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"Ein totaler Witz": Was Marc Surer in der Formel 1 anders machen würde

Das Rennende unter Gelb beim Grand Prix von Italien sorgt für Diskussionen, doch Formel-1-Experte Marc Surer hat jetzt einen konstruktiven Vorschlag entwickelt

(Motorsport-Total.com) - Der Zieleinlauf hinter dem Safety-Car in Monza hat nicht nur die Gemüter der Tifosi vor Ort erhitzt, die sich für den Grand Prix von Italien 2022 einen Showdown zwischen Max Verstappen und "ihrem" Ferrari-Fahrer Charles Leclerc gewünscht hätten. Sondern auch in Formel-1-Kreisen wird seither intensiv darüber diskutiert, was man in Zukunft besser machen könnte.

Marc Surer

Marc Surer hat einige Ideen, was die Formel 1 in Zukunft besser machen könnte Zoom

Klar ist: Rennleiter Niels Wittich hat sich am vergangenen Sonntag "auf Punkt und Beistrich" ans Reglement gehalten, findet nicht nur Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Aber: Könnte man das Reglement nicht vielleicht ändern, um in Zukunft ein Rennende unter Gelb, also hinter dem Safety-Car, zu verhindern?

Formel-1-Experte Marc Surer hat da "eine Menge Ideen", und einige davon hat er nun in einem Video auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de erklärt. Grundsätzlich findet er, dass man "nach Amerika schauen" sollte, denn "die haben das Problem ja öfter, speziell in der NASCAR. Und die hängen dann einfach ein paar Runden dran."

Surer spielt damit auf die sogenannte "Green-White-Chequered"-Regel an, die besagt, dass ein Rennen nach einer Gelbphase immer freigegeben werden muss, und sei es nur für eine allerletzte Runde. Zur Not wird dafür die Renndistanz verlängert. Das geht, weil in der NASCAR Nachtanken erlaubt ist - in der Formel 1 hingegen nicht.

"Green-White-Chequered" und das Nachtanken

Aber: "Hinter dem Safety-Car spart man Sprit", argumentiert Surer, "und da könnte man locker das Rennen verlängern. Das würde eigentlich das Problem schon lösen. Im Moment ist es ja so, dass sie hinter dem Safety-Car versuchen, mehr Sprit zu verbrennen. Das heißt, sie stellen die Motoren um, damit das Auto nicht zu schwer ist für den Endspurt. Das ist ja ein Blödsinn!"

Hintergrund: Fährt die Formel 1 hinter dem Safety-Car auf Halbgas, verbrennen die Autos weniger Benzin. Bei gleichbleibender Renndistanz bedeutet das, dass die Fahrer versuchen, überflüssiges Benzin irgendwie zu verbrennen, um nach dem Neustart kein unnötiges Gewicht mitzuschleppen. Denn je schwerer ein Auto, desto langsamer. Zehn Kilo machen bis zu vier Zehntel aus.

Die Sache hat aber auch einen Haken: Beliebig lang könnte man eine Safety-Car-Phase kurz vor Rennende, wie etwa in Monza, nicht verlängern, weil sonst die Gefahr besteht, dass einigen das Benzin ausgeht. Surer: "Das muss man mit den Technikern besprechen, wie viel Sprit man spart und wie viel man dann dranhängen könnte."

Was man gegen das Spritproblem unternehmen könnte

Denkbar sind verschiedene Ansätze. Sollte die Formel 1 Tankstopps wieder einführen, spräche nichts gegen die "Green-White-Chequered"-Regel. Dann kann jeder, der knapp kalkuliert hat, reinkommen und nachtanken. Oder man definiert bis zu maximal X zusätzliche Safety-Car-Runden, für die jeder auf Reserve tanken muss. Geht ihm trotzdem das Benzin aus, hat er Pech gehabt.

Selbst ohne "Green-White-Chequered" könnte man die Safety-Car-Phasen spürbar verkürzen. Das hätte in Monza einen Neustart unter Grün wahrscheinlich möglich gemacht. Denn was viel Zeit kostet, ist die Prozedur, die überrundeten Autos zurückrunden zu lassen. Bis diese wieder aufs Feld aufgeschlossen haben, vergehen oft Minuten.


Rennende unter Gelb: Ist DAS die Lösung?

Interview: Die Formel 1 sollte nach Amerika schauen, um ein Farce-Rennende wie in Monza zu verhindern, findet Experte Marc Surer. Weitere Formel-1-Videos

Das sei "ein totaler Witz", findet Surer: "Wenn nur noch eine Runde ist, kann man sie vorbeilassen, wie Masi das in Abu Dhabi gemacht hat, und gleich danach den Start freigeben. Die holen die anderen sowieso nicht mehr ein. [...] Es gibt keinen Grund, warum man noch eine Runde warten muss."

Sollten die Überrundeten durch die Boxengasse fahren?

Oder: "Man könnte die Überrundeten auch durch die Boxenstraße schicken und sie müssen dann wieder hinten aufschließen." Sprich: Diejenigen, die noch in der Führungsrunde sind, fahren auf der Strecke an allen Überrundeten, die durch die Boxengasse geleitet werden, vorbei. Das würde das Feld mutmaßlich sehr viel schneller sortieren.

"Das wurde mal diskutiert, wurde aber nicht eingeführt, weil sie gesagt haben, die haben dann mehr Sprit an Bord und sind am Feld dran und könnten Probleme machen, weil sie mehr Power haben", weiß Surer. Doch der Vorteil der Überrundeten sei erstens "verschwindend gering", und zweitens könnte man theoretisch ja auch den Rundenrückstand beibehalten.

"Wenn die durch die Box fahren, kann man das Rennen auf Start und Ziel bereits freigeben", sagt Surer und sieht das als "eigentliche Lösung: Safety-Car geht in die Box, alle Überrundeten müssen durch die Boxenstraße fahren und das Rennen ist freigegeben. Da könnte man viel abkürzen." Und so vielleicht eine Zieldurchfahrt unter Gelb verhindern ...

Das ganze Interview mit Marc Surer (15 Minuten) und seine Ideen, wie man ein Rennende hinter dem Safety-Car und Motorenstrafen in der Startaufstellung in Zukunft vielleicht besser lösen könnte, gibt's jetzt auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de. Kanal am besten gleich kostenlos abonnieren, Glocke aktivieren und kein neues Surer-Video mehr verpassen!