Mercedes: Erst "Tritt in den Hintern" machte Kernproblem des W13 deutlich

Mercedes-Technikchef Mike Elliott sagt, dass die Rückschläge zur Mitte der Saison ein "Tritt in den Hintern" waren, um das wahre Problem des W13 zu erkennen

(Motorsport-Total.com) - Die diesjährige Formel-1-Saison von Mercedes gleicht einer Achterbahnfahrt. Kämpfte der erfolgsverwöhnte Hersteller unter dem neuen technischen Reglement für 2022 zunächst mit dem sogenannten "Porpoising", schien ein umfangreiches Upgrade-Paket in Barcelona die erhoffte Abhilfe zu schaffen.

Titel-Bild zur News: George Russell

Die echten Kinderkrankheiten des W13 offenbarten sich für Mercedes spät Zoom

George Russell wurde Dritter und Lewis Hamilton kam trotz eines Zwischenfalls in der ersten Runde, der ihn ans Ende des Feldes zurückwarf, auf den fünften Platz. Dieses Ergebnis brachte das Team zu der Überzeugung, das Problem gelöst zu haben.

Hamilton sagte damals, dass die Lösung des Problems einen "Hoffnungsschimmer" für die Saison von Mercedes darstelle, während Teamchef Toto Wolff sich sogar ermutigt fühlte, wieder in den Titelkampf gegen Red Bull und Ferrari einzusteigen.

Doch die Form von Mercedes nahm nach Barcelona keinen nennenswerten Aufschwung. Es folgten schwierige Rennen in Monaco und Aserbaidschan, die deutlich machten, dass die Probleme mit dem W13 wider Erwarten noch nicht behoben waren.

Ohne "Porpoising" offenbart sich wahres Problem

Erst das habe es dem Team ermöglicht, das eigentliche Kernproblem des Autos zu erkennen, wie Technikdirektor Mike Elliott in Suzuka jüngst verriet. "Die Probleme, die wir in das Auto quasi eingebaut hatten, konnten wir wegen des Hüpfens nicht sehen. Das Bouncing hat einfach alles dominiert", so Elliott.

"Als wir das in Barcelona in den Griff bekamen, hatten wir ein Paket, das einen erheblichen Unterschied machte, und wir dachten: 'Wir gehen in die richtige Richtung.' Dann bekamen wir in den nächsten beiden Rennen einen ordentlichen Tritt in den Hintern."

Der Ingenieur verwendet das Gleichnis einer Zwiebel. "Wenn man die nächste Schicht der Zwiebel abzieht, hat man ein anderes Problem. Und was zum Vorschein kam, war dasjenige Problem, das wir im Winter in das Auto eingebrannt hatten", erklärt der Brite.

"Seitdem haben wir verschiedene Schritte unternommen, um uns in die richtige Richtung zu bewegen, aber um das wirklich rückgängig zu machen, werden wir den Winter brauchen."

Doch schon mit den Veränderungen, die Mercedes am W13 vornahm, um das Problem zu lösen, konnte das Team näher an Red Bull und Ferrari an der Spitze des Feldes heranrücken. So holte Russell in Ungarn die Pole. Einen Sieg hatte die Marke in diesem Jahr bei nur noch vier ausstehenden Rennen aber nicht.


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Elliott: "Es braucht dann einige Zeit, um zu lernen"

Elliott betont, dass der Versuch, das bei den Vorsaisontests aufgetretene "Porpoising" zu beheben, durch die begrenzten Testmöglichkeiten erschwert wurde. Schließlich seien die Trainingssitzungen am Freitag dazu gedacht, sich auf das Wochenende vorzubereiten.

"Man hat also nur sehr wenig Zeit zum Testen", weiß der Technikchef. "Und es braucht dann einige Zeit, um zu lernen. Zugleich schaut man sich den Ansatz der Leute im Werk an."

"Uns wurde - vermutlich nach Baku - bewusst, dass es eindeutig ein anderes Problem gibt. Wir gingen die Daten und unsere Simulationen durch und fanden heraus, woran es lag. Aber die Zeit bleibt eben begrenzt. Es ist aerodynamisches Probleme und es braucht einfach Zeit, um es in den Griff zu bekommen."