] war eindeutig nicht akzeptabel."

"Es ist kein idealer Zieleinlauf, niemand will unter dem Safety-Car ins Ziel kommen. Es ist miserabel, wirklich miserabel für die Fans. Wir haben nicht unser Bestes gezeigt, das steht fest. Aber vielleicht müssen wir nicht jedes Mal, wenn 50 Kilometer vor dem Ziel ein Safety-Car auftaucht, gleich die rote Flagge schwenken. Vielleicht müssen wir einfach sicherstellen, dass wir die Safety-Car-Prozeduren richtig hinbekommen, und wir haben daran gearbeitet, sie schneller zu machen."

"Das Problem ist, dass man bei Safety-Car-Phasen später im Rennen diese überrundeten Autos hat", erklärt Permane. "Wir haben endlose Diskussionen darüber geführt, wie man diese Situation verbessern kann, und es gibt definitiv viele unbeabsichtigte Konsequenzen, wenn man dieses Verfahren ändert."