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Mark Webber: Starts sind Lewis Hamiltons WM-Erfolgsrezept

Mark Webber sieht Lewis Hamilton als klaren WM-Favoriten - "20 Zentimeter weiter wäre die Kacke am Dampfen gewesen," rechtfertigt sich Nico Rosberg gegen Kritiker

(Motorsport-Total.com) - Einen WM-Punkt trennen Nico Rosberg und Lewis Hamilton in der aktuellen WM-Wertung. Für Ex-Formel-1-Fahrer Mark Webber hat der zuletzt in Silverstone siegreiche Hamilton langfristig die Nase vorn.

Lewis Hamilton, Nico Rosberg, Mark Webber, Sebastian Vettel

Mark Webber (rechts) sieht Nico Rosberg nicht als WM-Favorit Zoom

Der Australier glaubt fest an den vierten WM-Titel des Briten: "Ich sehe zwei Schlüsselfaktoren. Einer ist Lewis' Konzentration. Wenn er so konzentriert bleibt, dann fährt er auf einem phänomenalen Niveau. Das ist für Nico gefährlich. Und das andere sind die Starts. In Österreich hat Lewis zum ersten Mal einen Start von der Pole gut hinbekommen. Silverstone hat er ja durch das Safety-Car quasi geschenkt bekommen. Wenn er weiterhin Poles holt, muss er nach der ersten Runde vor Rosberg in Führung sein. Darauf kommt es an."

"Wenn du nach der ersten Runde nicht führst, hast du ein Problem, denn dann kann der Führende beim ersten Boxenstopp die Strategie diktieren. Wenn Lewis diese zwei Schlüsselfaktoren meistert, dann wird er sehr schwer zu schlagen sein," prognostiziert Webber das WM-Duell.

"Lewis ist die Messlatte, mein Ansporn"

Nach den Kollisionen stand der gebeutelte Rosberg meist am Pranger, wogegen Hamilton trotz harter und aggressiver Fahrweise eher als Sieger aus den Teamduellen hervorging. Dass dem Deutschen die Abgebrühtheit auf der Rennstrecke fehle, lässt Rosberg gegenüber dem 'ZEITmagazin' aber nicht gelten: "Ohne Kampfgeist und Biss hätte ich nicht so viele Rennen gewonnen und wäre nicht Zweiter in der Weltmeisterschaft geworden, da gibt's nur einen, der besser war. Lewis ist die Messlatte, mein Ansporn," rechtfertigt sich der Mercedes-Fahrer gegenüber seinen Kritikern.

Die Fahrer haben auf der Strecke kaum Zeit zum Überlegen, daher ist die perfekte Hand-Augen-Koordination beim schnellen Fahren extrem wichtig. "Das kann man kaum üben, deshalb mache ich Liegestütze und spiele gleichzeitig Memory," verrät Rosberg sein Geheimrezept. "In den Duellen mit Lewis habe ich zweimal den Kürzeren gezogen. Aber so etwas ist eine hohe Kunst, du tanzt am Limit. Er hat das sehr weit getrieben, als er mir einmal in die Reifen gefahren ist. 20 Zentimeter weiter, dann wäre die Kacke am Dampfen gewesen," kritisiert Rosberg seinen Teamkollegen.


Fotostrecke: Turboauftakt garantiert WM-Titel

Zwar hätten sich die beiden Mercedes-Streithähne zuletzt am (heimischen) Pool ausgesprochen, der Frieden hielt aber nicht lange, zum Ärgernis von Harmoniemensch Rosberg: "Privat strebe ich an, ein besserer Mensch zu sein und für das Wohlempfinden der Menschen um mich herum zu sorgen. Ich möchte Erfolg, aber ich will den Respekt nicht verlieren und dafür keine Grenzen überschreiten. Man muss die Grauzone geschickt ausnutzen. Und da kann ich mich natürlich immer verbessern."

Nicht auf Augenhöhe mit Ayrton Senna und Alain Prost?

Seit Monaten dominieren die beiden Mercedes-Fahrer die Formel 1 und schenken sich dabei gegenseitig nichts. Eine Parallele zu den Formel-1-Legenden Ayrton Senna und Alain Prost sehe Eddie Irvine aber nicht, wie er im Videointerview exklusiv bei uns verrät: "Ich finde nicht, dass Nico und Lewis Senna und Prost sind. Die beiden waren vielleicht die besten Fahrer, die wir in der Formel 1 je hatten. Oder sagen wir zwei der drei besten Fahrer, denn wahrscheinlich würde ich Schumacher als Besten sehen, Senna als Zweitbesten. Aber meine Top 3 wären Senna, Schumacher und Prost. Die waren auf einem ganz anderen Niveau als alle anderen."

"Jetzt sehe ich Lewis und Rosberg und ich sehe nur zwei Kids, die mit ihren Rennautos spielen." Eddie Irvine

Im Gegensatz zu Senna und Prost seien Rosberg und Hamilton kein Vorbild für den Vizeweltmeister von 1999: "Als ich ein Junge war und Senna und Prost gefightet haben, habe ich zu den beiden erwachsenen Männern aufgeschaut. Jetzt sehe ich Lewis und Rosberg und ich sehe nur zwei Kids, die mit ihren Rennautos spielen. Da hat sich meine Perspektive geändert. Aber ich sehe da keine Parallelen. 1988 war eine der besten Saisons überhaupt. Dass Ron Dennis die beiden ins selbe Team geholt hat, war einfach erstaunlich. Kaum war ein Rennen vorbei, saß ich da und habe die Stunden bis zum nächsten Grand Prix gezählt. Es war so intensiv! Ich weiß nicht, ob das nur Nostalgie ist, aber für mich ist das heute keine Senna-Prost-Situation. Ich fühle es nicht," verrät Irvine.