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Neue Entwicklungen in Horner-Affäre: Mintzlaff wollte ihn schon kündigen!

Ein Magazin veröffentlicht eine explosive Story, die die Affäre um Christian Horner - der seitens Red Bull schon fast gefeuert war - minutiös dokumentiert

(Motorsport-Total.com) - Die Affäre rund um Christian Horner, den Teamchef von Red Bull Racing, kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Bekanntwerden eines hochexplosiven Datenleaks, das am Rande des Saisonauftakts in Bahrain hunderten Personen aus dem Formel-1-Paddock zugespielt wurde, erscheint jetzt in der Märzausgabe des Branchenmagazins BusinessF1 eine Story, die neuen Zündstoff in sich birgt.

Titel-Bild zur News: Christian Horner und Oliver Mintzlaff

Oliver Mintzlaff (rechts) wollte Christian Horner eigentlich bereits rausschmeißen Zoom

Auf 17 Seiten wird darin die Horner-Affäre minutiös aufgerollt und, unter anderem, erstmals der Name jener Mitarbeiterin genannt, die die Vorwürfe gegen Horner erhoben hat. Es wird erzählt, wie die Frau am Rande eines Rennwochenendes zusammengebrochen sein und sie Kollegen weinend erstmals vom grenzüberschreitenden Verhalten ihres Chefs erzählt haben soll.

Viele der Details aus der Story belasten Horner schwer. Sollten sie stimmen, ist kaum vorstellbar, dass der 50-Jährige die Angelegenheit als Teamchef von Red Bull Racing überleben wird. Wichtig ist aber festzuhalten: Viele der Details sind Stand heute schwer eindeutig verifizierbar, weshalb unsere Redaktion davon Abstand nimmt, diese zu veröffentlichen.

Was verifizierbar ist, ist aber ein spannender Nebenstrang der Story, der den Umgang der Red Bull GmbH mit der Horner-Affäre in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt. Bekanntlich hatten Formel-1-Teamchefs wie Toto Wolff und Zak Brown in Bahrain den intransparenten Umgang mit der Angelegenheit öffentlich kritisiert.

Es war am Morgen des 2. Februar, nur einen Tag nach der Bekanntgabe von Lewis Hamiltons Wechsel zu Ferrari, als sich in der Formel 1 das nächste Erdbeben abzeichnete. Denn die Entscheidungsebene der Red Bull GmbH in Fuschl hatte bereits vor Wochen Kenntnis von den Vorwürfen von Horners persönlicher Assistentin erlangt, intensiv darüber beraten - und war an jenem Morgen zu dem Schluss gekommen, dass Horners Verhalten mit dem Verhaltenskodex des Unternehmens unmöglich in Einklang zu bringen ist.

Horner raus: Pressemitteilung war absendefertig

Also entschied Red-Bull-CEO Oliver Mintzlaff nach internen Beratungen, Horner kündigen zu wollen. Laut BusinessF1 war bereits eine offizielle Pressemitteilung vorbereitet. Deren Wortlaut soll gelautet haben: "Die Red Bull GmbH bestätigt, dass Christian Horner Red Bull Racing mit sofortiger Wirkung verlassen hat. Die Red Bull GmbH wird keinen weiteren Kommentar zu dem Thema abgeben."

Laut Informationen von Motorsport-Total.com war seitens Fuschl geplant, Horner trotzdem ein Ausscheiden ohne Gesichtsverlust und ohne nachhaltigen Schaden für sein Privatleben und seine Ehe mit "Spice Girl" Geri Halliwell zu ermöglichen. Man hätte im zweiten Schritt in Interviews zum Beispiel ein Ende der Zusammenarbeit "aus gesundheitlichen Gründen" kommunizieren können.

Doch Horner wollte die Kündigung nicht akzeptieren und schaltete jetzt seine Anwälte ein, die bei Red Bull in Fuschl intervenierten, bevor die Pressemitteilung verschickt werden konnte. Horner ließ demnach auf eine Schiedsgerichtsklausel in seinem Vertrag pochen, die ihm im Falle solcher Vorwürfe das Recht auf eine unabhängige Untersuchung einräumt.

Mintzlaff und sein Team befanden sich jetzt in einer schwierigen Situation. Die Entscheidung, Horner zu kündigen, war zumindest für Fuschl eigentlich bereits gefallen. Horners Anwälte drohten aber damit, beim High Court in London eine einstweilige Verfügung einzureichen, sollte der Schritt tatsächlich vollzogen werden.

Mintzlaff angeblich "entsetzt" über Horners Verhalten

BusinessF1 schreibt: "Die Angelegenheit hatte bereits neun Wochen gedauert [...], und Mintzlaff kam zu dem Schluss, dass zwei weitere Wochen keinen Unterschied machen würden. Er war sich sicher, dass ein Schlichter gegen Horner entscheiden würde, da die Beweislage erdrückend gegen ihn sprach. Mintzlaff war der Ansicht, dass die Red Bull GmbH Horner nach dem, was er gesehen und gelesen hatte, unmöglich behalten würde können. Insgeheim war er entsetzt über Horners Verhalten."

Also soll Mintzlaff entschieden haben, die notwendigen Formalien für eine Kündigung (zu denen auch die Abstimmung mit den thailändischen Mehrheitseigentümern gehört) nicht sofort zu veranlassen, sondern das Ergebnis der unabhängigen Untersuchung abzuwarten. In Fuschl war man der Auffassung, dass dies das ultimative Ende der Zusammenarbeit mit Horner zwar verzögern, aber nicht mehr verhindern würde.


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Die Rolle des Yoovidhya-Clans

Doch dann soll der thailändische Yoovidhya-Clan, Mehrheitseigentümer der Red Bull GmbH, seine schützende Hand über Horner gelegt haben. Am 28. Februar wurde das Ergebnis der Horner-Untersuchung in einer knappen Presseaussendung präsentiert - und zur Überraschung vieler, die die vorliegenden Beweise gesehen hatten, wurde Horner dabei entlastet.

Bis heute existieren Zweifel an der Unabhängigkeit der Untersuchung, und in der Story von BusinessF1 sind zahlreiche Details aufgelistet, die diesen Verdacht unterfüttern. Auch in Bezug darauf, wer den Anwalt letztendlich beauftragt hat. Und, bizarres Detail: Der soll nach der Befragung von Horner erstmal für zwei Wochen in den Urlaub abgetaucht und nicht erreichbar gewesen sein.

Das wiederum ärgerte offenbar Personen, von BusinessF1 nicht namentlich genannt, die Kenntnis über den Sachverhalt erlangt hatten. Die entschieden, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, und begannen, Informationen an die Medien zu leaken. Daraufhin kam der Ball ins Rollen, der heute als Horner-Affäre bekannt ist.

Eine Affäre, in der das letzte Kapitel sehr wahrscheinlich noch nicht geschrieben ist.

(Hier geht's zur Kolumne "Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat", die sich ebenfalls mit der Horner-Affäre auseinandersetzt.)