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  • 14.01.2008 14:07

Rampf: Stabilität und Fahrbarkeit waren Hauptziele

Willy Rampf, Technischer Direktor des BMW Sauber F1 Teams, im Interview über den F1.08 und die Designphilosophie hinter diversen Neuerungen

(Motorsport-Total.com) - In München wurde heute Mittag der neue BMW Sauber F1.08 vorgestellt, mit dem das BMW Sauber F1 Team 2008 zumindest einen Grand Prix gewinnen möchte. Geistiger Vater des Autos ist Willy Rampf, der mit seiner Mannschaft in Hinwil seit Mai an dem Projekt gearbeitet hat. Heute erläuterte er die Designphilosophie hinter den verschiedenen Neuerungen.

Willy Rampf mit dem BMW Sauber F1.08

Willy Rampf präsentierte in München selbst den neuen BMW Sauber F1.08 Zoom

Frage: "Willy, bist du glücklich, dein Auto hier im Rampenlicht zu sehen? Wie nervös bist du?"
Willy Rampf: "Ich muss zugeben, dass ich ein bisschen nervös bin, und ich war auch schon aufgeregt, als ich das Auto hier auf der Bühne wieder sah. Am meisten aufgeregt werde ich aber morgen sein, wenn das Auto das erste Mal fährt. Das ist für einen Techniker der beste Tag. Wir müssen sicherstellen, dass alle Systeme gut funktionieren, dass das Auto läuft, dass der Fahrer mit dem ersten Eindruck zufrieden ist."#w1#

Gute Daten bei Windkanaltests

Frage: "Du warst schon oft bei Präsentationen dabei, aber ist so etwas immer noch spannend für dich?"
Rampf: "Ja, definitiv. Was den F1.08 angeht, sind wir recht zuversichtlich in puncto Daten aus dem Windkanal. Wir freuen uns schon sehr darauf, die positiven Resultate endlich auch auf der Strecke umzusetzen."

"Wir sind zuversichtlich, aber alle anderen Teams auch." Willy Rampf

Frage: "2007 habt ihr in allen Rennen gepunktet. Glaubst du, dass ihr das wiederholen könnt?"
Rampf: "Wir sind zuversichtlich, aber alle anderen Teams auch. Wir werden erst in Melbourne sehen, wie stark unsere Gegner wirklich sind. Aber wir sind zuversichtlich."

Frage: "Euer Team ist immens gewachsen. Wie schaffst du es als Chefkoch, dass alle Zutaten miteinander harmonieren, dass alle an einem Strang ziehen?"
Rampf: "Verglichen mit anderen großen Teams schreitet das Wachstum bei uns ziemlich langsam voran. Es ist eine Frage von Management und Disziplin. Die Ziele eines jeden einzelnen Ingenieurs und Mitarbeiters sind bei uns sehr klar definiert. Daher mache ich mir keine Sorgen, dass bei uns zu viele Köche die Suppe versalzen könnten. Ich denke, wir haben das sehr gut unter Kontrolle."

Frage: "Wie sehr hat sich der Entwicklungsprozess verändert, seit BMW das Team übernommen hat?"
Rampf: "Insgesamt haben wir viel mehr Ressourcen, was Manpower, Geld und Prüfstände angeht, daher können wir detailliertere Entwicklungsarbeit betreiben und wir können auch früher mit der Entwicklungsarbeit beginnen, weil wir zum Beispiel im Vorjahr gleichzeitig den F1.07 einsetzen und den F1.08 designen konnten. Das ist immer hilfreich, wenn man insgesamt ein besseres Auto bauen will."

Frage: "Wie funktioniert die Balance zwischen eurem Windkanal und eurem Supercomputer Albert2?"
Rampf: "Insgesamt haben wir da eine sehr gute Balance, denn beide Faktoren haben ihre Vorteile. Mit CFD können wir schon in einer sehr frühen Phase viele Untersuchungen durchführen, ohne dass wir auch nur ein einziges Teil produzieren müssen, während man im Windkanal immer die Resultate des kompletten Autos sieht. Die Windkanaldaten sind schon sehr genau. Beide Werkzeuge haben also Vorzüge."

Einheitselektronik die größte Neuerung

Frage: "Was waren in puncto Reglement die großen Herausforderungen mit diesem Auto?"
Rampf: "Die größte Veränderungen ist die Einheitselektronik, also auch das Ende der Traktionskontrolle und das Ende der Motorbremse. Insgesamt erwarten wir, dass die Autos nervöser sein werden und dass der Fahrer leicht einen Fehler machen kann. Eines der Hauptziele in der Entwicklung war daher, ein stabiles und verzeihendes Auto zu bauen, ein Auto, das dem Fahrer sehr gutes Feedback gibt."

"Um das Ziel eines gutmütigeren Autos zu erzielen, mussten wir zwei Seiten verfolgen." Willy Rampf

Frage: "Sprechen wir über eure technische Philosophie, beginnend bei der Frontpartie. Was habt ihr da anders gemacht als vergangenes Jahr?"
Rampf: "Um das Ziel eines gutmütigeren Autos zu erzielen, mussten wir zwei Seiten verfolgen, nämlich einerseits die Aerodynamik. Das Ziel war eine möglichst stabile Aerodynamik für die Kurvenfahrt. Auf der mechanischen Seite war es das Ziel, gutes Feedback und ein hohes Maß an Grip zu erreichen."

"Die offensichtlichste Veränderung gegenüber dem F1.07 stellt der Frontflügel dar. Mit diesem Frontflügel erreichen wir, dass das Auto in den Kurven weniger anfällig auf Seitenwind ist. Wenn wir weiter zurückgehen, haben wir den Bereich um die Turning-Vanes optimiert, um mehr Anpressdruck bei weniger Luftwiderstand zu erzielen. Die aerodynamische Effizienz ist immer eines der Hauptmerkmale, die man bei einem Auto verbessern muss. Die Seitenkästen und die Motorabdeckung sind sogar noch niedriger als im Vorjahr. Wir haben bewusst versucht, das Volumen der Motorabdeckung zu verringern, damit der Heckflügel sauberer angeströmt werden kann. Das bringt mehr Stabilität und mehr Anpressdruck."

"Mechanisch gesehen haben wir eine neue Kinematik der Vorderachse, um das Feedback an den Fahrer zu verbessern, denn der Fahrer wird wegen des Verbots der Traktionskontrolle mehr korrigieren müssen. Die Hinterradaufhängung ist auch eine komplette Neuentwicklung, um den Grip und das Potenzial der Reifen zu maximieren. Außerdem haben wir versucht, das Handling angenehmer zu gestalten, damit der Fahrer das Auto nicht gleich außer Kontrolle verliert, wenn er mal in eine Rutschphase kommt."

Arbeit hat im Mai 2007 begonnen

Frage: "Wie lange habt ihr am F1.08 gearbeitet?"
Rampf: "Wir haben im Mai 2007 begonnen, was ein logisches Datum ist, denn man will noch die ersten Saisonrennen abwarten, um die Schwachpunkte des aktuellen Autos zu erkennen. Dann haben wir mit der Entwicklung begonnen."

Frontflügel des BMW Sauber F1.08

Der Frontflügel des BMW Sauber F1.08 ist eine komplette Neuentwicklung Zoom

Frage: "Wie viel vom F1.07 steckt noch in diesem Auto?"
Rampf: "Wenn man sich die Leistung des Vorgängerfahrzeugs anschaut, dann war es uns wichtig, darauf aufzubauen. Wir konnten mit der Entwicklung aber dank des gesicherten dritten Platzes früh beginnen und hatten dadurch Gelegenheit, einige aggressive Detailrichtungen zu verfolgen."

Frage: "Wie sehr hat sich die Einheitselektronik auch auf das Chassis ausgewirkt?"
Rampf: "Traktionskontrolle und die Motorbremse sind nun verboten. Das, was im Vorjahr noch die Elektronik geregelt hat, damit das Auto genau am Limit der Reifen fährt, muss nun der Fahrer erledigen. Aus diesem Grund mussten wir ein Auto entwickeln, das fahrbarer und stabiler ist, aber auch eine Hinterradaufhängung, die mehr Traktion und mehr mechanischen Grip produziert."

Frage: "Wie viel werdet ihr bis zum ersten Rennen in Australien noch verändern? Wie anders wird das Auto dort aussehen?"
Rampf: "In Melbourne werden wir definitiv einige Features am Auto haben, die jetzt noch nicht drauf sind, denn wir haben ein laufendes Weiterentwicklungsprogramm geplant. Die ersten neuen Teile werden wir schon beim nächsten Test auf dem Auto sehen. Ich hoffe, dass bis Melbourne noch mehr Teile fertig werden, die das Auto schneller machen."

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