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Marko: "Vettel hat den letzten Kritikern das Maul gestopft"

Laut Helmut Marko hat Vettel die letzten Zweifel an seiner Zweikampfstärke beseitigt - Tatsächlich gab es in den letzten 25 Jahren nur eine vergleichbare Aufholjagd

(Motorsport-Total.com) - Trotz zwei Fahrfehlern zeigte Sebastian Vettel in Abu Dhabi ein furioses Rennen: Der Weltmeister musste nach der Spritpanne im Qualifying von ganz hinten starten - das Team entschied sich schließlich für einen Start aus der Boxengasse, damit man den RB8 so umbauen konnte, dass Vettel auf der Geraden eine bessere Höchstgeschwindigkeit erreicht und trotz des nicht gerade als Kraftpaket bekannten Renault-Motors überholen kann.

Romain Grosjean, Sebastian Vettel

Romain Grosjean bot bei Sebastian Vettels Aufholjagd heftige Gegenwehr Zoom

Was Vettel dann darbot, war eine fantastische Aufholjagd: Mit insgesamt 32 Überholmanövern schob er sich vom 24. auf den dritten Platz nach vorne - am Ende fehlten nur 4,163 Sekunden auf den Sieg. Insgesamt machte er im Rennen also 21 Positionen gut. Damit liegt er in der ewigen Bestenliste der Formel 1 auf Platz 20.

Nur Danner vollbrachte in den letzten 25 Jahren ähnliches

Das liegt aber vor allem daran, dass das 500-Meilen-Rennen im Oval von Indianapolis, wo Überholmanöver deutlich einfacher sind, in den Anfangsjahren zur Formel-1-WM zählte. Untern den Top-20-Aufholjagden der Geschichte befinden sich zehn Indy-500-Rennen - den Rekord stellte der US-Amerikaner Jim Rathmann auf, der sich 1975 von Platz 32 auf Platz zwei nach vorne kämpfte und damit 30 Positionen gutmachte.

Doch auch bekannte Formel-1-Piloten finden sich unter den Top 20, zum Beispiel Ronnie Peterson (13., March/USA 1972: von 26 auf vier), Christian Danner (13., Rial/USA 1989: von 26 auf vier), Vittorio Brambilla (15., March/Belgien 1974: von 31 auf neun), John Watson (17., McLaren/USA-West 1983: von 22 auf eins), Niki Lauda (18., McLaren/USA-West 1983: von 23 auf zwei) und Emerson Fittipaldi (19., Copersucar/USA-West 1980: von 24 auf drei).

Marko schießt gegen Vettel-Kritiker

Helmut Marko (Red-Bull-Motorsportchef)

Helmut Marko zeigt sich von Vettels Leistung begeistert Zoom

Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko fühlt sich nach Abu Dhabi einmal mehr in Vettel bestätigt. "Jetzt sollte Seb auch den Leuten das Maul gestopft haben, die immer noch behaupten, er könne nicht überholen!", schießt der Österreicher gegenüber 'Sport Bild' gegen die Kritiker des Weltmeisters. So hatte ihn Martin Whitmarsh nach einem verunglückten Überholversuch an Jenson Button 2010 noch als "Crash-Kid" bezeichnet - auch die Medien fielen damals über den Youngster her. Doch schon dieses Jahr machte Vettel in Spa-Francorchamps seinen Frieden mit der damaligen Unfallstelle vor der Bus-Stop-Schikane, als er dort einen Rivalen nach dem anderen ausbremste.

In Abu Dhabi bot er eine weitere Kostprobe seiner Fähigkeiten im Zweikampf. Die einzigen Schönheitsfehler waren die Kollision mit Bruno Senna in der Anfangsphase, bei der er sich den Frontflügel beschädigte, und der Beinahe-Auffahrunfall mit Daniel Ricciardo in der Safety-Car-Phase, was ihn schließlich dazu zwang, einen verfrühten Boxenstopp einzulegen und den Flügel zu wechseln. Dadurch musste er zwei Mal an den Hinterbänklern vorbei und kam so auf eine beachtliche Zahl an Überholmanövern. Doch Vettel hatte mit den zwei Safety-Car-Phasen auch Glück, weil sein Rückstand auf die Spitze immer wieder zusammenschmolz.

Vom "jungen Bullen" zum "ausgewachsenen Stier"

Jenson Button, Sebastian Vettel

Nach diesem missglückten Überholversuch musste sich Vettel 2010 Kritik anhören Zoom

Dennoch hätte man bei Red Bull nicht mit diesem Ergebnis gerechnet - Vettel lag am Ende direkt hinter Titelrivalen Fernando Alonso, der das gesamte Rennen an der Spitze mitgefahren war. "Das war eine tolle Performance", lobt David Coulthard gegenüber 'Gulf News' seinen Red-Bull-Nachfolger. "Bei Red Bull glaubte man, dass es sich mit den Punkten nicht ausgehen würde, denn sie wissen, wie schwierig es ist, in Abu Dhabi zu überholen. Natürlich ist in der Formel 1 alles möglich, aber es wäre meiner Meinung nach eine gute Leistung gewesen, überhaupt in die Punkte zu kommen."

Marko schreibt das tolle Ergebnis auch der Reife Vettels zu. Der 25-Jährige werde "unter Druck immer besser und steigert sich meistens noch mal in der zweiten Saisonhälfte, wenn es um die Entscheidung geht. Das funktioniert nur, wenn man psychisch so unglaublich stark ist wie Vettel, denn letztendlich wird ein Titel im Kopf entschieden", meint er. In der Red-Bull-Ära sei "aus einem jungen Bullen ein ausgewachsener Stier geworden."