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Ross Brawn: Le Mans war entspannter als die Formel 1

Wieso Ross Brawn die Jaguar-Ära in Le Mans so genossen hat, wie er den Sportwagenbau revolutionierte und wie erstmals ein "echter" Brawn-Bolide siegte

(Motorsport-Total.com) - Ross Brawn führte in der Formel 1 Benetton, Ferrari und sein eigenen Brawn-Team zu den größten Erfolgen, zudem hat er großen Anteil an der heutigen Mercedes-Dominanz. Doch nicht jeder weiß, dass der erste reinrassige Brawn-Siegerwagen kein Formel-1-Auto, sondern ein Le-Mans-Prototyp: der Jaguar XJR-14 aus dem Jahr 1991.

Ross Brawn

Ross Brawn führte Jaguar mit seinem XJR-14 im Jahr 1991 zum WM-Titel Zoom

"Ich liebe diese Periode, denn sie war komplett anders als die Formel 1", blickt der Brite gegenüber 'Sky Sports F1' zurück. Schon damals war die Atmosphäre bei den Le-Mans-Prototypen deutlich gelassener als in der Königsklasse des Motorsports. "Es war viel entspannter, trotzdem herrschte ein großer Wettbewerb."

Grund dafür war auch der überschaubare Rennkalender: "Mit neun Rennen im Jahr war es ein anderer Lebensstil." Und die Rahmenbedingungen, denn abgesehen von der Herkulesaufgabe Le Mans fuhr man deutlich kürzere Rennen. Daran musste sich auch Brawn gewöhnen, als er 1989 bei Jaguar anheuerte.

Brawn musste sich umgewöhnen

Derek Warwick

Erster Sieg eines Brawn-Autos: Warwick fährt in Monza 1991 allen um die Ohren Zoom

"Beim ersten Rennen bei dem ich war, hatten sie immer noch die V12-Fahrzeuge", sagt er. "Nach dem Samstagstraining hatte ich vorgeschlagen, dass wir den Motor austauschen sollten. Aber sie haben nur das Auto poliert und es weggestellt." Als er verunsichert nachfragte, ob das wirklich ausreiche, erhielt er als Antwort: "Dieses Auto fährt normalerweise Le Mans, und das war nur ein kurzes Sprinttraining."

Zwei Jahre später hatte sich Brawn längt akklimatisiert. Und sein XJR-14 feierte in Monza mit Derek Warwick am Steuer den ersten Sieg. Teamchef Tom Walkinshaw hatte damals laut Brawn "die Vision, ein Formel-1-Auto für den Sportwagensport zu bauen", erzählt Brawn. "Genau das haben wir gemacht."

Brawns Formel-1-Bolide im Le-Mans-Kleid

Der Bolide war damals tatsächlich eine Art verkleidetes, zweisitziges Formel-1-Auto mit Dach. Die Frontflügel bestanden sogar aus teilweise beweglichen Teilen, auch der Heckflügel war radikal und auf Türen verzichtete man gänzlich, was den Sportwagenbau revolutionierte.

"In den ersten paar Rennen waren wir drei Sekunden pro Runde schneller als alle anderen", sagt Brawn. Und so gelang es der Truppe auch, Fahrer-und Konstrukteurs-Titel einzufahren, danach zog man sich allerdings aus der Langstrecken-WM zurück.

Warwick war übrigens auch einer der Gründe, warum Brawn bei Jaguar andockte. Davor arbeitete er nämlich für das kleine Arrows-Team. "Ich wurde in der Formel 1 ein wenig frustriert, weil ich für Teams gearbeitet hatte, die nicht viele Ressourcen hatten. Unsere beiden Fahrer Derek Warwick und Eddie Cheever haben Tom Walkinshaw und sein Sportwagenprogramm in höchsten Tönen gelobt. Das war eine Versuchung für mich, und ich bin zu Tom gegangen."

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