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Nach Bremsdefekten: Muss Funkverbot gelockert werden?

Zahlreiche Bremsdefekte haben beim Großen Preis von Österreich 2016 für Aufregung gesorgt - Teams konnten am Funk nichts für die Sicherheit der Fahrer tun

(Motorsport-Total.com) - Nico Rosberg, Sergio Perez, Nico Hülkenberg - der Red Bull Ring hat mit seinem außergewöhnlich hohen Bremsenverschleiß mehrere Piloten an die Grenze gebracht. Während Hülkenberg aus Sicherheitsgründen sein ohnehin schon desolates Rennen beendete, landete Sergio Perez in der letzten Runde vehement in der Mauer. Nico Rosbergs Bremsproblem sorgte für den zweiten kontroversen Mercedes-Crash der Saison. Allen ist eines gemeinsam: Sie konnten alle nicht richtig gewarnt werden.

Sergio Perez © LAT
Sergio Perez' Wrack: Force India konnte Sergio Perez nicht auditiv warnen

Schuld daran ist das Funkverbot, mit dem die Regelmacher seit Beginn der Saison den Fahrern wieder mehr Verantwortung geben wollen. Zu oft hatten sie in der Vergangenheit den Eindruck ferngesteuerter Roboter erweckt. Artikel 20.1 des sportlichen Reglements erlaubt es zwar, dass ein kritisches Problem über Funk mitgeteilt werden darf, weil es Sicherheitsrelevanz hat. Wortwörtlich heißt es: "Hinweis auf ein kritisches Problem mit dem Auto, z.B. ein Plattfuß oder eine Beschädigung."

Doch wo ist die Grenze zu ziehen? Im Einzelfall muss die Rennleitung entscheiden. Und diese machte Force India bei einer Anfrage des Teams deutlich: Ein sich anbahnender Bremsdefekt ist nicht ausreichend, damit der Fahrer gewarnt werden kann. Andere Kommunikationswege wie das Lenkrad oder die Boxentafel müssen hier wirken. Bei Perez funktionierte alles nicht; der Mexikaner flog in der letzten Runde spektakulär ab. Sein De-Facto-Teamchef Bob Fernley mahnt daher nun die FIA, das Funkverbot aufzuweichen.

Fernley und Wolff kritisch

"Wir müssen auf die Funksprüche ein wenig Acht geben, weil wir unseren Fahrern nicht mitteilen können, dass die Bremsen in einem kritischen Zustand sind", sagt er gegenüber 'Autosport'. "Das macht mir Sorgen. Es erscheint mir ziemlich lächerlich, einen Halo ans Auto zu schrauben, aber dem Fahrer nicht mitteilen zu dürfen, dass seine Bremsen gleich hochgehen werden. Das geht meines Erachtens ein bisschen zu weit. Ich denke, wir müssen die Kontrolle über die Sicherheit der Fahrer haben."


Fotostrecke: F1 Backstage: Spielberg

Fernley und dem Force-India-Kommandostand blieb nichts übrig als zuzusehen, wie Perez im Bemühen, an Romain Grosjean dranzubleiben (dieser hatte eine Fünf-Sekunden-Strafe), seine Bremsen verheizte und den Preis zahlen musste. "Es hätte für Checo vielleicht keinen Unterschied gemacht, aber es ist trotzdem ein Beispiel, wo wir hinschauen sollten."

"Es erscheint mir ziemlich lächerlich, einen Halo ans Auto zu schrauben, aber dem Fahrer nicht mitteilen zu dürfen, dass seine Bremsen gleich hochgehen werden." Robert Fernley

Auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff tritt für Änderungen ein: "Meiner Meinung nach geht es momentan etwas zu weit mit dem Verbot." Doch auch er stellt die Frage: Wo ist die Grenze? Wolff problematisiert: "Die Teams könnten es (im Falle einer Aufweichung) leicht dazu missbrauchen, unter dem Deckmantel der Sicherheit mit ihren Fahrern zu kommunizieren." Die Mercedes-Piloten werden über ihr Lenkrad gewarnt, wenn die Bremsen in kritischem Zustand sind. Eine Maßnahme, die funktioniert hat.

Das Funkverbot steht nicht erst seit Hamiltons Hybrid-Slapstick in Baku immer wieder zur Disposition. Der Radio-Bann hat im Fahrerlager auch Anhänger. Änderungen am Artikel 20.1 sind derzeit nicht angedacht.

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