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  • 10.06.2001 · 11:38

Karbon-Bremsen: Unter 500 Grad fehlt der "Biss"

Auf kaum einer anderen Strecke sind die Bremsen so wichtig wie auf dem Bremsen-mordenden Kurs von Montreal

(Motorsport-Total.com/dpa) - Perfekte und gut funktionierende Bremsen sind beim Großen Preis von Kanada die halbe Miete für einen Erfolg. Der Circuit Gilles Villeneuve beansprucht diese wegen seines Stop-and-Go- Charakters auf besondere Weise. "Die Bremsen stehen hier unter extremer Belastung", sagte der dreimalige Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher dazu.

Mika Häkkinen

Bremsprobleme können in Kanada große Auswirkungen haben

Rennwagen sind mit Karbon-Bremsen ausgestattet. Vor etwa 20 Jahren ersetzten die Grand-Prix-Konstrukteure die in Straßenautos weiterhin üblichen Stahlvarianten durch dieses wirkungsvollere Material. Die Kohlefaserbremsscheiben haben zwei entscheidende Vorteile gegenüber ihren Vorgängern: Ihr Verzögerungswert ist etwa fünf Mal besser und ihr Gewicht deutlich geringer. Ein Pilot kann seinen Boliden so zum Beispiel von 320 km/h auf 80 km/h in nur 2,5 Sekunden herunter bremsen.

"Wenn ich bei meinem Rennwagen nur vom Gas gehe, ist das so, als ob man bei einem Pkw voll in die Eisen steigen würde", beschrieb Schumacher einmal den gewaltigen Unterschied. Bremst ein Grand-Prix- Pilot voll ab, können Kräfte von bis zu fünf "g", was dem Fünffachen der Erdbeschleunigung entspricht, auf ihn und sein Fahrzeug einwirken. Ein Satz Scheiben und Beläge aus Kohlefaser ist zudem etwa acht Kilogramm leichter als bei Stahl.

Um optimal arbeiten zu können, brauchen die Karbon-Bremsscheiben eine bestimmte Betriebstemperatur. "Vor der Einfahrt in die Kurve darf die nicht unter 500 Grad Celsius liegen, sonst gibt es keinen Biss auf der Bremse", erklärte Willy Rampf, der Technische Direktor des Sauber-Teams. Und: "1000 Grad sollte sie nicht überschreiten." Mercedes-Benz schreibt in seinem "Formel-1-Lexikon" dazu: "Die Reibflächen erreichen in der Spitze eine Temperatur von bis zu 1400 Grad."

Je nach Strecke und Beanspruchung gibt es drei verschiedene Stärken. Für Montreal, wo die Bremsen neben dem Autodromo Enzo e Dino Ferrari in Imola am meisten beansprucht werden, wählen die Ingenieure das Maximum von 28 Millimetern. Laut Rampf gibt es noch 22 und 25 Millimeter. Bei den Bremszangen gibt es ebenfalls drei unterschiedlich steife und schwere Typen. Sauber und auch die meisten anderen Teams setzen an diesem Rennwochenende zehn Bremssätze ein. "Ein Satz kostet 20 000 Schweizer Franken", sagte Rampf. Zusammen macht das 200 000 Franken - oder umgerechnet rund 250 000 Mark.

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