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McLaren: Starker Auftakt mit Schönheitsfehler

Wieso die Laune bei McLaren trotz eines Fehlstarts in den Testwinter hervorragend ist und die Bestzeit von Jenson Button die Konkurrenz zum Stauen brachte

(Motorsport-Total.com) - Da staunte die Konkurrenz nicht schlecht: Kurz vor Ende des ersten Testtages brannte McLaren-Star Jenson Button mit 1:18,861 Minuten eine Topzeit in den Asphalt von Jerez und sicherte sich die Bestzeit. Damit war der Brite um fast eine Sekunde schneller als die erste Bestzeit des Vorjahres in Jerez, aufgestellt von Kimi Räikkönen. Der zweitplatzierte Mark Webber hatte schon 0,848 Sekunden Rückstand. Felipe Massa zeigte sich nach dem Erstkontakt mit dem neuen Ferrari F138 verblüfft von Buttons Fabelzeit und gab zu, dass die Bestmarke für ihn heute ganz klar außer Reichweite war.

Jenson Button

Jenson Button fühlt sich im neuen McLaren auf Anhieb wohl Zoom

"Ich weiß nicht, ob die Zeit für sie in Reichweite war, aber ich muss zugeben, dass ich selbst überrascht war, als ich es auf dem Display gesehen habe", gibt ein gut gelaunter Button nach dem Test zu. "Ich weiß selbst nicht, wie ich diese Zeit geschafft habe. Ich glaube, ich habe die Schikane am Ende abgekürzt", lacht er.

Er will in die Rundenzeit aber nicht zu viel hineininterpretieren: "Sie bedeutet nichts. Einige haben weniger Sprit im Auto als andere, und manche Leute haben viel weniger Sprit als andere. Also - wer weiß?" Zumal er keinesfalls von einem perfekten Testauftakt spricht. Schuld ist der Vormittag, denn McLaren startete mit einer Panne in den Auftakt der Wintertests.

Benzinpumpe legt McLaren lahm

Nach nur drei Runden blieb der Brite in Kurve vier mit einer defekten Benzinpumpe liegen und verpasste dadurch den Vormittag - fünf Stunden lang musste er warten. Eine bittere Pille, zumal er diesen Defekt bereits im Vorjahr beim Grand Prix von Abu Dhabi hatte und man dem Problem scheinbar noch nicht auf die Schliche gekommen ist.

"Frustrierend, aber dafür testen wir ja" Martin Whitmarsh

"Frustrierend, aber dafür testen wir ja", sagt Teamchef Martin Whitmarsh. "Natürlich hätte ich so ein Problem am liebsten gar nicht, aber wenn schon, dann gerne hier am ersten Tag als später während der Tests oder gar in einem Rennen." Das Problem erinnert an die hartnäckigen und mysteriösen Lichtmaschinendefekte bei Red Bull im Vorjahr, schließlich handelte es sich diesmal um eine brandneue Benzinpumpe mit brandneuem Design, und dennoch trat der Defekt erneut auf.

Durch die Probleme kam Button auf 37 Runden - nur Mercedes und Marussia haben weniger Umläufe auf dem Konto. "Es war ein sehr gemischter Tag", zieht Button ein ambilvantes Fazit. "Für uns war es ein kurzes Vergnügen, denn wir fuhren heute Morgen durch das Problem mit der Benzinpumpe nur drei Runden."

Vielversprechende Premiere des MP4-28

Am Nachmittag ging es dann vorrangig darum, dass Button ein Gefühl für seinen neuen Boliden entwickeln kann. "Wir haben FloViz-Farbe für die Aerodynamiktests verwendet", erzählt er vom üblichen Prozedere. Der erste Eindruck ist äußerst positiv: "Wir haben weder Short- noch Longruns auf unterschiedlichen Reifen gemacht. Was das Gefühl für das Auto angeht, war das ein schöner Start. Es gibt nichts Gröberes, was ein Problem darstellt. Höchstens die Sache heute Morgen könnte eines sein, aber nichts in Hinblick auf mein Gefühl im Auto. Die Basis stimmt also."

Jenson Button

Trotz des Defektes herrschte bei Jenson Button gute Laune Zoom

Doch wie groß ist das Potenzial des neuen Autos? Reicht es für Siege oder gar für den heißersehnten WM-Titel? "Die Frage, ob es ein titelfähiges Auto ist, wurde mir heute schon öfter gestellt", sagt Button. "Wer weiß das schon? Wenn wir zum ersten Rennen reisen, dann hat haben wir ein ganz anderes Auto, und das gilt für alle. Dann müssen wir zeigen, wie schnell wir sind. Für mich ist wichtig, dass das Auto mit den Erfahrungen im Simulator übereinstimmt. Das ist positiv."

Und auch die Sitzposition passt. "Ich habe noch nie zuvor einen ersten Test absolviert, der komfortabel lief", fällt Button auf. "Heute gab es diesbezüglich aber überhaupt keine Probleme." Der McLaren Pilot verwendet übrigens den gleichen Sitz wie im Vorjahr, nur die Sitzposition wurde etwas adaptiert: "Es gibt immer ein paar Dinge, die man ändern muss, denn das Auto ist anders als im Vorjahr - auch die Positionierung der Pedale und so weiter. Man muss hier und dort etwas verändern, aber das erledigen wir heute Abend."

Reifen sorgen nicht für rauchende Köpfe

Und auch der erste Eindruck von den neuen Pirelli-Reifen mit dem neuen Auto ist absolut positiv. Button verwendete die Mischungen Supersoft und Hard und hatte keine große Mühe, die Pneus auf Temperatur zu bringen - untypisch für die Wintertests in Spanien. "Heute Nachmittag hatten wir Streckentemperaturen im Bereich von 25 Grad, und wir haben die Reifen dabei zum Arbeiten gebracht", bestätigt er. "Das ist schön zu sehen, denn wir haben hier im Winter normalerweise immer Probleme - alle Teams."


Fotos: McLaren, Testfahrten in Jerez


Das könnte die Arbeit bei den kommenden Tests ungemein erleichtern: "Es ist für jedes Team eine bessere Aussicht, wenn man weiß, man kann sich auf das Auto und auf die Entwicklung konzentrieren und muss nicht herausfinden, warum die Reifen nicht funktionieren. Hoffentlich ist dieses Thema erledigt, und wir können uns auf die Entwicklung konzentrieren."

Als einziger Schönheitsfehler bleibt der Defekt an der Benzinpumpe. Doch Button relativiert das Problem und gibt sich philosophisch: "Manchmal macht es einem mehr Angst, wenn man bei den gesamten Testfahrten keine Probleme hat. Dann fährt man zum ersten Rennen, und plötzlich geht etwas schief." Im Vorjahr war die Zuverlässigkeit die Achillesferse von McLaren - das soll dieses Jahr anders werden: "Hoffentlich war es das für den Test."

Am Mittwoch übernimmt McLaren-Neuling Sergio Perez das Auto von Button. Durch den verlorenen Vormittag muss der Mexikaner die Aerodynamik- und Balance-Überprüfungsfahrten nachholen, ehe Longruns auf dem Programm stehen. Das Team überlegt zudem, den Tag zu Boxenstopptests zu nutzen.

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