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Nürburgring: McLaren erwartet "unberechenbares" Rennen

Während sich Lewis Hamilton vor Prognosen hütet, möchte Jenson Button unbedingt auf dem Nürburgring gewinnen - Teamchef Whitmarsh fordert eine gute Teamleistung

(Motorsport-Total.com) - McLaren leckt derzeit seine Wunden: Nach Jenson Buttons sensationellem Sieg in Montreal fiel man in Valencia und ausgerechnet beim Heimrennen in Silverstone, für das man sich so viel vorgenommen hatte, in ein Loch. Am Nürburgring ist daher oberste Devise, wieder zum Normalzustand zurückzukehren und im WM-Rennen den verlorenen Boden schleunigst aufzuholen.

Lewis Hamilton

Regen und Sonnenschein? Am Nürburgring ist alles möglich

Daher denkt Ex-Weltmeister Lewis Hamilton nun nicht mehr an die vergangenen Rennen, sondern konzentriert sich ausschließlich auf den Grand Prix von Deutschland. Dabei blickt er dennoch zurück: "Meine vergangenen Rennen auf diesem Kurs waren ziemlich ereignisreich. Das letzte Mal, als wir 2009 hier waren, hatte ich ein gemischtes Wochenende. Wir hatten mit dem Auto bei den ersten Saisonrennen Probleme und die Jungs in der Fabrik arbeiteten rund um die Uhr, um eine Lösung zu finden."

Mit einem positiven Ergebnis, so Hamilton: "Ab der ersten Runde konnte ich den Unterschied am Auto spüren - es war wie verwandelt. Ich qualifizierte mich gut, hatte dank KERS einen guten Start und war in der ersten Kurve so gut wie in Führung, als ich von hinten getroffen wurde und mir einen Plattfuß einfing, der das Auto beschädigte."

Hamilton und die Angst vor Prognosen

Nie vergessen wird der Brite wohl das Rennen im Jahr 2007, als er nach einem heftigen Wolkenbruch in den ersten Runden ins Kiesbett rutschte, von einem Kranwagen wieder befreit wurde und zum Erstaunen aller das Rennen erneut aufnahm. "2007 hatten wir dieses verrückte Rennen", erinnert er sich. "Nach einem Plattfuß holte ich mit Regenreifen ab, aber selbst da war es zu rutschig. Ich kam in stehendes Wasser und rutschte an der gleichen Stelle wie einige andere Fahrer von der Piste."


Fotos: McLaren, Großer Preis von Großbritannien


"Die Rennleitung traf die richtige Entscheidung und unterbrach das Rennen, die Streckenposten am Nürburgring leisteten bei gefährlichen Bedingungen tolle Arbeit und hoben mich mit dem Kran aus dem Kiesbett. Da ich den Motor am Laufen hielt, konnte ich weiterfahren und am Neustart teilnehmen. Ich lag eine Runde zurück, aber ich genoss das Rennen wirklich, obwohl ich die Punkte knapp verpasste."

Doch was hat Hamilton aus all diesen Erfahrungen gelernt? "Die Lektion, die ich gelernt habe, ist dass man nie Prognosen machen sollte, wenn man zum Nürburgring kommt", schmunzelt Hamilton. "Der aktuelle Kurs ist vielleicht nicht mehr so heroisch wie das ursprüngliche 14-Meilen-Layout und definitiv viel sicherer, aber es kann einen immer noch erwischen. Und das Wetter kann sich von einem Augenblick auf den anderen verändern - man kann alle Jahreszeiten an einem Nachmittag erleben. Sollte das passieren, dann kann ich mich auf die schnellen und entschlossenen Reaktionen meines Teams verlassen."

Button will Nürburgring-Sieg

Auch Teamkollege Button kennt die Launen der Eifel: "Das ist eine historische und gleichzeitig knifflige Strecke, die man nie unterschätzen sollte. Das ursprüngliche 14-Meilen-Layout ist gleich nebenan und dort hat es einige denkwürdige Momente geben - gute und schlechte und oft am gleichen Wochenende. Man denke nur an 1976, als James Hunt in einem McLaren gewann, aber Niki Lauda einen entsetzlichen Unfall hatte, oder an 1968, als Jackie Stewart durch den Nebel und die Gischt fast im Blindflug unterwegs war und soweit ich weiß mit einem Vorsprung von vier Minuten gewann."

"Das ist ein Rennen, das ich wirklich gerne gewinnen würde." Jenson Button

Ähnlich wie bei seinem Heimrennen in Silverstone hat Button bisher auch auf dem Nürburgring keinen Sieg zu Buche stehen: "Das ist ein Rennen, das ich wirklich gerne gewinnen würde. In meinem Weltmeisterjahr wurde ich Fünfter und davor war meine beste Position ein dritter Platz - das war 2004. Es wäre eine tolle Errungenschaft, wenn ich sagen könnte, dass ich auf dem Nürburgring gewonnen habe, weil es sich um so einen historischen und herausfordernden Austragungsort handelt. Nicht umsonst fahren viele Leute mit Nordschleifen-Aufklebern auf ihrer Kofferraum-Haube herum."

Button sieht Potenzial

Auch die aktuelle Strecke ist für Button durchaus herausfordernd: "Es gibt viele harte Bremszonen und wenn die Bedingungen knifflig sind, was oft der Fall ist, dann muss man wirklich jede Kurve hinkriegen. Das Wetter kann sich von einem auf den anderen Moment verändern, man muss also immer aufmerksam sein."

"Das Wetter kann sich von einem auf den anderen Moment verändern, man muss also immer aufmerksam sein." Jenson Button

Was die Saison 2011 angeht, übt sich Button in Durchhalte-Parolen: "Vielleicht haben wir in den vergangenen Rennen etwas an Boden verloren, aber nicht so viel. Obwohl Silverstone enttäuschend war, ist unser Tempo dieses Jahr in Ordnung. Manchmal waren wir die Schnellsten und manchmal nicht. Die Einführung von DRS und KERS hat die Rennen unberechenbar gemacht und während das für uns herausfordernd ist, ist es großartig für die Fans. Ich denke, dass wir an diesem Wochenende eine wirklich aufregende Show bieten werden."

Whitmarsh: Montreal gibt Hoffnung

Teamchef Martin Whitmarsh ist sich der Historie des kommenden Formel-1-Austragungsortes ebenfalls bewusst: "Der Nüburgring ist ein Kurs, dessen Name in unserem Sport eine unglaubliche Resonanz erzeugt. Die Siegerliste liest sich wie ein Who is Who der Formel-1-Granden - viele davon sind für McLaren-Mercedes gefahren."

"Das Teamwork wird besonders wichtig sein." Martin Whitmarsh

Dem Team wird an diesem Wochenende laut Whitmarsh ein besonderes Augenmerk zukommen: "Durch die Möglichkeit widrigen Wetters und ständig wechselnder Streckenbedingungen wird das Teamwork besonders wichtig sein. Unser letzter Sieg hat gezeigt, wie eine großartige reagierende Fahrweise, inspirierte und klare Strategieentscheidungen und effiziente Boxenarbeit gemeinsam für ein perfektes Resultat sorgen können."

McLaren unterschätzt Konkurrenz nicht

Für McLaren ist dieses Rennen auch von besonderer Bedeutung, weil es sich um das Heimspiel von Motorenlieferant Mercedes handelt: "Das ist das Heimrennen unserer Partner bei Mercedes-Benz, die in der Vergangenheit und in der Gegenwart Vorreiter technischer Höchstleistungen in der Formel 1 sind. Wir bei McLaren sind besonders stolz auf die Langlebigkeit unserer Partnerschaften und wir hoffen wirklich, dass wir an diesem Wochenende eine gute Show bieten können."

"Ich bin aber zuversichtlich, dass wir an diesem Wochenende Fortschritte machen und die Spitze herausfordern werden." Martin Whitmarsh

Whitmarsh hofft auch, dass sein Rennstall durch die Schlappe von Silverstone aufgewacht ist: "In den vergangenen Wochen sorgten die neuen Restriktionen beim Zwischengas bis zu einem gewissen Grad für Unsicherheit und unser gesamtes Team hat enorme Leidenschaft und Hingabe an den Tag gelegt, um mit diesen Herausforderungen zurecht zu kommen."

"Wir haben die Gelegenheit für einen Podestplatz in Silverstone verpasst. Dieses Rennen hat uns daran erinnert, dass die Rivalen mit ihren Autos nachziehen, wenn wir pushen, um unser Auto noch konkurrenzfähiger zu machen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir an diesem Wochenende Fortschritte machen und die Spitze herausfordern werden. Dieser Grand Prix von Deutschland wird uns in Erinnerung bleiben."

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