Renault will Personal von Formel-1-Konkurrenz abwerben

Renault will vor allem die Chassis-Abteilung in Enstone personell aufrüsten - Die Motoren-Abteilung in Frankreich sieht Manager Cyril Abiteboul gut aufgestellt

(Motorsport-Total.com) - Renault will das Formel-1-Comeback als Hersteller mit Bedacht angehen. Im Gegensatz zu Honda - die Japaner kündigten großspurig Siege an und gingen im Debütjahr kläglich unter - hält das französische Management den Ball deutlich flacher. Langfristig soll sich der Erfolg einstellen, 2016 und 2017 werden Übergangsjahre. Ab 2018 sollen dann aus eigener Kraft die ersten Podestplätze möglich sein. Damit wählt Renault einen realistischen Ansatz, denn in vielen Bereichen muss nachgebessert werden, um es wie 2005 und 2006 wieder ganz an die Spitze zu schaffen.

Titel-Bild zur News: Cyril Abiteboul

Cyril Abiteboul will in den nächsten zwei Jahren neues Personal verpflichten Zoom

In erster Linie muss die Chassis-Abteilung im britischen Enstone wieder aufgebaut werden. Durch die finanziell schwierige Situation bei Lotus wurden Personal aber auch technische Ressourcen abgebaut. "Wir brauchen mehr Aerodynamiker, CFD-Spezialisten, Streckenaerodynamiker, Modelldesigner, Modellbauer - das ist die Seite, auf der das Chassis Performance findet", stellte Technikchef Bob Bell bereits dar.

Und Toppersonal ist derzeit nicht einfach zu bekommen. In den vergangenen Jahren baute zuerst Mercedes das Rennteam auf, dann folgte die Umstrukturierung bei Ferrari und jüngst holte McLaren-Honda neue Leute. Haas baute ein komplett neues Team auf. Renault muss Schlüsselpersonen von der Konkurrenz anlocken. "Wir müssen sichergehen, dass wir die richtigen Personen einstellen", so Geschäftsführer Cyril Abiteboul bei 'Autosport'. "Normalerweise sind gute Leute nicht sofort erhältlich. Sie müssen für ein halbes Jahr pausieren, manchmal sogar für ein Jahr."

Team wird wachsen, aber kleiner als Konkurrenz bleiben

Deswegen sprach sich Renault anlässlich der Präsentation Anfang Februar für den Dreijahresplan aus. "Momentan arbeiten 490 Menschen in Enstone. Unser Plan sieht vor, dass wir bis Ende 2017 auf 650 Mitarbeiter wachsen", so Abiteboul. Damit wäre die Chassis-Abteilung kleiner als die Konkurrenz. Red Bull arbeitet in Milton Keynes mit 725 Angestellten, bei Mercedes sind es rund 800, bei Ferrari inklusive Motorenabteilung 1.000. Zudem wird Renault die Abteilung in Enstone und die Motorenschmiede in Viry-Chatillon besser vernetzen.


Fotostrecke: Renault-Meilensteine in der Formel 1

Schon in der Erfolgsära 2005/06 war Renault kleiner als McLaren und Ferrari, und operierte auch mit einem kleineren Budget. "Wir glauben, dass wir mit den anderen Teams gleichziehen können, obwohl bei uns weniger Leute arbeiten werden", meint Abiteboul. Vor allem das Werksengagement soll ein Anreiz für neues Personal sein. "Jetzt haben wir einen Plan", zeigt sich der Geschäftsführer optimistisch. "Hoffentlich können wir neue Talente anziehen."

Abiteboul sieht Motoren-Abteilung gut aufgestellt

Der zweite Punkt im Lastenheft ist der Hybrid-Antrieb. Renault musste vor allem von Red Bull viel Kritik einstecken. Auch beim Antrieb muss in Frankreich ein deutlicher Schritt passieren. Beim Verbrennungsmotor wird künftig auch die Expertise von Mario Illien einfließen. Das Hybrid-System wird mit Hilfe von Infiniti weiterentwickelt. Renault musste sich in den vergangenen beiden Jahren auch Kritik anhören, wonach zu wenig Geld in die Ressourcen der Motorenabteilung geflossen sind. Vor allem das Mercedes-Werk in Brixworth definierte neue Standards.

Abiteboul widerspricht den Kritikpunkten entschieden: "Offen gesagt sind wir der Meinung, dass wir genug Ressourcen in Viry haben. Ich kenne die Einstellung einiger Leute über Dinge, die Red Bull gesagt hat. Wir haben aber genug finanzielle und menschliche Ressourcen. Es geht um die technische Leitung, Know-how und Können", betont der Manager den entscheidenden Aspekt. Geld und technische Einrichtungen alleine führen nicht zum Erfolg. Es sind die Mitarbeiter und wie die gesamten Abteilungen zusammenarbeiten.

Deswegen glaubt Abiteboul, dass Renault auch auf Antriebsseite den richtigen Weg geht: "Wir mussten für die neue Motorengeneration viele neue Mitarbeiter in Viry einstellen. Wenn man neue, junge Leute frisch von der Universität einstellt, dann muss man sie erst trainieren. Jetzt kennen sie sich aus und sind für das neue Projekt motiviert. Sie haben genug Möglichkeiten, den Job zu erledigen." Insgesamt konnte das Renault-Werksteam in der Formel-1-Geschichte 35 Rennen, zwei Fahrertitel und zwei Titel bei den Konstrukteuren gewinnen. Inklusive der diversen Kundenteams kommt Renault auf 135 Siege. Mit insgesamt 23 WM-Titeln ist Renault hinter Ferrari gemeinsam mit (Ford) Cosworth der zweiterfolgreichste Hersteller der Historie.

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