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Pechvogel Räikkönen: Zweimal schuldlos, zweimal leidtragend

Der Finne war beim Australien-Grand-Prix schnell unterwegs, sein konservatives Zweikampfverhalten und ein Patzer der Crew wurden ihm aber zum Verhängnis

(Motorsport-Total.com) - Die zweite Saison seiner Ferrari-Rückkehr begann für Kimi Räikkönen am Sonntag in Melbourne genauso verhagelt wie sich das gesamte Jahr 2014 gestaltete. Der Finne fiel infolge einer Kollision kurz nach dem Start von Rang fünf zurück und musste nach zwischenzeitlich starken Rundenzeiten aufgeben: Seine Crew hatte beim Boxenstopp ein Rad nicht festgezogen. Räikkönen erinnert sich an die erste Kurve: "Ich war überrascht, dass der Wagen noch an einem Stück war. Sicher war etwas beschädigt."

Aus Sicht des Ex-Weltmeisters spielte sich die Szene so ab: "Ich wurde von Sainz am Hinterrad getroffen. Dann ist das Auto ins Schlingern geraten und jemand hat mir von der Seite einen mitgegeben." Der erste Übeltäter war Toro-Rosso-Debütant Carlos Sainz jun., der zweite Sauber-Pilot Felipe Nasr, wobei Räikkönen seine guten ersten Meter zum Verhängnis wurden. "Eigentlich ein perfekter Start", weiß 'Sky'-Experte Marc Surer. "Er kam gut weg, war vor Vettel, jedoch auf der Außenseite. Vor ihm waren Autos, dass er nicht durchziehen konnte."

Räikkönens stets besonnene Herangehensweise, die ihm in der Vergangenheit zahlreiche WM-Punkte sicherte, zahlte sich in Australien nicht aus. "Dann steckte er brav zurück und Sainz fährt ihm auf. Der Rempler kommt, weil er vom Gas gegangen ist. Wenn du hinter jemandem hängst, willst du natürlich mitziehen. Sainz ist nicht mit Absicht aufgefahren", nimmt Surer den jungen Spanier in Schutz. "Kimi ist immer einer, der zurücksteckt, wenn es kritisch wird. Er ist einfach zu schlau dafür. Er hält sich raus und greift an, wenn es Sinn macht. Das hat er wieder gezeigt." Räikkönen meint: "Der Unterboden war auf Höhe der Hinterachse beschädigt. Ich hätte fast den Motor abgewürgt, bis ich den Gang wieder drin hatte."

Vettel wollte Räikkönen mehr Platz lassen

Sebastian Vettel bedauert das Pech seines Teamkollegen, zumal er ihm in der ersten Kurve mehr Platz lassen wollte: "Kimi hatte einen besseren Start", räumt der Deutsche ein, "aber ich die innere Linie. Für ihn war es schade. Ich wollte enger um die Kurve schneiden, als ich es geschafft habe, denn die Reifen waren noch kalt. Er hat dann ein bisschen verloren. Wir haben uns nicht berührt oder zumindest habe ich nichts davon gemerkt." Vettel betont, dass Räikkönen gute Rundenzeite fuhr: "Nichtsdestotrotz war er auf dem Weg zurück. Umso bitterer, dass nicht gereicht hat."


Fotos: Ferrari, Großer Preis von Australien


Denn das Pech wich nicht von den Socken Räikkönens, als er zum zweiten Reifenwechsel die Box ansteuerte. Nach Schwierigkeiten beim Befestigen eines Rades kam es nach Meinung Teamverantwortlicher zu einem Schaden an der Radmutter, was letztlich dazu führte, dass sich die Walze lockerte und Räikkönen aufgeben musste. Den Tag des Maurizio Arrivabene trübte der Vorfall: "Ich bin deshalb nicht komplett zufrieden", ärgert sich der neue Teamchef bei 'Sky' über Kollision und Malheur.

Er lobt seinen Piloten aber für ein beeindruckendes Intermezzo: "Dazwischen hat er wirklich alles herausgeholt." Auch Technikchef James Allison ist trotz Problemen beim Überholen angetan von der Leistung Räikkönens, der zwischenzeitlich sogar die schnellste Rennrunde drehte: "Kimi war vernünftig unterwegs, was sein Tempo betrifft", sagt er 'Sky Sports F1' und zeigt sich ermutigt: "Unser Tempo war gut."

Glück im Unglück für Räikkönen: Wie die FIA kurz nach dem Rennen bekanntgab, erhält er keine Strafe für das Losfahren mit losem Rad, wie sie im Reglement vorgesehen ist. Das Team stoppte den Finnen umgehend, weshalb die Kommissare Milde walten ließen.

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