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McLaren läuft die Zeit davon: 2018 mit oder ohne Honda?

Die Trennung von McLaren und Honda scheint immer wahrscheinlicher zu werden - Das Traditionsteam müsste allerdings möglichst schnell einen neuen Partner finden

(Motorsport-Total.com) - Die kommenden Wochen dürften vor allem für alle Fans von McLaren extrem spannend werden. Dann dürfte sich nämlich entscheiden, ob es für das Team aus Woking auch 2018 mit Motoren von Honda weitergeht - oder ob man das Projekt nach drei Jahren für gescheitert erklärt. McLaren-Geschäftsführer Zak Brown sprach im Vorfeld des Großen Preises von Kanada so konkret wie nie zuvor von einer Trennung. Das macht ein Aus der Partnerschaft am Ende des Jahres immer wahrscheinlicher.

Stoffel Vandoorne

Die McLaren-Honda-Ära ist vor allem von zahlreichen Pannen und Ausfällen geprägt Zoom

Allerdings ist das ganze Thema deutlich komplexer, als es auf den ersten Blick erscheint - alleine schon deshalb, weil McLaren mit Honda einen gültigen Vertrag besetzt. Der Kontrakt soll angeblich bis 2024 laufen, und weil nichts über eine Ausstiegsklausel bekannt ist, müsste zunächst einmal über eine Auflösung des Vertrags verhandelt werden - und das könnte für McLaren durchaus teuer werden.

Ohnehin spielt das Geld bei der ganzen Sache eine entscheidende Rolle, denn für einen Kundenmotor - beispielsweise von Mercedes - müsste McLaren einige Millionen überweisen. Honda zahlt hingegen sogar noch drauf und finanziert unter anderem auch die Fahrergehälter zu einem Teil mit. Finanziell wäre eine Trennung von Honda auf den ersten Blick - abgesehen von allen anderen monetären Faktoren - also ohne Frage ein Verlustgeschäft.

Neuer Tiefpunkt der McLaren-Honda-Ära

Trotzdem mehren sich die kritischen Stimmen aus dem McLaren-Lager. "Wir können so nicht weitermachen", stellt Rennleiter Eric Boullier im Gespräch mit 'Formula1.com' klar und ergänzt: "Wir können es uns nicht leisten, unsere Ziele permanent zu verpassen." Er erklärt: "Wir haben an diesem Wochenende ein Motorenupdate erwartet. Und all die Diskussionen, die es jetzt gibt, kommen daher, dass wir es nicht bekommen haben."


Fotos: McLaren, Großer Preis von Kanada, Sonntag


Die Situation sei "frustrierend" - was übrigens auch bei Honda nicht anders ist. "Natürlich sind sie mit der aktuellen Situation nicht glücklich", schildert Motorenchef Yusuke Hasegawa die Stimmung im Vorstand der Japaner. "Aber wir betrachten das als langfristiges Projekt", so Hasegawa. Honda scheint hier einen längeren Atem zu haben als McLaren, bei denen der Geduldsfaden nach fast drei Jahren langsam zu reißen scheint.

"Die Performance ist schlechter geworden", ärgert sich Boullier, dessen Team nach den ersten sieben Saisonrennen noch immer ohne einen einzigen WM-Zähler dasteht. Zum Vergleich: 2016 hatte man zum gleichen Zeitpunkt bereits 24 Zähler auf dem Konto, und selbst im absoluten Katastrophenjahr 2015 waren es immerhin vier Punkte. 2017 ist bisher ein neuer sportlicher Tiefpunkt von McLaren-Honda.

Trennung keinesfalls schon beschlossen

Trotzdem hat McLaren Honda - aus den bereits genannten Gründen - bisher noch nicht abgeschossen. Und möchte man Honda für 2018 "loswerden", wird die Zeit langsam knapp. Hintergrund: Die Teams werden ihre Arbeit in den kommenden Monaten bereits mehr und mehr auf die kommende Saison verlagern. Ein Motorenwechsel spät im Jahr würde McLaren daher vor große konzeptionelle Probleme stellen.


Fotostrecke: GP Kanada, Highlights 2017

Zwar hat beispielsweise Toro Rosso Ende 2014 bewiesen, dass es auch kurzfristig noch möglich ist, den Antriebspartner zu wechseln. Optimal ist dieses Szenario aber ganz sicher nicht. TV-Experte Martin Brundle erklärt bei 'Sky Sports F1', dass McLaren die Entscheidung "allerspätestens" bis September treffen müsse, um bei der Entwicklung des neuen Autos keinen zu großen Nachteil zu haben.

Wunschpartner dürfte ohne Frage Mercedes sein, auch wenn man das bei McLaren nicht öffentlich ausspricht, sondern nur von einem "Plan B" redet. Gespräche sollen bereits stattgefunden haben, in trockenen Tüchern scheint der Deal aber noch nicht zu sein, weshalb man auch noch nicht alle Brücken zu Honda verbrennen möchte. Gegenüber 'us.motorsport.com' sagt Boullier, dass es durchaus "realistisch" sei, noch einige Jahre mit Honda weiterzumachen.

Nächstes Update die letzte Chance für Honda?

Fakt ist aber auch, dass dafür so schnell wie möglich Ergebnisse her müssen. "Wir möchten unseren Fahrern ein Auto geben, mit dem sie um die vorderen Plätze kämpfen können", sagt Boullier und Zak Brown stellt klar: "Wir werden nicht noch eine weitere Saison wie diese haben." Zumal man sich dann auch mindestens einen neuen Fahrer suchen musste, denn Fernando Alonso wird nur bleiben, wenn man ihm für 2018 ein siegfähiges Auto garantieren kann.


Zu Ehren von Bruce McLaren: Eine Lärm-Minute

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Aber wie realistisch ist dieses Szenario? Boullier verrät, dass es "viele Treffen" mit Hasegawa und Honda gibt. Doch gelingt es den Japanern in den kommenden Wochen, McLaren davon zu überzeugen, auch 2018 an Bord zu bleiben? Das nächste Update, das eigentlich schon in Kanada kommen sollte, könnte so etwas wie die letzte Chance für Honda sein. Stellt sich auch dieses als weiterer Fehlschlag heraus, könnte McLaren endgültig die Reißleine ziehen.

"Das Update wird kommen - die Frage ist nur wann", erklärt Brown ungeduldig und Boullier ergänzt: "Wir müssen Fortschritte machen, und wir haben alle erwartet, dass wir in diesem Jahr näher am Podium dran sind - oder wenigstens nicht so weit weg." Er hoffe zwar, dass es mit Honda weitergeht, doch spätestens seit diesem Wochenende ist klar, dass sich McLaren auch anderweitig umschaut. Das müssen sie auch, denn in ein paar Wochen könnte es schon zu spät für einen Wechsel sein ...

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