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Neuer Chef bei Renault: Kommt Red Bull?

Exklusiv: Jean-Michel Jalinier muss gehen, Cyril Abiteboul kommt - und bringt vielleicht auch Red Bull als neuen Entwickler des Formel-1-Antriebs mit?

(Motorsport-Total.com) - Renault Sport, Antriebslieferant von Red Bull, Lotus, Toro Rosso und Caterham, zieht Konsequenzen aus der der ersten Saisonhälfte 2014: Jean-Michel Jalinier, seit Anfang 2012 verantwortlich für das Formel-1-Programm der Franzosen, wird seine Funktionen als Präsident und Management-Direktor laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' zurücklegen.

Jean-Michel Jalinier

Jean-Michel Jalinier ist seinen Job als Chef von Renaults Formel-1-Abteilung los Zoom

Ein Nachfolger ist bereits gefunden: Cyril Abiteboul, zuletzt Teamchef bei Caterham (dort aber unter den neuen Eigentümern nicht mehr erwünscht), kehrt nach nicht einmal zwei Jahren zu seinem früheren Arbeitgeber Renault zurück. Bis September 2012 war er in Viry-Chatillon Stellvertreter von Jalinier, ehe er zu Caterham berufen wurde. Offiziell bekannt gegeben werden sollen diese Personalveränderungen bereits morgen Vormittag.

Aber was auf den ersten Blick nach einer einfachen Neubesetzung aussieht, könnte möglicherweise nur der erste Schritt zu einer kompletten Neugestaltung des Renault-Antriebsprogramms in der Formel 1 sein. Red Bull hat die Franzosen immer wieder scharf kritisiert, weil die antriebsbezogene Leistung jener von Mercedes weit unterlegen ist. Daraus entstanden Gerüchte, wonach Red Bull den Motor selbst entwickeln könnte.

Honda, Mercedes und Ferrari keine Alternativen

Andere Alternativen zu Renault gibt es nicht, denn Neueinsteiger Honda ist zumindest für 2015 exklusiv an McLaren gebunden. "Ich wäre sehr überrascht, sollte Mercedes dazu bereit sein, uns einen Motor zu geben", erklärt Teamchef Christian Horner die Situation. "Ferrari hat ein Kundenprogramm, aber wir wollen ein vollwertiger Werkspartner sein. Das eröffnet uns längerfristig betrachtet die größeren Erfolgschancen."

Denn wie wichtig eine enge Verzahnung zwischen Chassis und Antrieb ist, hat Mercedes bewiesen. "Ferrari und Mercedes haben ihre eigenen Teams, also frage ich mich, wo man wohl stehen wird, wenn man nur Kunde ist", so Horner. "Wohingegen unsere Beziehung zur Renault-Nissan-Allianz, wenn sie funktioniert, extrem gut funktioniert. Das Problem ist, dass Renault bei einer großen Regeländerung das Ziel nicht erreicht hat. Aber sie arbeiten hart daran, das aufzuholen."

Genau jetzt ist die wichtigste Phase in der Antriebsentwicklung für 2015, schließlich darf das Triebwerk über den Winter trotz FIA-Homologierung fast komplett neu designt werden - was Renault die Möglichkeit gibt, aus den Fehlern zu lernen und den Rückstand auf Mercedes wettzumachen. Bei Red Bull hat man indes erkannt, dass es keine vernünftige Alternative zu Partner Renault gibt - aber: Der Einfluss auf Renault soll wachsen.

Abitebouls Rückkehr ist das erste Indiz für eine noch engere Verzahnung zwischen Red Bull und Renault, denn der Franzose pflegte zuletzt ein auffällig enges Verhältnis zu Horner. Und auch Horner lobt Renault plötzlich wieder: "Wir hatten mit Renault große Erfolge, haben in den vergangenen vier Jahren mit ihnen fast 50 Grands Prix und acht Weltmeisterschaften gewonnen. Das gibt niemand auf", sagt er und ergänzt: "Aber wo sie momentan stehen, das ist nicht in Ordnung."

Red-Bull-"Thinktank" entwickelt, Renault baut

Also könnte ein Masterplan sein: Red Bull greift mit Know-how von Adrian Neweys früherem Erfolgspartner Mario Illien und dem österreichischen Unternehmen AVL maßgeblich in die Entwicklung des Antriebs ein, lässt diesen aber weiterhin bei Renault in Viry-Chatillon produzieren. Um eine Mercedes-ähnliche Integration zwischen Chassis und Antrieb könnte sich Stardesigner Newey in seiner neuen Funktion als Leiter eines Innovationszentrums kümmern.

Cyril Abiteboul

Cyril Abiteboul kehrt nach zwei Jahren als Caterham-Teamchef zu Renault zurück Zoom

Damit hätte Red Bull de facto die Kontrolle über einen Antriebshersteller, man würde aber nicht das Wort von Konzernchef Dietrich Mateschitz brechen, der einen eigenen Red-Bull-Motor zuletzt ausgeschlossen hatte. Und ein solches Szenario lässt auch weiterhin die Tür zur Renault-Nissan-Allianz offen, die für Red Bull wegen Titelsponsor Infiniti finanziell lukrativ ist. Infiniti könnte theoretisch auch der offizielle Name des bisherigen Renault-Antriebs werden.

Tatsache ist, dass es auch in Silverstone wieder Meetings zwischen Vertretern von Red Bull, Renault und AVL geben wird. Eine finale Entscheidung hinsichtlich der Antriebsfrage will Red Bull möglichst bald treffen. "Ein Team wie Red Bull hat immer Optionen, aber die werde ich hier nicht preisgeben", lässt sich Horner nichts entlocken. "Wir wollen vorne fahren, wir wollen konkurrenzfähig sein - und dafür brauchen wir eine vernünftige Antriebseinheit."

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