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Max Verstappen geholfen? Die Wahrheit über die Tsunoda-Verschwörung

AlphaTauri wehrt sich gegen Vorwürfe, das kuriose Aus von Yuki Tsunoda in Zandvoort sollte Max Verstappen helfen - Kommissare finden Problem im Differenzial

(Motorsport-Total.com) - War der kuriose Ausfall von AlphaTauri-Pilot Yuki Tsunoda in Zandvoort gesteuert, um Max Verstappen zum Sieg zu verhelfen? Diese Gerüchte tauchten nach dem Formel-1-Rennen in den Niederlanden am vergangenen Wochenende auf. Nicht geholfen haben dabei die Aussagen von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff und einiger TV-Experten, die auch in die Richtung gingen.

Yuki Tsunoda (AlphaTauri AT03) im Formel-1-Rennen von Zandvoort 2022

Yuki Tsunoda sorgte mit seinem Aus in Zandvoort für Wirbel Zoom

Doch von vorne: Wir schreiben die 44. Runde in Zandvoort. Max Verstappen führt mit 16 Sekunden vor Lewis Hamilton und 19 Sekunden vor dessen Mercedes-Teamkollegen George Russell, die auf den Positionen drei und vier liegen. Verstappen muss allerdings noch einmal zum Boxenstopp herein, bei dem er hinter die Mercedes fallen würde, die durchfahren wollen.

Doch in dem Moment bleibt Yuki Tsunoda auf der Strecke stehen und löst eine gelbe Flagge aus. "Die Reifen sind nicht fest", beschwert er sich. Noch passiert allerdings nicht viel, denn der Japaner kann das Auto wieder starten und zurück an die Box fahren, weil das Team ihm mitteilt, dass mit den Reifen alles in Ordnung sei.

In der Box werden die Reifen gewechselt und Tsunoda wieder festgeschnallt, der die Gurte bereits gelockert hatte. Tsunoda wird wieder rausgeschickt, nur um wenige Meter später doch wieder stehenzubleiben. Durch das virtuelle Safety-Car konnte Verstappen seinen Reifenwechsel absolvieren, ohne hinter die beiden Mercedes zurückzufallen.

Wolff war nach dem Rennen "sprachlos" darüber, weil er glaubte, dass Mercedes das Rennen ohne das virtuelle Safety-Car hätte gewinnen können. Und er deutete im 'ORF' an: "Die Verbitterung wäre sehr groß, wenn wir um eine Meisterschaft fahren würden. Dann denkst du dir natürlich auch: Gestern fährt [Sergio] Perez ins Kies und heute steht Tsunoda draußen geparkt."

AlphaTauri: "Inakzeptabel", "unwahr", "respektlos"

Schnell machte die Verschwörung ihre Runde in den sozialen Medien. Vor allem Red-Bull-Chefstrategin Hannah Schmitz geriet dabei ins Visier und wurde Zielscheibe von Hasskommentaren, weil sie zu dem Zeitpunkt schmunzelnd am Kommandostand eingeblendet wurde.

AlphaTauri sah sich am Montagnachmittag zu einer Stellungnahme gezwungen und verurteilte die Kommentare gegen Schmitz und das eigene Team. "Solch ein hasserfülltes Verhalten kann nicht toleriert werden, und Anschuldigungen über unehrliches Vorgehen sind inakzeptabel, unwahr und sowohl Hannah als auch uns gegenüber völlig respektlos", teilt das Team mit.

Der Rennstall weiter: "Wir sind immer unabhängig, fair und mit dem höchsten Maß an Respekt und Sportlichkeit angetreten. Yuki hatte einen Schaden, den das Team nicht unmittelbar entdeckt hat, durch den er auf der Strecke stehenblieb. Irgendetwas anderes zu behaupten, ist beleidigend und kategorisch falsch."

Tsunoda "driftet" auf den Geraden

Tsunoda versucht zu erklären, wie es zu dem kuriosen Vorfall kommen konnte: "Ich dachte, dass es ein Problem gab. Für mich war das ziemlich offensichtlich, vor allem hinten links", so der Japaner. "Der Ingenieur hat mir gesagt, dass ich anhalten soll, aber wir haben in den Daten kein Problem gesehen. Darum sind wir für neue Reifen an die Box gefahren."

"Aber danach haben wir in den Daten ein eindeutiges Problem gesehen, und darum haben wir angehalten", sagt Tsunoda.

In seiner Pressemitteilung schrieb der Rennstall nach dem Rennen nur von einem "Problem mit dem Auto", das man analysieren möchte. Einen genauen Grund hat man noch nicht verkündet, doch in einem Schreiben der FIA-Kommissare ist von einem Problem mit dem Differenzial die Rede.

Tsunoda bemerkte, dass "nur ein Rad Wheelspin" hat. "Ich bin auf der Geraden gedriftet und musste auf den Geraden gegenlenken", sagt er. Darum hatte er auch vermutet, dass ein Reifen nicht richtig festgezogen sei. Doch als das Problem nach dem Reifenwechsel erneut auftrat, war klar, dass etwas nicht stimmen konnte.

Tsunoda: Gridstrafe in Monza

Für Tsunoda hat die Sache allerdings noch ein Nachspiel. Denn nach seinen Kommentaren über einen nicht angezogenen Reifen leiteten die Kommissare eine Untersuchung ein, denn das Auto in unsicherem Zustand auf die Strecke zu schicken, wird nicht gerne gesehen und zieht eine Strafe nach sich.

"Die Untersuchung der Kommissare führte zu dem Schluss, dass es ein Problem mit dem Differenzial gab. Darum war das Auto auch nicht in einem unsicheren Zustand, als es seine Boxenposition verlassen hatte", heißt es seitens der FIA.

Allerdings monierten die Kommissare, dass Tsunoda bereits seine Gurte gelockert hatte und damit an die Box fuhr. Weil man aber nicht feststellen konnte, in welchem Maß die Lockerung vorgenommen wurde, blieb es bei einer Verwarnung. Aber: Weil das schon Tsunodas fünfte in dieser Saison ist, wird er in Monza eine Gridstrafe von zehn Startplätzen erhalten.

Was gegen eine Verschwörung spricht

Die Bestätigung der FIA, dass es ein Problem am Auto gegeben hat, dürfte den Verschwörungstheorien den Nährboden nehmen. Zudem parkte Tsunoda sein Auto direkt vor einer Tasche, wo man das Auto noch am leichtesten wieder von der Strecke entfernen kann.

Was auch gegen ein absichtliches Aus spricht: AlphaTauri befindet sich in einem engen Kampf mit Haas und Aston Martin um den siebten WM-Rang, bei dem die Team jeweils maximal fünf Punkte voneinander getrennt sind (zur Konstrukteurswertung).


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Warum sollte der Rennstall einen Fahrer opfern, der vor seinem Boxenstopp in den Punkten lag, um Max Verstappen zu helfen, der in der WM ohnehin weit vorne ist und das Rennen vermutlich auch ohne das virtuelle Safety-Car gewonnen hätte? Das musste nämlich auch Wolff nach dem Rennen zugeben.

"Ohne das virtuelle Safety-Car hätten wir vielleicht eine 50-prozentige Chance gehabt, weil Max knapp zehn Sekunden hinter uns rausgekommen wäre", meint Wolff. "Hätten wir es gewonnen? Wahrscheinlich nicht."