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Montreal-Freitag: Hamilton vor den Ferraris

Ein schwerer Unfall von Bruno Senna ging im zweiten Freien Training glimpflich aus - Hamilton vor den Ferraris - Vettel schnellster Fahrer mit härteren Reifen

(Motorsport-Total.com) - 2007 hat er in Montreal seinen ersten Grand Prix gewonnen, und der Circuit Gilles Villeneuve scheint ihm auch fünf Jahre später wie auf den Leib geschneidert zu sein: Lewis Hamilton fuhr am Freitag des Grand Prix von Kanada in beiden Freien Trainings Bestzeit und setzte sich heute in 1:15.259 Minuten durch, gefolgt von den erstaunlich starken Ferraris.

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton ist schon seit Jahren bekennender Montreal-Spezialist Zoom

"Auf den superweichen Reifen machte ich eine Zeit lang richtig viel Druck. Es war aber sehr schwierig, alle Sektoren zusammenzubringen", berichtet der Tagesschnellste. "Die Reifensituation wird sicher wieder eine große Rolle spielen. Es sieht derzeit danach aus, dass die Qualifikation ziemlich eng wird. Ferrari scheint hier sehr schnell zu sein. Und zumindest beim letzten Rennen kamen sie besser mit den Reifen klar. Sie müssen wir also im Auge behalten."

Alonso im ersten Sektor am schnellsten

Hamilton konnte zwar im kurvenreichen ersten Sektor nicht das Tempo von Fernando Alonso gehen, stellte dafür aber im zweiten und dritten Sektor Bestzeit auf und hatte unterm Strich 0,054 Sekunden Vorsprung auf den Spanier. Der hatte sich nach einer Viertelstunde beim Anbremsen von Kurve acht vertan und das Heck verloren, was zu einem der spektakuläreren Dreher des Nachmittags führte, aber ansonsten kann Alonso mit der heutigen Leistung rundum zufrieden sein.

Fernando Alonso

Für Fernando Alonso beginnt das Wochenende in Montreal nach Wunsch Zoom

Zumal der zweite Platz diesmal nicht nur auf sein fahrerisches Ausnahmetalent zurückzuführen ist, sondern auf ein insgesamt verbessertes F2012-Paket, wie der dritte Rang von Felipe Massa (+0,151) beweist. Ferrari probierte heute eine Vielzahl neuer Teile aus, allen voran einen neuen Auspuff, der vom Konzept her der McLaren-Variante recht ähnlich ist. Nach Vergleichstests am Vormittag waren am Nachmittag beide Autos mit der neuen Spezifikation unterwegs.

Sebastian Vettel, der für seine harsche Aktion gegen Bruno Senna (Williams) am Vormittag mit einer Verwarnung davonkam, landete als schnellster Fahrer mit den härteren Pirelli-Reifen (Soft) auf Rang vier. Rückstand des Red-Bull-Piloten: 0,272 Sekunden. Teamchef Christian Horner ist angesichts der heutigen Vorstellung vorsichtig optimistisch, unterschätzt aber die Gegner nicht: "Wir wissen, dass McLaren und Mercedes hier sehr schnell sein werden, Lotus glaube ich auch."

Vettel mit Auftakt zufrieden

"Schwer einzuschätzen", sagt Vettel über das Training. "Bis jetzt habe ich ehrlich gesagt noch nicht viel auf die Zeiten geschaut. Ich weiß nicht wirklich, wo wir genau stehen, aber wichtig ist, dass ich mich am Nachmittag ein bisschen wohler gefühlt habe und dass wir gut durch unser Programm kamen. Wir haben mehr auf uns geschaut als auf die anderen. Jetzt schauen wir mal, was morgen rausspringt, aber ich glaube, wir sollten einigermaßen dabei sein."


Fotos: Großer Preis von Kanada, Freitag


"Die ersten zwei Sektoren sind unsere Stärke, Sektor drei ist unsere Schwäche", weiß Horner. "Wir müssen dort alles herausholen, was möglich ist. Wir wollen nicht den ganzen Abtrieb herunternehmen und haben da heute ein paar Dinge ausprobiert. In Monaco sind wir noch mit maximalem Abtrieb gefahren, hier ist es viel weniger. Die Höchstgeschwindigkeit ist auch eine ganz andere, daher handelt sich um ein völlig andere Herausforderung."

HRT auf den Geraden am schnellsten

Am Nachmittag erzielte Pedro de la Rosa (21./HRT/2,923) stattliche 324 km/h, aber so flach eingestellte Flügel scheinen nicht der richtige Weg zu sein, denn die besten Zeiten kamen mit weniger Topspeed zustande. Nur Force India schaffte es, eine Top-Höchstgeschwindigkeit (321 km/h) in die starken Positionen fünf (Paul di Resta/+0,285) und acht (Nico Hülkenberg/+0,540) umzusetzen. Hülkenberg fuhr seine Bestzeit übrigens ebenfalls auf den härteren Pneus.

Pedro de la Rosa

Mit 324 km/h erzielte Pedro de la Rosa heute den besten Topspeed Zoom

Pech hatte Jenson Button, der 73 Minuten lang tatenlos zuschauen musste. "Am Morgen gab es ein Ölleck im Kupplungsbereich", berichtet McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. "Dieses Problem konnten wir beheben. Als wir das Auto daraufhin erneut anließen, entdeckten wir einen weiteren Defekt im Ölsystem. Wir bauen daher das Ersatzgetriebe ein. Dabei handelt es sich natürlich um Trainings-Systeme. Es wird also keine Strafe oder dergleichen zur Folge haben."

Button drehte immerhin noch 14 Runden (und hatte Glück, dass es trotz pechschwarzer Wolken am Himmel nicht zu regnen begann) und landete mit gut einer halben Sekunde Rückstand auf dem neunten Platz. Damit reihte er sich zwischen dem Mercedes-Duo ein: Michael Schumacher (+0,438) wurde Siebter, Nico Rosberg (+0,619) Zehnter - jeweils mit den härteren Reifen. Ebenfalls in den Top 10: Kamui Kobayashi (6./Sauber/+0,392).

Senna: Glück im Unglück

Übrigens forderte der Circuit Gilles Villeneuve nach Heikki Kovalainen (Caterham) am Vormittag auch im zweiten Training ein Opfer: Bruno Senna (17./+1,763) verschrottete seinen Williams an der berühmt-berüchtigten "Wall of Champions". Analyse von Jaime Alguersuari: "Das passiert halt, wenn man ein Low-Downforce-Setup hat - da bricht dir das Auto schneller aus. Aber er ist auch viel zu schnell in die letzte Kurve gefahren."

Bruno Senna

Bruno Sennas Williams nach dem üblen Crash in die "Wall of Champions" Zoom

"Das Heck bricht aus", nickt Experte Marc Surer. "Er hat kaum Zeit zum Gegenlenken, lenkt dann trotzdem nach links, und dann pendelt das Auto. Ein Fahrfehler, der halt einfach vorkommt. Wenn man so abbiegt wie Senna, hat man das Glück, dass er rückwärts einschlägt, doch relativ sanft. Durch den Dreher hat er schon Speed verloren. Die Schikane selbst durchfährt man so mit 135 km/h. Das war vom Aufprall her nicht so tragisch, wie es ausgeschaut hat, aber das Auto ist richtig Schrott."

Für den Brasilianer selbst war es ein "ziemlich heftiger" Unfall: "Ich war ein bisschen frustriert, weil ich auf meinen Runden sehr viel Verkehr hatte. In der Schikane machte ich dann etwas zu viel Druck. Diese Passage wird nicht umsonst 'Wall of Champions' genannt. Da scheint jeder seine Probleme zu haben. Leider war es ein großer Unfall. Das Auto wurde ziemlich beschädigt. Die Jungs sind aber klasse und werden das Fahrzeug für den Samstag wieder herrichten."

Williams setzt auf neuen Heckflügel

Inklusive des neuen Heckflügels, den Williams am Vormittag nur mit Pastor Maldonado (13./+0,728), am Nachmittag dann mit beiden Autos einsetzte. "Wir haben genug Ersatzteile dabei", bestätigt Senna. "Am Samstag wird alles wieder in bester Ordnung sein." Auch Kovalainen erholte sich übrigens gut von seinem Crash, ließ sensationell einen Williams und beide Toro Rosso hinter sich und wurde mit 1,722 Sekunden Rückstand hervorragender 16.

Sebastian Vettel

Schnellster Mann auf den härteren Pirelli-Reifen: Sebastian Vettel Zoom

Ein bisschen Glück hatte Timo Glock (22./Marussia/+3,825), als er schon nach sieben Minuten eines der vielen Opfer der schwierigen Strecke wurde und im Senna-S über die feuchte Wiese rutschte - denn Romain Grosjean konnte gerade noch ausweichen. Der Lotus-Pilot belegte übrigens mit 1,101 Sekunden Rückstand den wenig berauschenden 14. Platz, immerhin noch knapp vor seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen.

Was die heutigen Zeiten zu bedeuten haben, ist derzeit aber noch schwierig einzuschätzen. Erstens herrschen wieder sehr geringe Abstände - und zweitens scheinen die Pirelli-Reifen wieder einige Fragen aufzuwerfen. Der Unterschied zwischen Supersoft und Soft dürfte vom Speed her nicht eklatant sein, zudem erscheinen beide Gummimischungen recht haltbar und lassen mehr als eine schnelle Runde am Stück zu. Fortsetzung folgt morgen.

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