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  • 22.08.2015 · 20:21

  • von Dieter Rencken, Roman Wittemeier & Dominik Sharaf

Motorenfrage: Warum Red Bull die Hände gebunden sind

Red Bull und die Frage nach den richtigen Antrieben für die kommenden Saisons: Warten auf Renault-Entscheidung - Kann Mercedes überhaupt liefern?

(Motorsport-Total.com) - Die Ehe zwischen Red Bull und Renault ist trotz zahlreicher Erfolge in der Vergangenheit nicht mehr von großer Harmonie geprägt. Im Gegenteil: Die Zeichen stehen auf Trennung spätestens zum Ende der Formel-1-Saison 2016. Bis dorthin läuft der aktuelle Vertrag mit den Franzosen. Am aktuellen Spa-Wochenende tauchten Gerüchte auf, dass der Kontrakt von Seiten Red Bull gekündigt worden sei. Nach Informationen von 'Motorsport-Total.com' ist dies jedoch (noch) nicht der Fall.

Christian Horner

Red-Bull-Teamchef Christian Horner wartet: Welche Pläne hat Renault für die Zukunft? Zoom

Im Vertragswerk gibt es offenbar Klauseln, die eine vorzeitige Beendigung der Zusammenarbeit ermöglichen, wenn gewisse Vorgaben nicht erfüllt werden. "Das unterliegt natürlich der Vertraulichkeit. Ich werde nicht in Details gehen", sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Der Brite fügt jedoch vielsagend hinzu: "Es gibt in einer solchen Zusammenarbeit immer Verantwortlichkeiten und Pflichten. So ist das normalerweise. Es ist beiden Parteien klar, welche Pflichten es gibt."

Zu diesen Pflichten gehört die Vertragstreue. Sprich: Solange der Kontrakt Gültigkeit besitzt, machen Verhandlungen mit potenziellen zukünftigen Antriebslieferanten wenig Sinn. "Der Vertrag läuft bis 2016. Das ist die Situation", sagt Horner. "Wir wollen wissen, welche Pläne Renault hat. Dann können wir entsprechend reagieren." Die Franzosen wollen im kommenden Monat entscheiden, ob man Lotus übernimmt und als Werksteam in der Formel 1 weitermacht.

Gesamtlage: Newey plus Sportwagen plus AMG-Motor

Sollte Renault wieder als Werksmannschaft antreten, so wäre Red Bulls Status als Premiumkunde in Gefahr - und man möchte keinesfalls die zweite Geige spielen. Allerdings fehlt es an Alternativen. Mercedes wäre die erste Option für das Team aus Milton Keynes, aber ein Deal mit den Deutschen ist alles andere als sicher. "In eine bestehende Partnerschaft mischen wir uns nicht ein. Das hat unterschiedliche Gründe. Erstens handeln wir generell nicht so, zweitens muss man wissen, dass Renault und Mercedes auf industrieller Ebene kooperieren", sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Daniel Ricciardo

Red Bull leidet seit Beginn der Saison 2014 unter der Schwäche der Renault-Antriebe Zoom

Im Hause der Stuttgarter könnte man sich eine Zusammenarbeit mit Red Bull vorstellen, aber es gibt abseits der vertraglichen Situation zwischen Renault und den Weltmeistern der Jahre 2010 bis 2013 weitere Hindernisse. Mercedes hat im Werk Brixworth ausreichend Kapazitäten, um neben dem Werksteam drei Kunden (Williams, Lotus, Force India) auszurüsten. Ein weiterer Partner würde den Rahmen aber sprengen. Hinzu kommt, dass man Williams den Status als Premiumkunde eingeräumt hat. Und will Red Bull die dritte Mercedes-Geige spielen? Eher nicht.

Es gäbe allerdings auch gute Gründe, die für eine Kooperation sprächen. Unter der Leitung von Adrian Newey entwickelt Red Bull einen Supersportwagen - und dieses Auto soll mit einem AMG-Motor ausgerüstet werden, der den Schriftzug Aston Martin tragen könnte. Daimler ist an der britischen Traditionsmarke beteiligt. Genau deshalb ist auch der Plan nicht vom Tisch, die Mercedes-Antriebe im Heck eines Red Bull als Aston Martin zu branden.

Ecclestone setzt Mercedes unter Druck

"Ich kann keine Inhalte von Gesprächen mit anderen Parteien offenbaren", hält sich Horner bedeckt. Der Brite erklärt: "Bis November müssen wir wissen, welchen Motor wir nächstes Jahr fahren. Es geht alles kurzfristig. Und niemals ist etwas unmöglich. Brawn wusste damals bis Dezember nicht, welchen Motor er 2009 fahren würde..." Damals holte das Team, das Ross Brawn von Honda übernommen hatte, prompt die Formel-1-Titel. "Kunde ist König" warb Mercedes damals.


Fotostrecke: FIA-Fast-Facts Belgien

"Eines ist sicher: Eine weitere Saison wie diese können wir uns nicht leisten", meint der Red-Bull-Teamchef. "Wenn man in ein solches Szenario gerät, dann ist das schädlich und teuer. Wir geben viel Geld für den Antrieb aus. Wir bezahlen dafür, es ist kein kostenloser Motor. Wenn man solch ein Kundenprodukt nutzt, kocht die Frustration mal hoch. Selbst ohne richtigen Flügel am Heck waren wir im zweiten Spa-Sektor auf Platz drei und vier mit unseren Zeiten. Das Chassis funktioniert also. Aber ohne Power kannst du nicht mithalten."

Es ist nicht nur im Interesse von Red Bull selbst, möglichst schnell wieder konkurrenzfähiger zu werden. Auch Bernie Ecclestone wünscht sich mehr Wettbewerb an der Spitze der Formel 1. Aus diesem Grund appelliert der Brite an Mercedes. "Sie sollten sich gut überlegen, ob sie ihnen wirklich keine Antriebe geben", so der große Boss der Königsklasse. Was würde passieren, wenn Red Bull in einem solchen Fall ganz ohne Antriebe dastehen würde? "Dann beschwert sich jemand bei der Europäischen Kommission", so Ecclestone scherzhaft.

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