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Marc Surer: Lewis Hamilton kann mit schlechten Autos nicht umgehen

Lewis Hamilton kämpfte in den ersten Rennen mit dem Mercedes W15 - Marc Surer glaubt, dass er "ein Problem hat, wenn das Auto nicht das macht, was er will"

(Motorsport-Total.com) - In seinem letzten Jahr bei Mercedes hat Formel-1-Rekordweltmeister Lewis Hamilton mit dem W15 zu kämpfen, während Teamkollege George Russell an den ersten drei Rennwochenenden der neuen Saison deutlich besser zurechtkam. "Wenn das Auto nicht gut ist, dann fährt der Russell besser, weil der musste sich ja mit diesem Williams jahrelang durchprügeln, mit einem relativ schlecht liegenden Auto", glaubt Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer.

Titel-Bild zur News: Lewis Hamilton kämpft mit seinem Mercedes W15

Lewis Hamilton kämpft mit seinem Mercedes W15 Zoom

Zur Erinnerung: Vor seinem Wechsel zu Mercedes fuhr Russell drei Jahre lang im unterlegenen Williams. Trotzdem setzte er einige Highlights, insbesondere mit dem zweiten Startplatz beim Großen Preis von Belgien 2021. Ein Jahr später, in seinem ersten Jahr bei Mercedes, feierte der Brite in Brasilien direkt den ersten Sieg, während Teamkollege Hamilton in der kompletten Saison sieglos blieb.

Der bisher letzte Sieg des siebenfachen Weltmeisters beim Saudi-Arabien-Grand-Prix im Dezember 2021 liegt mittlerweile fast zweieinhalb Jahre zurück. Dass es zuletzt nicht mehr läuft, liegt vor allem am Auto, glaubt Surer. "Lewis hat halt immer nur die besten Autos gefahren. Das heißt, wenn das Auto nicht das macht, was Lewis will, dann hat er ein Problem", sagt der Schweizer. "Und genauso ist es im Moment wieder."

"Und der Russell kann halt mit Kompromissen leben, so wie ein Alonso", lobt Surer im aktuellen Video auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de. "Das sind so Leute, die sich einfach aufs Auto einstellen können. Der Lewis kann das nicht. Aber erinnere dich: Ende letztes Jahr, als das Auto besser wurde, da war der alte Lewis plötzlich wieder zurück."

Surer: Hamilton ist "vielleicht verwöhnt"

Während Fernando Alonso und Michael Schumacher mitunter auch in unterlegenen Autos siegfähig waren, scheitert es bei Hamilton meist am Material. "Das ist genau seine Schwäche", sagt Surer. "Dass er einfach vielleicht verwöhnt ist. Er ist in der Formel 3, in der Formel 2 schon immer im besten Team gesessen, und das heißt, für ihn ist das völlig normal, dass sich das Auto genau so verhält, wie er sich das wünscht."

"Und wenn er mit dem Auto kämpfen muss, dann verliert er", spricht der ehemalige Formel-1-Fahrer die Schwäche des Rekordweltmeisters an. "Auf der anderen Seite: Wenn das Auto gut ist, dann wächst er ja über sich hinaus. Das ist dann wieder die Fähigkeit, den Gegner praktisch zu deklassieren. In dem Moment, wo das Auto genau so ist, wie du es haben willst."

Mit 39 Jahren gehört Hamilton mittlerweile zu den ältesten Piloten im Starterfeld - nur Alonso ist mit 42 Jahren noch älter. Sind die besten Jahre also schon vorbei? "Ja, natürlich", glaubt Surer. "Das, was wir vorhin bei Alonso gesagt haben, wird auch bei ihm der Fall sein. Irgendwann baut das ab vom puren Speed her."


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Ferrari-Verpflichtung als Motivationsschub?

Der Wechsel zu Ferrari könnte im kommenden Jahr aber noch eine Änderung bringen. "Sicherlich wird er dann nochmal eine Motivation bekommen, wenn er im Ferrari sitzt, weil er natürlich der Welt beweisen will, dass er mit dem Ferrari Rennen gewinnen kann", prophezeit Surer. "Aber grundsätzlich spricht einfach das Alter gegen ihn."

"Die Erfahrung hilft zwar im Rennen, und wenn wir ihn ja kennen, mit seinen Funksprüchen, er gibt ja extrem gute Informationen immer an das Team weiter", erinnert der Formel-1-Experte. "Es klingt manchmal nach Jammern, aber trotzdem: Die Informationen sind natürlich extrem wichtig."

"Also seine Erfahrung wird das sicherlich einbringen können", blickt Surer auf die kommende Saison hinaus, wenn Hamilton im Ferrari sitzen wird. "Aber der pure Speed, da denke ich auch, er wird ein paar Hundertstel oder Zehntel verlieren."