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  • 31.01.2010 · 16:34

  • von Dieter Rencken

Rampf: "Wir haben alle Ziele erreicht"

Saubers Technischer Direktor über die Entwicklung des Sauber-Ferrari C29 und die Schwierigkeiten, die das neue Reglement mit sich bringt

(Motorsport-Total.com) - Frage: "Welches waren bei der Entwicklung des neuen Autos im Hinblick auf das neue Reglement die größten Herausforderungen gewesen?"
Willy Rampf: "Der Schlüssel war es gewesen, die richtige Balance zwischen den mechanischen und den aerodynamischen Anforderungen zu finden. Wir können sehen, dass die meisten Autos vorne eine hohe Nase haben. Dies ist aerodynamisch gut, weswegen wir das auch so gemacht haben. Aber mechanisch hat man dadurch einen Nachteil, weil der Schwerpunkt höher liegt."

Willy Rampf (Technischer Direktor)

Willy Rampf erklärt, welche Hürden das Reglement in den Weg gestellt hat

"Zudem ist die Art und Weise, wie die Vorderradaufhängung vorne im Auto integriert ist, vielleicht nicht so gut wie in der Vergangenheit. Und wir mussten im Vergleich zum Vorjahr auch einen wesentlich größeren Tank unterbringen. Wir mussten mindestens 100 Liter mehr unterbringen. Die Integration des Benzin-Systems wirkt sich auf die Konzeption des Autos deutlich aus. Wir mussten diesbezüglich in Bezug auf den Radstand und den Schwerpunkt Kompromisse eingehen."#w1#

Frage: "Können Sie das Konzept des C29 erklären?"
Rampf: "Eine der größten Veränderungen im Reglement ist der schmalere Vorderreifen. Der Vorderreifen ist rund 25 Millimeter schmaler, was bedeutet, dass er nicht so viel Haftung bietet wie im vergangenen Jahr. Dies bedeutet, dass das Gewicht mehr nach hinten verlagert wird.2

"Und dann kommt noch der größere Tank dazu. Die große Herausforderung ist es, ein Auto zu haben, das im Qualifying und am Start des Rennens schnell ist. Im Qualifying hat man nur sehr wenig Benzin an Bord, beim Start des Rennens die gesamte Menge für das Rennen. Da man keine Veränderungen am Setup vornehmen darf und den schmaleren Vorderreifen hat, stellt dies in Bezug auf das Setup eine sehr große Herausforderung dar."

"Das Auto muss nach wie vor im Qualifying eine sehr gute Leistung zeigen. Ich denke, dass das größte Problem das Verhalten der Reifen sein wird. Die Leistung der Reifen wird während der ersten Phase des Rennens nachlassen. Das große Problem ist der höher gelegene Schwerpunkt, weswegen die Reifen mehr zu leiden haben. Wir haben versucht, den Schwerpunkt so sehr wie möglich zu reduzieren, um die Reifen auf diesem schweren Auto zu entlasten."

Frage: "Wie schwierig war es gewesen, den Ferrari-Motor und das Ferrari-Getriebe zu integrieren?"
Rampf: "Es ist eine ziemlich interessante Aufgabe, den Ferrari-Motor in das Chassis zu integrieren. Aber für einen Ingenieur ist es anspruchsvoller und zeitintensiver, die Arbeitsumgebung des Motors zu integrieren. Es ist strukturell eine Herausforderung, den Motor an das Chassis zu montieren. Es ist jedoch viel schwieriger, die Kühlung und die Elektronik für den Motor im Auto unterzubringen. Aber ich würde sagen, dass wir bei alldem ordentliche Ergebnisse erzielt haben."

Frage: "Sie verfügen mit dem Großrechner Albert II über ein großartiges Werkzeug. Wie würden Sie das prozentuale Verhältnis zwischen Arbeit am Rechner und im Windkanal beziffern?"
Rampf: "Der Beginn des Konzepts, die ersten zwei Monate, wurde lediglich via CFD erledigt. Am Ende haben wir überwiegend im Windkanal gearbeitet, während wir mit CFD ein paar spezielle Dinge angeschaut haben, zum Beispiel die Kühlung für die Bremsen."

Frage: "Wie sehr hatte die unsichere Zukunft des Teams die Entwicklung am Design des Autos beeinträchtigt, vor allem am Ende der Saison?"
Rampf: "Alles in allem nicht allzu sehr. Wir hatten unseren Plan, wie wir das Auto entwickeln werden, und wir hatten unsere internen Ziele, die wir alle erreicht haben. Auch in dem Wissen, dass die Zukunft etwas unsicher ist, haben die Leute hart weitergearbeitet. Sie waren motiviert und Motorsport-Fans genug, um dieselbe Arbeit zu leisten so wie zum Beispiel im vergangenen Jahr."

Frage: "Wann wussten Sie, dass Sie dieses Jahr mit dem Ferrari-Motor fahren würden? Ist es genau dieselbe Spezifikation, mit der dieses Jahr Ferrari unterwegs sein wird? Welche Kompromisse mussten Sie im Hinblick auf den Doppeldecker-Diffusor eingehen?"
Rampf: "Im August wurde die Entscheidung bekannt, dass wir mit dem Ferrari fahren würden. Die Daten für die Installation erhielten wir jedoch nicht vor September. Es ist dieselbe Spezifikation, die Ferrari einsetzt, das haben sie uns versprochen. Wir mussten leichte Kompromisse mit dem Auto eingehen, weil wir nun den Ferrari-Motor und das Ferrari-Getriebe einsetzen."

"Wir hatten zuvor ein etwas anderes Heck, da wir unsere eigene Motor-Getriebe-Kombination eingesetzt haben. Als wir die Daten vom Getriebe erhielten, mussten wir die Hinterradaufhängung neu entwickeln, weil die Anlenkpunkte andere sind. Zu dieser Zeit konzentrierten wir uns mehr auf die vordere Partie des Autos. Als wir mit dieser Optimierung fertig waren, gingen wir wieder in den Windkanal, um das Heck zu optimieren. Alles in allem ist es immer noch ein gutes Ergebnis, das wir erreicht haben."

Frage: "Wollen Sie kommendes Jahr das Getriebe wieder selbst bauen?"
Rampf: "Das weiß ich nicht, darüber habe ich noch nicht nachgedacht."

Frage: "In der vergangenen Saison haben die Autos die Bremsen teilweise ziemlich hart angenommen. Glauben Sie, dass dies im Verlauf der Saison aufgrund der größeren Menge Benzin an Bord zu einem Problem werden könnte?"
Rampf: "Ich glaube nicht, denn jeder weiß auf Basis der Simulationen, um wie viel stärker die Kühlung der Bremsen dieses Jahr mit dem schwereren Auto sein muss. Ich bin mir sicher, dass alle ihre Kühlung für die Bremsen ausreichend entwickelt haben, um den Anforderungen gerecht zu werden."

Frage: "Welchen Eindruck haben Sie von Kamui Kobayashi und was erwarten Sie von ihm in dieser Saison?"
Rampf: "Ich erwarte von ihm, dass er so viele Punkte wie möglich holt. Er steht in direkter Konkurrenz zu seinem Teamkollegen. Der erste Gegner ist immer im Team. Ich war von den letzten Rennen beeindruckt, die Kamui gefahren ist. Er ist in Abu Dhabi ein sehr starkes Rennen gefahren. Er ist ein sehr talentierter Fahrer. Alles in allem ist er sehr schnell."

Frage: "Sie haben mit dem schmaleren Vorderreifen keine Tests absolviert. Wie viele Kompromisse mussten Sie mit dem neuen Auto eingehen, um dies zu berücksichtigen?"
Rampf: "Wir wussten aus den Simulationen, wie die neue Gewichtsverteilung grob aussehen würde. Die Autos werden in schnellen Kurven zum Untersteuern tendieren. Mit der Aerodynamik unter Mechanik haben wir versucht, dem entgegenzuwirken und den Reifen zu helfen. Wie das funktioniert, werden wir während der Testfahrten in den kommenden Wochen sehen."

Frage: "Angesichts der ganzen Umstrukturierungen im Team, wäre es da nicht der sichere Weg gewesen, an einem Fahrer festzuhalten?"
Rampf: "Vielleicht wäre es sicherer gewesen, aber wir sind mit unserer Wahl ziemlich glücklich. Kamui hat in den letzten Rennen bewiesen, dass er sehr schnell ist, und Pedro ist ohne Zweifel ein sehr erfahrener Fahrer."

Frage: "Wir haben gehört, dass es in diesem Jahr vielleicht wieder Ärger wegen der Doppeldecker-Diffusor geben wird. Was sagen Sie dazu?"
Rampf: "Der Doppeldecker-Diffusor wurde im vergangenen Jahr eingeführt. Während des Winters haben ihn alle überarbeitet. Es ist ja nichts Neues. Alle Arbeiten sehr intensiv daran, einen möglichst effizienten Diffusor zu haben."

Frage: "Planen Sie vor dem ersten Rennen für das Auto ein größeres Upgrade?"
Rampf: "Ich würde nicht sagen ein größeres Upgrade, denn das kostet eine Menge Geld. Wir haben ein Budget-Limit. Aber wir werden für Bahrain ein Update haben."

Frage: "Wo steht ihr in Bezug auf die Crashtests und den Aufbau der Chassis?"
Rampf: "Wir haben alle Crashtests bis auf den Heck-Crashtest erledigt. Diesen werden wir in den kommenden zwei Wochen erledigen. Wir haben gerade das zweite Chassis hergestellt, es wird im Moment in der Fabrik aufgebaut."

Frage: "Wie lautet das Ziel für den Test hier in Valencia?"
Rampf: "Das Hauptziel Ziel ist es, alle Systeme zu überprüfen, ein Gesamtbild vom Auto zu erhalten. Herauszufinden, wo wir zum Beispiel im Hinblick auf die Gewichtsverteilung stehen. Wir wollen Informationen für den nächsten Test sammeln."