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Regenchaos in Fuji - Vorentscheidung für Hamilton!

Nach Safety-Car-Start gewann Lewis Hamilton den verrückten Fuji-Grand-Prix vor Kovalainen und Räikkönen - Fernando Alonso mit Crash ausgeschieden

(Motorsport-Total.com) - Vor 31 Jahren hat es in Fuji eines der verrücktesten Regenrennen der Formel-1-Geschichte gegeben, und heute gab die umgebaute Strecke am Fuße des Fujisan ein unglaubliches Comeback in der Königsklasse des Motorsports: Bei Regen ging es bis zur allerletzten Runde drunter und drüber - und in der Weltmeisterschaft fiel eine Vorentscheidung, mit der so früh niemand gerechnet hätte.

Lewis Hamilton

Fast schon Weltmeister: Lewis Hamilton gewann den Grand Prix von Japan

Ausgerechnet zwei Rookies behielten in der atemberaubenden Regenschlacht in Japan kühlen Kopf und feierten den jeweils größten Triumph ihrer bisherigen Karriere: Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) baute seinen Vorsprung in der Gesamtwertung auf zwölf Punkte aus und darf damit eine Hand schon an den WM-Pokal legen, und Heikki Kovalainen (Renault) landete erstmals auf dem Podium eines Formel-1-Rennens.#w1#

Große Sieger und tragische Figuren

Es gab an diesem denkwürdigen Tag aber nicht nur große Sieger, sondern vor allem auch tragische Figuren: Fernando Alonso (McLaren-Mercedes) zum Beispiel, der seine WM-Chancen mit einem Unfall auf ein Minimum reduzierte, oder Mark Webber (Red-Bull-Renault), der heroisch kämpfte und sich im Cockpit mit Lebensmittelvergiftung übergeben musste, oder auch Sebastian Vettel (Toro-Rosso-Ferrari), der ein mögliches Podium verspielte und in der Box Tränen vergoss.

Doch der Reihe nach: Der Start hätte unspektakulärer nicht verlaufen können, denn wegen massiver Regenfälle entschied sich die Rennleitung, zunächst einige Runden neutralisiert hinter dem Safety-Car zu fahren. Dabei wurde die Aufwärmrunde gestrichen, was Vitantonio Liuzzi (Toro-Rosso-Ferrari) zum Verhängnis wurde, denn der Italiener startete aus der Box, wartete aber die vermeintliche Aufwärmrunde ab und hatte daher von Anfang an einen Umlauf Rückstand.

Wie kritisch die Verhältnisse waren, bewiesen einige Dreher und Ausritte während (!) der Safety-Car-Phase, unter anderem von Felipe Massa (Ferrari). Überhaupt sorgte Ferrari zu Beginn für Zündstoff: Massa und Kimi Räikkönen waren auf Intermediates ins Rennen gegangen, obwohl es seitens der Rennleitung die Anweisung gab, dass nur Regenreifen verwendet werden dürfen. Also mussten die beiden zwangsläufig an die Box kommen, wodurch sie ans Ende des Feldes zurückfielen.

Mehrere Tankstopps noch hinter dem Safety-Car

Zumindest nutzten sie diese Gelegenheit - sie lagen ohnehin schon hinten -, um im Rahmen eines weiteren Boxenstopps den Tank zu füllen, was bei Regen immer ein wichtiger strategischer Vorteil sein kann. Den gleichen Gedanken hatten auch Liuzzi, Lokalmatador Sakon Yamamoto (Spyker-Ferrari) und Alexander Wurz (Williams-Toyota). Massa kassierte außerdem noch eine Durchfahrstrafe wegen Überholens hinter dem Safety-Car, nachdem er sich gedreht hatte.

Lewis Hamilton vor Fernando Alonso

Gestartet wurde hinter dem Safety-Car, die Silberpfeile lagen an der Spitze Zoom

Erst in der 20. Runde zog Bernd Mayländer mit dem Safety-Car an die Box, damit war der Grand Prix von Japan freigegeben. Hamilton behauptete seine Führung vor Alonso und Nick Heidfeld (BMW Sauber F1 Team), der in der ersen Kurve mit Jenson Button (Honda) kollidierte, hatte natürlich auch den Vorteil der besten Sicht, weil alle anderen massiv unter der Gischt litten. Für viele Fahrer, darunter auch Ralf Schumacher (Toyota), waren die Verhältnisse grenzwertig, was sie auch am Boxenfunk klar zum Ausdruck brachten.

Ungeachtet dessen ging es aber los, und der Überraschungsmann beim kollektiven Formel-1-Surfen in Fuji war zunächst einmal Vettel, der mehrere Gegner überholte und früh vor Webber auf dem dritten Platz aufschien. Vorne setzten sich die beiden Silberpfeile ab, dann folgte mit Respektabstand die Red-Bull-Fraktion, Fünfter war Giancarlo Fisichella (Renault). Aber es dauerte ein Weilchen, bis das Feld sortiert war.

Viele Berührungen glimpflich verlaufen

Gleich zu Beginn des eigentlichen Rennens drehte sich Wurz in der ersten Kurve, es kam zu einer Berührung mit Massa - für den Österreicher bedeutete das das Aus mit gebrochener Radaufhängung, der Brasilianer konnte weiterfahren. Aber solche und vergleichbare Zwischenfälle standen auf der Tagesordnung; unter anderem kam es auch zwischen Hamilton und Robert Kubica (BMW Sauber F1 Team) - Kubica bekam dafür eine Durchfahrstrafe - sowie Alonso und Vettel zu Berührungen.

In Runde 27 kam Alonso an die Box, Standzeit 11,9 Sekunden, um bis zum Ende durchfahren zu können. Der Spanier leistete sich dann in seiner Outlap einen Dreher und verlor wertvollen Boden, so dass Hamilton, Standzeit 11,6 Sekunden, der eine Runde später auftankte und neue Bridgestone-Reifen abholte, deutlich vor ihm blieb. Obendrein schoben sich auch noch vier andere Fahrzeuge zwischen die beiden McLaren-Mercedes-Boliden.

Erste Führungsrunden von Vettel

Durch die Boxenstopps erbte Vettel kurzzeitig die Führung, der durch einen etwas kürzeren Stint als Webber allerdings hinter seinen Red-Bull-Kollegen zurückfiel. Webber kämpfte mit einer Lebensmittelvergiftung und übergab sich im Cockpit, ließ sich aber nichts anmerken und fuhr angesichts der Umstände ein sensationelles Rennen. Die beiden lagen recht sicher auf den Positionen zwei auf Podiumskurs.

Fernando Alonso

Fernando Alonso verlor seinen MP4-22 wegen Aquaplanings außer Kontrolle Zoom

Die Freude war aber nur von kurzer Dauer, denn Rookie Vettel schubste Webber hinter dem Safety-Car bei Start und Ziel ins Aus, rettete sich selbst noch an die Box, musste aber mit gebrochener Radaufhängung auch aufgeben. Was folgte, war ein Drama: Webber schmiss das Lenkrad stinksauer weg und schimpfte auf den jungen Deutschen, während Vettel selbst ausstieg, den Helm gar nicht abnahm und angesichts der verpassten Sensation Tränen vergoss.

In der 42. Runde fiel dann die Vorentscheidung in der Weltmeisterschaft: Alonso, der seit der Berührung mit Vettel mit einem leicht beschädigten Fahrzeug unterwegs war, verlor in einer recht schnellen Passage sein Auto wegen Aquaplanings außer Kontrolle und krachte bei hoher Geschwindigkeit in die Streckenbegrenzung. Der Doppelweltmeister blieb zwar unverletzt, konnte aber natürlich nicht weiterfahren und sein Schicksal nicht fassen.

Hamilton nach letztem Safety-Car vorne

Natürlich kam wieder das Safety-Car auf die Strecke, und nach dem bereits beschriebenen Red-Bull-Drama konnte es in der 49. von 67 Runden bei unverändert schlechten Bedingungen weitergehen. Hamilton lag in jener Phase vor Kovalainen und Massa in Führung, Massa hatte aber zu wenig Benzin an Bord, um durchfahren zu können. Somit lag effektiv David Coulthard (Red-Bull-Renault) auf Podiumskurs, der aber bald von Räikkönen überholt wurde.

Räikkönen, der noch verbissen um seine WM-Chancen und um jeden Punkt fightete, war nach Massas Boxenstopp Dritter und griff in der Schlussphase auch noch nach seinem Landsmann Kovalainen, der sich aber gut verteidigte - und Räikkönen konnte ja auch nicht allerletztes Risiko gehen. Coulthard fuhr dahinter den vierten Platz nach Hause, knapp 20 Sekunden vor Fisichella, der ein starkes Renault-Teamresultat komplettierte.

Sechster hätte eigentlich Heidfeld werden sollen, aber der Deutsche musste seinen F1.07 nach einem unauffälligen Nachmittag in der vorletzten Runde bei Start und Ziel abstellen, wodurch Massa und Kubica aufrückten und Liuzzi, der anfangs ja einen Umlauf Rückstand hatte, aber vom Safety-Car durchgelassen wurde und so wieder ins Rennen kam, noch einen WM-Punkt abstaubte. Adrian Sutil (Spyker-Ferrari) wurde 4,5 Sekunden hinter Liuzzi undankbarer Neunter.

Sensationeller Fight zwischen Massa und Kubica

Dass Massa vor Kubica ins Ziel kam, hatte übrigens auch einen Grund: Der Brasilianer attackierte seinen polnischen Kontrahenten in der letzten Runde, drängte Kubica dabei aggressiv auf die Wiese, was dieser nicht auf sich sitzen ließ - der Pole fightete zurück, ging mit einem nicht minder harten Manöver wieder an Massa vorbei, der seine Nase nach dem atemberaubendsten Duell seit langem erst in der letzten Kurve nach vorne schob.

Podium in Japan 2007

Heikki Kovalainen, Lewis Hamilton und Kimi Räikkönen bei der Siegerehrung Zoom

Insgesamt sahen 14 von 22 gestarteten Autos die Zielflagge, auch wenn Heidfeld wegen seines späten Ausfalls als 14. gewertet wurde - noch vor Lokalmatador Takuma Sato (Super-Aguri-Honda). Ralf Schumacher (Toyota) schied an aussichtsloser Position liegend mit technischen Problemen aus, Nico Rosberg (Williams-Toyota) spielte ebenfalls keine Rolle - somit war Sutil mit seinem neunten Platz erstmals bester Deutscher, auch wenn ihm dies nicht allzu viel bedeuten dürfte.

Hamilton leistete sich keine Fehler

Mann des Rennens war aber eindeutig Sieger Hamilton, denn der 22-Jährige leistete sich unter schwierigsten Verhältnissen keinen Fehler - im Gegensatz zu Alonso und den Ferrari-Piloten. Auch als sein Vorsprung wegen der Safety-Car-Phasen schrumpfte, blieb er cool, und am Ende fuhr er 8,3 Sekunden vor Kovalainen über die Ziellinie. Obendrein absolvierte er auch noch recht deutlich die schnellste Runde im Rennen, 1:28.193 Minuten.

Auch wenn er es selbst noch nicht wahrhaben will und er natürlich konzentriert bleiben muss, darf Hamilton nun schon mal Hand an den WM-Pokal anlegen, denn bei zwei noch zu fahrenden Rennen führt er zwölf Punkte vor Alonso und 17 vor Räikkönen - ein vierter und ein fünfter Platz in Shanghai und São Paulo würden also schon definitiv zum Titelgewinn reichen. Massa ist indes auch rechnerisch aus der WM-Entscheidung raus.

Bei den Konstrukteuren stand Ferrari ja schon vor Fuji wegen des Ausschlusses von McLaren-Mercedes als Weltmeister fest. Apropos Ausschluss: Durch die FIA-Strafe im Spionagefall kam es zur kuriosen Situation, dass Hamiltons Teamchef Ron Dennis nicht den Pokal für den siegreichen Konstrukteur in Empfang nehmen durfte. Was nun mit der Trophäe geschehen wird, darüber kann nur gerätselt werden...

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