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Mercedes fährt Bestzeit mit Messvorrichtung für 2017

Mercedes diktiert beim Freitagstraining zum Großen Preis von Brasilien 2016 weiter das Tempo, obwohl Lewis Hamilton eine Messvorrichtung spazieren fuhr

(Motorsport-Total.com) - Bei den Freitagstrainings zum vorletzten Rennen der Formel-1-Saison 2016 gaben Lewis Hamilton und Nico Rosberg das Tempo vor. Mit zwei Bestzeiten zeigte der britische Herausforderer auf, dass er Rosberg den Titel nicht einfach überlassen will. Die Tagesbestzeit von 1:11.895 Minuten fuhr er bereits im kühleren ersten Freien Training. Bemerkenswert ist, dass Hamilton diese Marke mit einem Messgitter hinter den Hinterreifen fuhr, wie man sie nur von Testfahrten kennt. (Zu den Ergebnissen)

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton fuhr am Freitagmorgen ein Gerüst spazieren Zoom

Dass Messungen mit solchen Gerätschaften an GP-Wochenenden vorgenommen werden, ist in der Formel 1 eine Seltenheit, aber nicht ausgeschlossen. Sie sind weniger effektiv als bei echten Testfahrten, weil an den Rennwochenenden spezielle Regeln gelten: So darf etwa die maximale Fahrzeugbreite durch die Messgeräte nicht überschritten werden. Auch von den Crash-Strukturen müssen sie ferngehalten werden. Verglichen mit den riesigen Gittern bei Testfahrten wirkte die Staudruck-Messvorrichtung bei Hamilton in Interlagos eher kümmerlich.

2017 stehen bei den Hinterreifen gewaltige Umwälzungen auf dem Programm, weil sie wesentlich größer ausfallen werden als die jetzigen Pirelli-Pneus. Auch am Diffusor ändern sich die Abmessungen, hinzu kommt der flachere und breitere Flügel nebst einem insgesamt breiteren Fahrzeug. Deshalb können mit den jetzigen Autos kaum wirklich relevante Daten gewonnen werden.


Fotos: Großer Preis von Brasilien, Freitag


Sinn der Maßnahme war Paddy Lowe zufolge lediglich ein Abgleich der Daten aus dem Windkanal mit der Wirklichkeit. Was passieren kann, wenn der Windkanal falsche Daten liefert, musste Ferrari in der Formel-1-Saison 2012 und Anfang 2013 erfahren. "Das soll uns helfen, Strecke und Windkanal in einem Bereich, der im nächsten Jahr extrem wichtig ist, noch besser miteinander in Einklang zu bringen", erläutert der Mercedes-Technikchef. Bislang wurden solche Gitter nur im Bereich hinter den Vorderreifen getestet.

Freitag mit geringer Aussagekraft

Rein sportlich konnte Lewis Hamilton seine Hoffnung aufrechterhalten, die WM-Entscheidung nach Abu Dhabi zu vertagen. Nicht nur bei den Bestzeiten lag er jeweils knapp vorn (+0,230 Sekunden im ersten Training, +0,030 im zweiten), auch bei den Longruns spricht einiges für den amtierenden Weltmeister. Beide Mercedes-Piloten fuhren Zeiten im niedrigen 1:16er-Bereich - auch mit Reifen, die schon viele Runden auf dem Buckel hatten. Hamilton war dabei im Mittel etwas schneller als Rosberg.

Beide Fahrer sprechen von einem "soliden Start". Sie konnten ihr jeweiliges Programm ohne Probleme absolvieren. Aufgrund der Wetterbedingungen bleibt es aber fraglich, ob Erkenntnisse mitgenommen werden können. Regen kann jederzeit einsetzen, doch selbst wenn es trocken bleiben sollte, könnten die Erkenntnisse für die Tonne sein. "Bei einem Temperatursturz von zehn Grad können wir wieder bei null anfangen", fürchtet Rosberg. Dem dritten Freien Training am Samstag wird daher eine enorme Bedeutung zukommen.

Hamilton, der sich von Natur aus auf jedes Griplevel schnell einstellen kann, sieht es gelassener: "Ich konzentriere mich voll auf meinen Job, egal wie die Bedingungen sind. Wenn es kühler wird, ändert sich halt die Balance." Der Brite hätte sicher nichts gegen Regen, schließlich braucht er bei mindestens einem Rennen noch Fahrzeuge zwischen sich und Rosberg, wenn er noch Weltmeister werden will. Ein Regenrennen würde die Chance dazu natürlich steigern. Und ein solches wäre in Abu Dhabi ausgeschlossen.

Hamilton besser vorbereitet als 2015

Nico Rosberg

Nico Rosberg hing am Freitag leicht hinter seinem Teamkollegen zurück Zoom

Brasilien ist die einzige Strecke neben dem brandneuen Kurs in Baku, auf der der dreimalige Weltmeister noch nie gewonnen hat. Doch dieses Jahr ist etwas anders, wie er anmerkt: "Ich bin besser vorbereitet und es fühlt sich einfach besser an als in den vorigen Jahren. Da habe ich immer Probleme mit dem Heck gehabt, das ist jetzt nicht mehr der Fall. Das erste Training war gut, im zweiten habe ich meine Runde nicht ganz zusammengebracht." Rosberg hält dagegen: "Am Freitag geht es um noch gar nichts. Die nötigen Zehntel habe ich noch in der Hosentasche." Er gibt aber auch zu, noch "jede Menge Arbeit" vor sich zu haben.

Bei den Reifen beklagt der Tabellenführer einen hohen Abbau: "Die weichen Reifen bauen auf den Longruns schnell ab, auch gibt es Blasenbildung an den Hinterreifen. Aber auch auf dem Medium-Reifen gibt es einen überraschend hohen Abbau." Hamilton hingegen glaubt, mit beiden Reifentypen gut zurechtzukommen. Die Überhitzungserscheinungen speziell beim weichen Reifen, unter denen insbesondere Rosberg am Freitag litt, sollten aufgrund der kühleren Bedingungen für den Rest des Wochenendes keine Rolle mehr spielen.

Mercedes fuhr am Freitag übrigens nur mit dem weichen und mittelharten Reifen; den ganz harten klammern die Silberpfeile komplett aus. "Unsere Pace auf diesen beiden Mischungen mit wenig und viel Benzin an Bord sieht relativ ermutigend aus", sagt Paddy Lowe. Ist Mercedes in Brasilien allein auf weiter Flur? Beide Fahrer wollen die Rechnung nicht ohne Red Bull machen. "Heute Morgen waren sie dran, heute Nachmittag weiter weg, das ist wirklich komisch", wundert sich Rosberg. Abschreiben will die Bullen aber selbst Lewis Hamilton nicht.