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Reifenwechsel sollen in die Formel 1 zurückkehren

Einige Teams wollen Reifenwechsel mit einem neuen Qualifying-Format, andere wollen das Reglement unverändert wissen

(Motorsport-Total.com) - Patrick Head und Ross Brawn, die Technischen Direktoren der Teams WilliamsF1 und Ferrari, arbeiten derzeit am finalen Vorschlag für ein neues Qualifying-Format, das ab der kommenden Saison das umstrittene Einzelzeitfahren ablösen soll, mit dem Ziel, für mehr Fahrbetrieb und Spannung zu sorgen. Im bisherigen Zeitfahren dreht jeder Pilot nur eine einzige gezeitete Runde. Das soll sich 2006 ändern.

Jenson Button beim Boxenstopp

Kehren die Reifenwechsel wieder in die Formel 1 zurück? Zoom

Die wahrscheinlichste Variante sieht eine Teilung der Qualifying-Stunde in drei durch kurze Werbpausen getrennte Abschnitte vor. In jedem Teil dürfen die Fahrer neue Reifen verwenden und so viele Runden fahren, wie sie möchten. Nach den ersten 15 Minuten scheiden die fünf langsamsten Piloten aus und reihen sich in der Startaufstellung entsprechend ihrer schnellsten Runde auf den Startplätzen 16 bis 20 ein.#w1#

Erneut dürfen die verbleibenden 15 Fahrer neue Reifen aufziehen und können mit beliebiger Spritmenge auf Zeitenjagd gehen. Die fünf langsamsten Piloten dieser zweiten Einheit scheiden aus und belegen nach den gefahrenen schnellsten Runden der zweiten Einheit die Startplätze 11 bis 15.

Die verbliebenen zehn Fahrer können erneut frische Reifen aufziehen, müssen aber nun so viel Benzin mitnehmen, wie sie im Rennen mitführen wollen, ein Nachtanken nach dem Qualifying soll nur den zehn langsamsten Fahrern vorbehalten sein, die somit einen taktischen Vorteil hätten. Die zehn Schnellsten haben 20 Minuten und ein uneingeschränktes Rundenkontingent frei, um die Pole Position zu erobern.

Im Zusammenhang mit diesem neuen Qualifying-Modus - der ein mögliches neues elftes Team noch nicht berücksichtigt - sollen auf Wunsch einiger Teams Reifenwechsel wieder eingeführt werden. So sollen je Auto am Wochenende fünf Reifensätze zur Verfügung stehen, wovon drei für den Samstag und Sonntag reserviert wären.

Somit könnte im Qualifying und Rennen taktiert werden. Überlegene Teams könnten im ersten und zweiten Teil auf neue Reifen verzichten, um sich einen neuen Reifensatz für das Rennen aufzusparen, müssten aber wie alle Teams in das Rennen mit einem gebrauchten Pneu gehen, mit dem der Qualifying-Teil gefahren wurde. Die langsamsten Fahrer hätten den Vorteil, noch über zwei frische Reifensätze zu verfügen.

Weil vor allem Bridgestone von der Wiedereinführung der Reifenwechsel profitieren würde, wehren sich andere Teamchefs dagegen, Reifenwechsel wieder einzuführen - angeblich Ron Dennis, dessen McLaren-Mercedes sehr schonend mit den Pneus umgeht. Michelin hat in diesem Jahr eindrucksvoll gezeigt, dass man das neue Reglement am besten umsetzen konnte.

Sicherheitsbedenken hat man indes scheinbar keine, denn durch die Abrüstung auf V8-Motoren sieht man ausreichend Potenzial zum Ansteigen der Rundenzeiten. Ohne Zweifel wäre das Erlauben von Reifenwechsel angesichts der in diesem Jahr gesehenen Probleme auch mit einen Plus an Sicherheit verbunden. Zudem würde es wieder mehr verschobene Kräfteverhältnisse im Verlauf eines Rennens geben, was zu mehr Spannung und Überholmanöver führen könnte.

Eine endgültige Entscheidung über das neue Qualifying-Format soll erst am 24. Oktober fallen, wenn die Formel-1-Kommission (bestehend aus zwölf Vertretern der Teams, acht Vertretern der Rennveranstalter, zwei Vertretern der Sponsoren, zwei Vertretern der Reifen- und Motorenhersteller, sowie FIA-Präsident Max Mosley und Formel-1-Chef Bernie Ecclestone) tagt.