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  • 10.06.2001 · 11:44

Montreal bleibt für Frentzen ein schlimmes Pflaster

Der Startverzicht nach dem Trainingsunfall ist nur eine von vielen unangenehmeb Erinnerungen von Frentzen an Montreal

(Motorsport-Total.com/dpa) - Für Heinz-Harald Frentzen droht die Formel-1- Saison 2001 zum "Seuchenjahr" zu werden. Vorläufiger negativer Höhepunkt einer Serie von Pleiten, Pech und Pannen ist sein Ausfall schon vor dem Großen Preis von Kanada. Ein relativ glimpflich erscheinender Unfall in der letzten Minute des Freitagstrainings erwies sich Stunden später als folgenschwer. Wegen "Sehstörungen und starker Kopfschmerzen", so Teamchef Eddie Jordan, musste Frentzen in Montreal passen. Anstatt das Qualifying und den Grand Prix zu bestreiten, musste der Mönchengladbacher am Samstagnachmittag zur sofortigen Untersuchung bei einem Spezialisten nach Monaco heimfliegen. "Ich bin enttäuscht, dass ich das Rennen nicht fahren kann", sagte der Rheinländer frustriert vor der vorzeitigen Abreise.

Frentzen und Heidfeld

Auch in diesem Jahr brachte Montreal Frentzen nicht das nötige Glück

"Es wäre uns natürlich lieber gewesen, Heinz hätte fahren können", meinte Jordan. "Aber er ist physisch und psychisch nicht hundertprozentig fit." Zudem würde der gesundheitliche Zustand eines Fahrers in den Tagen nach so einem Unfall erfahrungsgemäß nicht besser, sondern eher schlechter. "Die letzte Entscheidung lag bei ihm, aber der Arzt riet, Heinz solle nicht fahren", so der Ire. Laut Jordan war Frentzen vor dem Einschlag mit dem Heck in die Barriere etwa 200 km/h schnell. Der Pilot konnte sich den Unfall nicht erklären und mutmaßte: "Ich habe vor der dritten Kurve wahrscheinlich am Randstreifen mit den Reifen Gras und Dreck aufgesammelt."

Möglicherweise überwog beim "Wiederholungs-Opfer" Frentzen die Einsicht, ein Start auf dem anspruchsvollen Stop-and-Go-Kurs Gilles Villeneuve habe mittelfristig eher negative Auswirkungen. Schließlich hofft der 34-Jährige darauf, beim nächsten WM-Lauf in zwei Wochen auf dem Nürburgring wieder starten zu können. Sein Einsatz bei den anstehenden Testfahrten von Dienstag bis Donnerstag ist fraglich.

Der dreimalige Grand-Prix-Sieger hatte bereits vor 14 Tagen beim Großen Preis von Monaco einen heftigen Unfall. Im Tunnel war er mit seinem Jordan-Honda an die Leitplanken angeschlagen. Die Unfall- Ursache ist laut Jordan "noch nicht hundertprozentig klar. Die Telemetriedaten geben keine klare Auskunft." Frentzen hatte nach diesem Crash schon an Sehstörungen gelitten und war vom Spezialisten behandelt worden. Wegen starker Kopfschmerzen musste er drei Tage später Testfahrten in Magny-Cours nach neun Runden abbrechen.

Montreal ist bisher alles andere als ein gutes Pflaster für ihn: Bei nunmehr acht Auftritten konnte Frentzen nur 1997 als Vierter in seinem erfolgreichsten Jahr als Vize-Weltmeister punkten. Dem stehen teilweise herbe Unfälle (1994, 1999, 2000) sowie der Beinahe-Crash mit Michael Schumacher (1998) entgegen. Vor zwei Jahren war Frentzen im Rennen in der gleichen Kurve ebenfalls in die Barriere geprallt. Dabei hatte er sich Haarrisse in Knie und Schienbein zugezogen.

In dieser Saison wartet Frentzen nach acht WM-Läufen immer noch auf den ersten Podiumsplatz. Vor Montreal fiel der Pechvogel vier Mal wegen technischer Defekte oder Fahrfehler aus. "Man hat manchmal unglückliche Phasen in der Karriere", spendete Eddie Jordan seinem Piloten Trost.