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Ross Brawn: Haben nicht geglaubt, dass es so schnell geht

Formel-1-Sportchef Ross Brawn gibt zu, dass die Coronakrise die Formel 1 schneller getroffen hat, als man gedacht hatte - Keine Anzeichen beim Reiseaufbruch

(Motorsport-Total.com) - Dass die Formel 1 im Umgang mit der Coronakrise kein besonders gutes Bild abgegeben hat, da sind sich Experten und Fans gleichermaßen einig. Erst als die Fans am Freitag schon zu Tausenden an die Strecke strömten, wurde ihnen mitgeteilt, dass der Event abgesagt wird - rund zwölf Stunden nachdem sich McLaren aufgrund eines positiven Coronatests zurückgezogen hatte.

Ross Brawn

Formel-1-Sportchef Ross Brawn ist von der raschen Ausbreitung überrascht Zoom

Viele fragen sich, warum die Formel 1 überhaupt erst nach Australien gereist ist. Auch Lewis Hamilton sagte am Donnerstag, dass er überrascht sei, dass alle in Melbourne sind. Doch für Formel-1-Sportchef Ross Brawn gab es keinen Grund, den Event früher abzusagen. Er gibt zu, dass die Verantwortlichen nicht geglaubt hätten, dass das Problem so schnell so groß wird.

"Als wir entschieden haben, dass wir das Rennen fahren, sah es damals noch ein wenig anders aus als jetzt", sagt der Brite gegenüber 'formula1.com'. "Und was wohl jeden überrascht hat, ist die rapide Ausbreitung des Problems, die Eskalation der Fälle in Ländern wie Italien zum Beispiel. Das hätte wohl niemand erwarten oder vorhersagen können."

Stimmung kippte in den vergangenen Tagen

Italien war in den vergangenen Tagen einer der größten Krisenherde in Sachen Coronavirus. Zunächst wurden nur einige Bereiche des Landes abgeriegelt, mittlerweile betrifft es den kompletten Staat. Über der Teilnahme von Ferrari, AlphaTauri und auch Pirelli standen Fragezeichen.


Fotostrecke: Formel-1-Rennen, die abgesagt werden mussten

"Ich habe mit Mattia Binotto von Ferrari sehr oft in den vergangenen Wochen gesprochen. Seine Stimmung änderte sich in den vergangenen fünf oder sieben Tagen aufgrund der Lage in Italien", sagt Brawn.

Doch da war die Formel 1 schon längst auf dem Weg nach Melbourne. Die Seefracht wird rund drei oder vier Wochen vor dem Rennen verschifft, sodass eine Umkehr nicht mehr möglich war. Und auch als die Crews und Fahrer sich auf den Weg machten, sah alles noch ganz gut aus.

Brawn: "Wir waren optimistisch"

"Wir waren optimistisch, dass wir das durchstehen, dass die Formel 1 beginnt und wir hier ein tolles Rennen haben können", sagt Brawn. Vor allem wollte man den betroffenen Menschen ein wenig Erleichterung in den schweren Zeiten bringen. Bis Donnerstag sah es auch noch so aus, als würde das möglich sein.

"Sobald allerdings der erste Fall aufgetreten war und ein Team daraufhin nicht mehr fahren konnte, hatten wir ein Problem, das wir adressieren mussten", so der Sportchef. Die Absage ließ sich daraufhin nicht mehr vermeiden.


Fotostrecke: Coronavirus: So sieht man die Angst vor COVID-19 im F1-Paddock

Dass es jetzt aber soweit kam, ist für Brawn ärgerlich. "Wir waren sehr erpicht darauf, das Rennen auszutragen", betont er. Denn ein Formel-1-Rennen ist nicht nur Unterhaltung für die Fans, sondern hat auch einen großen Einfluss auf die Wirtschaft vor Ort. "Und wir haben natürlich auch auf unsere eigene Firma einen Einfluss, die Formel 1 muss funktionieren. Wir müssen es am Laufen halten", so Brawn.

Das hat die Formel 1 so lange wie möglich versucht. Am Ende vergeblich.

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