Red Bull ermutigt: Mit Renault-Update Mercedes angreifen

Wie Red Bull schon in wenigen Rennen Mercedes den Kampf ansagen will, wieso man auf der Power-Strecke Schanghai glänzte und die Silberpfeile gewarnt sind

(Motorsport-Total.com) - Damit hätte kaum jemand gerechnet: Ausgerechnet in China, wo es eine der längsten Geraden der Formel-1-Saison gibt, war Red Bull trotz des Renault-Motors plötzlich konkurrenzfähig. Jetzt bläst man zum Angriff auf Mercedes, denn in eineinhalb Monaten soll das heißersehnte Update der Antriebseinheit erfolgen.

Titel-Bild zur News: Daniil Kwjat, Lewis Hamilton

Red Bull möchte mit dem Kanada-Renault-Update Mercedes herausfordern Zoom

"Ich glaube, dann können wir wieder mitmischen", schickt Red Bulls Motorsportkonsulent Helmut Marko eine Drohung an die Konkurrenz. Kein Vergleich mit den Renault-Anklagen und Selbstmitleidsbekundungen des Vorjahres. Und Marko hält es sogar für möglich, dass der Entwicklungsschritt früher als geplant erfolgt: "Wir hoffen, dass das Update vielleicht schon vor Montreal kommt. Das wären an die 35 PS."

Vor der Saison hatte Teamchef Christian Horner noch befürchtet, dass das einstige Weltmeisterteam bis zum Update hinter dem B-Rennstall Toro Rosso, der über einen 2015er-Ferrari-Motor verfügt, liegen wird. Davon kann aber nicht die Rede sein. "Hoffentlich können wir mit dem Update wirklich beginnen, für Wirbel zu sorgen", sagt der Brite. Und spricht ein Lob an seinen Rennstall und den Antriebspartner aus: "Die Jungs in Viry und Milton Keynes arbeiten großartig, und man sieht die Fortschritte."

Horner will mit dem Kanada-Update "für Wirbel sorgen"

Noch ist man hinter Mercedes, aber Ferrari spürt bereits den heißen Atem. "Wir sind ihnen auf den Fersen", ist Horner überzeugt. Im Qualifying besiegte Daniel Ricciardo Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel, im Rennen kämpfte der Australier nach seinem Reifenschaden den Finnen nieder. Daniil Kwjat landete am Ende zwar hinter Vettel, bei den Rundenzeiten konnte es Red Bull aber mit der Scuderia aufnehmen - und zwar auf allen Reifentypen.


Fotostrecke: GP China, Highlights 2016

"Daniel wäre Zweiter geworden", ist Horner überzeugt. "Ich denke nicht, dass er um den Sieg hätte kämpfen können, aber er war das zweitschnellste Auto. Er war nach dem Reifenschaden 18. und musste Leute wie Räikkönen und Hamilton überholen - das war fantastisch."

Auf Power-Strecke so schnell wie Ferrari

Der Teamchef lobt auch Kwjats Zeiten: "Im mittleren Stint war er auf den gleichen Reifen wie Sebastian, und sie waren einander absolut ebenbürtig." Auch an Brackley ist es nicht vorübergegangen, dass die "Nachbarn" aus Milton Keynes wieder zu ernsthaften Bedrohung werden könnten. "Mit dem Tempo von Schanghai definitiv", sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Hätte Ricciardo nicht den Reifenschaden gehabt, hätte er sogar Vettel Feuer gemacht."

"Wir haben nur gelernt, wie wir noch mehr raus holen können." Daniil Kwjat

Der Viertplatzierte freut sich vor allem darüber, dass sein Team plötzlich auch auf den Geraden schnell ist: "Der Kampf mit Hamilton war toll, und es war der Wahnsinn, dass ich einige Mercedes-angetriebene Autos überholen konnte. Es gibt dieselben ermutigenden Anzeichen wie 2014." Und damals hat Ricciardo drei Grands Prix gewonnen.

Doch wie ist es Red Bull gelungen, nach dem bitteren Vorjahr, das von Ausstiegsdrohungen überschattet war, wieder den Anschluss zu finden? "Das Chassis war schon im vergangenen Jahr gut", erklärt Kwjat. "Wir haben nur gelernt, wie wir noch mehr raus holen können."

Setup-Trick: Wie Red Bull das Leistungsmanko wettmachte

Das Rennen in Schanghai dient als Beweis: Auch auf Strecken, die wenig Abtrieb erfordern, ist mit Red Bull trotz Leistungsdefizits zu rechnen. Das liegt daran, dass man das Setup des Autos so angepasst hat, dass es nicht zu viel Luftwiderstand erzeugt und auch im Verkehr gut funktioniert - genau die gegenteilige Philosophie zu den Erfolgsjahren mit Sebastian Vettel, als der Bolide zwar beim Topspeed schwächelte, aber alleinfahrend an der Spitze perfekt funktionierte.

"In Sotschi gibt es wieder lange Geraden, aber davor fürchten wir uns nicht mehr so, weil wir mit flachen Flügeln trotzdem gute Rundenzeiten kreieren können", blickt Motorsportkonsulent Marko wegen des Setuptricks zuversichlich in die Zukunft. "Wir hoffen wieder auf Punkte. Und wenn dann Barcelona und vor allem Monaco kommt, erwarten wir Podestplätze."

Horner weiß, dass der Setuptrick zwar funktioniert, aber nicht der effektivste Weg ist, wenn es rein um die Rundenzeit geht. "Auf den Strecken, wo die Leistung nicht so wichtig ist, können wir hoffentlich ein optimaleres Setup für unser Auto nutzen", sagt der Brite. Das Renault-Update sollte diese Schwäche ebenfalls lindern.