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Maldonados Triumph begeistert seine Landsleute

In Venezuela gibt es heute nur ein Thema: Der Formel-1-Sieg von Pastor Maldonado sorgt für seltene Einigkeit in dem zerrissenen Land

(Motorsport-Total.com) - Der Sieg von Pastor Maldonado beim Großen Preis von Spanien in Barcelona nicht nur für ihn persönlich der erste Sieg, vielmehr war es auch der erste Sieg eines Venezolaners in der Formel 1. Allerdings ist er auch erst der dritte Pilot aus dem südamerikanischen Land, der bei einem Grand Prix an den Start geht. 1983 und 1984 war der frühere Motorradweltmeister und spätere DTM-Pilot Johny Cecotto in der Formel 1 gefahren, wobei er jedoch nicht über einen sechsten Platz hinauskam. 1960 trat Ettore Chimeri bei einem Rennen an, welches er jedoch nicht beendete. (Alle venezolanischen Fahrer in der Formel-1-Datenbank)

Pastor Maldonado

Pastor Maldonados Sieg sorgt in Venezuela für Begeisterung

Nach dem historischen Triumph kennt der Jubel in seinem politisch zerrissenen Heimatland keine Grenzen. Zu den ersten Gratulanten gehörte Staatspräsident Hugo Chavez, der sich per 'Twitter' zu Wort meldete. "Ich sage es so: Unser Pastor Maldonado hat mit seinem Sieg Geschichte geschrieben. Bravo Pastor! Glückwunsch an dich und dein ganzes kämpferisches Team!", schrieb der Politiker und schloss den Tweet mit dem pathetischen Schlachtruf "Venceremos!" ("Wir werden siegen!").

Der Sozialist Chavez, der Venezuela seit 1999 regiert und gerade erst von einer Krebserkrankung genesen ist, unterstützt Maldonados Karriere bereits seit einigen Jahren. So bewilligte der Präsident persönlich die Sponsorenzahlungen des staatlichen Mineralölkonzerns PDVSA an Williams, die Maldonado Anfang 2011 den Einstieg in die Formel 1 wesentlich erleichterten. Unbestätigten Schätzungen zufolge sind bereits rund 70 Millionen Euro aus Venezuela nach Grove geflossen. Mehrmals trat Maldonado öffentlich an der Seite von Chavez auf.


Fotos: Pastor Maldonado, Großer Preis von Spanien, Sonntag


Auch Henrique Capriles, der bei den Präsidentschaftswahlen am 7. Oktober gegen Chavez antritt, gratulierte via 'Twitter'. "Fantastischer Maldonado! Glückwunsch an Pastor, Aragua (Maldonados Heimatregion, Anm. d. Red.) und ganz Venezuela zu diesem Triumph in der Formel 1. Lang lebe Venezuela", schloss der Politiker nicht minder pathetisch. Eine solche Einigkeit der beiden Politiker ist durchaus ungewöhnlich. Unter Chavez' Regentschaft kam es zu einer tiefen Spaltung der Gesellschaft in Venezuela, die sich auch auf die politische Kultur aufgewirkt hat. So bezeichnete Chavez seinen Konkurrenten in einer TV-Ansprache als "Minderwertigen" und "Schwein".

In den venezolanischen Medien ist der Sieg Maldonados heute das Thema Nummer eins. "Unser Hirte" lautete in Anspielung auf seinen Vornamen "Pastor" die Schlagzeile in der Tageszeitung 'El Universal'. "Er vereinigt die Nation mit einem Triumph in Spanien", schreibt das Blatt weiter. In der Hauptstadt Caracas kam es gestern zu spontanen Siegesfeiern, Fans zeigten Transparente mit der Aufschrift "Maldonado, der Stolz Venezuelas." Dieser war von der Unterstützung seiner Landsleute fast schon gerührt. "Ich kann mich sehr glücklich schätzen, ein ganzes Land hinter mir zu haben", so Maldonado.