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Maria Teresa de Filippis: Die erste Frau in der Formel 1

Maria Teresa de Filippis nahm 1958 als erste Frau an einem Formel-1-Rennen teil - Ihre Karriere war kurz, doch ihren Platz in den Geschichtsbüchern hat sie sicher

(Motorsport-Total.com) - Aktuell besteht das Fahrerfeld der Formel 1 aus 20 Männern. Zwar gibt es mit Susie Wolff bei Williams auch eine Testfahrerin, die immerhin auch schon an einigen Trainings teilnehmen durfte, auf einen Start bei einem Rennen wartet sie bisher allerdings noch immer. Dabei ist es mittlerweile schon 57 Jahre her, dass erstmals eine Frau bei einem Formel-1-Rennen an den Start ging. Der Name der Dame: Maria Teresa de Filippis (Maria Teresa de Filippis in unserer Formel-1-Datenbank).

Maria Teresa de Filippis © LAT
Maria Teresa de Filippis scheiterte 1958 in Monaco an der Qualifikation

Die heute 88-jährige Italienerin bringt es in ihrer Karriere in der Königsklasse auf drei Rennen und zwei weitere Grand-Prix-Teilnahmen, bei denen sie allerdings an der Qualifikation scheiterte. Obwohl sie also nur kurz ein Teil der Formel 1 war, ist de Filippis Vorreiterin. Doch der Weg in die Königsklasse war ein langer für die Frau, die als Teenager eher an Pferde- als an Autorennen interessiert war.

"Mein erstes Rennen fuhr ich 1948. In meinem zweiten Rennen gewann ich einem Fiat Topolino meine Kategorie", erinnert sich die 1926 in Neapel geborene Italienerin im Gespräch mit 'The Red Bulletin' zurück. Bei ihrem ersten Rennen war sie bereits 21 Jahre alt. In der heutigen Zeit, in der mit Max Verstappen ein gerade einmal 17-Jähriger bereits in der Formel 1 fährt, erscheint das als extrem hohes Alter für einen Rookie.

Der Weg in die Formel 1

"Natürlich gab es Vorurteile und Sätze wie: 'Was macht diese Frau hier?'", berichtet de Filippis weiter. "Aber zwischen 1949 und 1953 sammelte ich in einem Fiat Giannini einige Siege. 1954 wurde ich im Giro di Sicilia Zweite. Zu diesem Zeitpunkt wurde Maserati auf mich aufmerksam und 1955 gaben sie mir ein Werksauto. Ich konnte ihre Erwartungen erfüllen."

"Ich wurde Neunte in der Targa Florio und Dritte bei den 10 Stunden von Messina in einem Maserati A6GCS. 1956 fuhr ich die Mille Miglia, die 1.000 Kilometer von Monza und die 1.000 Kilometer von Buenos Aires, bei denen ich einen Unfall hatte. Bis 1958 hatte ich mir im Motorsport einen Namen gemacht. Mein Spitzname war 'Pilotina'", erinnert sich de Filippis an ihren Weg von Langstreckenrennen in die Formel 1 zurück.


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1958 war es dann soweit. Nach zehn Jahren im Cockpit fühlte sich die Italienerin bereit für die Königsklasse. "Ich kaufte mir selbst einen Maserati 250F. Ich hatte Glück, dass ich mir einen leisten konnte. Der Maserati 250F war das Auto, in dem Fangio ein Jahr zuvor seine fünfte Weltmeisterschaft gewonnen hatte", erklärt die Italienerin. Ohnehin hatte sie zu Serienweltmeister Juan Manuel Fangio eine ganz besondere Beziehung.

"Natürlich gab es Vorurteile." Maria Teresa de Filippis

"Er nahm mich unter seine Fittiche", berichtet de Filippis und ergänzt: "Er warnte mich immer davor, solche Risiken einzugehen." Ihre Formel-1-Karriere stand allerdings gleich zu Beginn unter keinem guten Stern. Erstmals trat sie 1958 in Monaco an - und scheiterte prompt an der Qualifikation. "In Monaco hatte ich Probleme mit dem Motor", erinnert sie sich zurück.

Bittere Tränen in Monaco

Die Zielflagge sah sie in vier Anläufen 1958 lediglich einmal. "Beim Großen Preis von Europa in Spa-Francorchamps wurde ich Zehnte", berichtet de Filippis stolz. In Portugal und Italien folgten anschließend zwei Ausfälle. "In Monza war ich Fünfte, schied aber zwölf Runden vor dem Ende aus. Ende 1958 verkaufte ich den Formel-1-Maserati an Giorgio Scarlatti", so die Italienerin.


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Ihr bestes Ergebnis erzielte sie 1958 ausgerechnet in ihrer Heimat Italien. "Ich wurde beim Großen Preis von Syrakus auf einem gefährlichen Straßenkurs Fünfte", berichtet sie. Allerdings zählte das Rennen nicht zur Weltmeisterschaft, weshalb das Punktekonto der heute 88-Jährigen auf ewig leer bleiben wird. Einen letzten Anlauf in der Königsklasse unternahm sie 1959 - erneut in Monaco.

"Ich habe in meinem ganzen Leben nie geweint, aber damals habe ich geheult, als ich aus dem Auto ausstieg." Maria Teresa de Filippis

"Jean (Behra; Anm. d. Red.) lieh mir in Monaco seinen eigenen Formel-2-Porsche. Ich konnte mich in der allerletzten Runde qualifizieren, aber die Rennkommissare akzeptierten meine Zeit nicht. Es war einzig eine politische Entscheidung, weil sie den Ferrari-Piloten Cliff Allison in die Startaufstellung bringen wollten. Ich habe in meinem ganzen Leben nie geweint, aber damals habe ich geheult, als ich aus dem Auto ausstieg", erinnert sich de Filippis an einen der bittersten Momente ihrer Karriere zurück.

Karriereende mit 32 Jahren

Trotzdem war die verpasste Qualifikation nicht die schwärzeste Stunde in der Laufbahn der Italienerin. "Ich verlor zwei meiner engsten Freunde", erinnert sich die Italienerin in ihre aktive Zeit zurück, in der auch die Formel 1 regelmäßig Todesfälle zu verzeichnen hatte. "1958 starb Luigi Musso bei einem Unfall in Reims und 1959 verlor ich Jean Behra", so de Filippis.


Fotos: Susie Wolffs Formel-1-Premiere


Der Tod ihres engen Freundes war letztlich auch ausschlaggebend dafür, dass de Filippis ihre Karriere im Alter von 32 Jahren beendete. "Ich war am 1. August 1959 im Urlaub, als ich im Radio hörte, dass Jean Behra bei einem Rennen auf der AVUS in Berlin in einem Porsche gestorben war. Ich war so schockiert, dass ich mich entschied, meine Karriere an diesem Punkt zu beenden", erklärt sie.

"Ich war so schockiert, dass ich mich entschied, meine Karriere zu beenden." Maria Teresa de Filippis

Trotzdem hat sich de Filippis mit ihrer kurzen Karriere für immer einen Platz in den Geschichtsbüchern der Formel 1 gesichert. Nach der Italienerin versuchten sich bis heute noch einige weitere Pilotinnen in der Königsklasse, der ganz große Durchbruch gelang bisher allerdings keiner Frau. De Filippis ist allerdings optimistisch, dass sich das eines Tages ändern wird. Ihr Motto: "Frauen können alles, was auch Männer können."

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