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  • 02.12.2009 · 11:29

  • von Britta Weddige

Ricciardo: Noch ein Kandidat für einen Ersatzfahrerjob?

Daniel Ricciardo kam schon an seinem ersten Testtag in Jerez mit dem RB5 gut zurecht und hofft auf einen Platz im Red-Bull-Team

(Motorsport-Total.com) - 113 Runden drehte Daniel Ricciardo bei seinem ersten Formel-1-Test in Jerez und er genoss jede einzelne davon. Am Ende belegte der Britische Formel-3-Meister im Red-Bull-Boliden Paltz vier, mit nur 0,376 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit von Formel-2-Champion Andy Soucek im Williams.

Daniel Ricciardo

Daniel Ricciardo will sich für einen Job im Red-Bull-Team empfehlen

Ricciardo räumt ein, dass er sehr erleichtert war, als Red Bull ihm drei Testtage in Jerez zusicherte. Den aufregendsten Moment erlebte er aber erst im Cockpit: "Als ich auch der Boxengasse gefahren bin... das war toll. Ich war nervös und aufgeregt, aber eher aufgeregt. Und es schien schon gut zu klappen", berichtet er.#w1#

Am Abend vor dem ersten Testtag bekam Ricciardo noch einen Anruf von Red-Bull-Pilot Mark Webber. Der Australier riet ihm, locker zu bleiben und den Test zu genießen. "Das war der beste Rat, den ich bekommen konnte. Das nimmt den Druck", so Ricciardo. Und so ließ er sich auch nicht allzu sehr von der Tatsache unter Druck setzen, dass er in einem Auto sitzt, das die letzten drei Grand Prix der Saison gewonnen hat. Er räumt aber ein, dass es ein "großes Privileg und eine echte Ehre ist", gleich drei Tage lang für Red Bull testen zu dürfen.

"Ich bin nach dem ersten Tag nicht umgefallen oder so. Schauen wir, wie es weiter läuft." Daniel Ricciardo

Zur Vorbereitung auf Jerez änderte er sein Nackentraining, ansonsten hielt er sich so fit wie sonst auch: "Man hat mir gesagt, dass ich nicht viel ändern soll, weil das für den Körper ein größerer Schock wäre. Und es scheint zu funktionieren. Ich bin nach dem ersten Tag nicht umgefallen oder so. Schauen wir, wie es weiter läuft."

Zwar baute Ricciardo zu Beginn des Tests einen Dreher mit ein, doch er kam immer besser mit dem RB5 zurecht. "Das Formel-3-Auto hat mich gut darauf vorbereitet. Das Verhältnis von Grip zu Leistung ist zwischen den beiden autos recht ähnlich. Es mag lustig klingen, aber das Formel-1-Auto hat sogar ein bisschen zu wenig Power im Vergleich zu dem Grip, das es bietet. Ich musste mich nur an die höheren Kurvengeschwindigkeiten und besseren Bremsen gewöhnen."


Fotos: Testfahrten in Jerez


Gewöhnungsbedürftig war für den Australier jedoch, mit so vielen Leuten zusammenzuarbeiten. "Es war zuerst schon ein Schock, so viele Leute um das Auto herum zu haben. Aber sobald der Motor läuft und man aus der Boxengasse fährt, ist man mit dem Auto allein, deshalb ist das kein Problem."

"Es war zuerst schon ein Schock, so viele Leute um das Auto herum zu haben." Daniel Ricciardo

Beim Fahren selbst müsse er noch "an diesem oder jenem" arbeiten, "aber es gab jetzt nichts, was zu schwierig war, um sich daran zu gewöhnen. Die größte Herausforderung waren wirklich die langsamen Kurven, weil man versucht, mit der Power zurechtzukommen. In einem Formel-3-Auto kommt man aus der Kurve, tritt das Gaspedal durch und fährt weg. Bei diesem Auto muss man etwas dosierter agieren."

Nun wird Ricciardo zwei weitere Testtage für Red Bull absolvieren. Und er hat die stille Hoffnung, dass seine Arbeit in diesem Team dann nicht erledigt ist. 2010 fährt er in der Renault-World-Series, aber "es wäre großartig", wenn er als Test- und Ersatzfahrer bei Red Bull unterkommen könnte, erklärt er: "Warten wir ab, wie der Test läuft, bisher wurde das nicht so thematisiert. Wenn der Test gut läuft, könnte der Posten für mich durchaus in Reichweite sein."

Ein Konkurrent um diesen Job ist dabei der Neuseeländer Brendon Hartley, der bereits in Diensten des Red-Bull-Teams stand und in Jerez für Toro Rosso testet. Doch Ricciardo hofft, dass es ein gesunder Konkurrenzkampf ist: "Wir kommen gut miteinander aus. Wir wohnen nur zehn Minuten voneinander entfernt in der Nähe der Fabrik. Es gab zwischen uns keine Spannungen und keine Rivalität. Es würde helfen, wenn es so bleibt. Dann können wir uns gegenseitig in die richtige Richtung pushen, statt zu versuchen, uns gegenseitig niederzumachen."