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London-Gespenst spukt weiter durch die Formel 1

Während Silverstone wackelt, glauben viele, dass ein Grand Prix in London reizvoll, aber praktisch nicht machbar wäre

(Motorsport-Total.com) - Heute entscheidet das World Council der FIA darüber, ob in Silverstone auch 2005 ein Formel-1-Rennen stattfinden wird oder nicht. Unabhängig davon verstummen in Großbritannien aber jene Stimmen nicht, die Schumacher und Co. in ein paar Jahren in den Straßen Londons sehen wollen. Allerdings gibt es viele Skeptiker, die an der Machbarkeit des Projekts zweifeln.

Formel 1 in London

Im Juli fand in London eine Show-Veranstaltung der Formel 1 statt

Zwar hat Bürgermeister Ken Livingstone, der die Idee nach der Formel-1-Show in der Regent Street im Juli selbst ins Spiel gebracht hat, volle Unterstützung für derartige Pläne zugesagt, doch immer mehr Experten glauben, dass Grand-Prix-Sport in London keine Zukunft hat. Die größte Problematik ist das Verkehrsproblem, schließlich müsste die halbe Innenstadt abgesperrt werden, aber auch in Bezug auf die Streckenführung gibt es bisher nur sehr vage Vorschläge.#w1#

Moss hält London-Grand-Prix für eine "wundervolle Idee"

"Ich halte das für eine wundervolle Idee, sehe aber keine Möglichkeit dafür", teilte Formel-1-Legende Stirling Moss dem 'Guardian' zum Thema mit. "Von all den Routen für einen London-Grand-Prix denke ich, dass jene beim Hyde Park die beste ist. Es wäre eine fantastische Sache, aber wie gesagt, ich halte das nicht für durchführbar." Dieselben Bedenken haben auch die meisten unserer britischen Journalisten-Kollegen, die London kennen, angemeldet.

Ganz neu ist die Idee eines Formel-1-Rennens in London ja nicht - Innes Ireland hat dies schon in den 60er-Jahren vorgeschlagen. Damals und heute kann man laut Moss aber nicht vergleichen: "Früher konnte man mit den Autos problemlos auf einer normalen Straße fahren. Das einzige Problem, dass es gegeben hätte, wäre die Organisation des Publikums gewesen. Jetzt müsste man Schikanen einbauen, um die Geschwindigkeiten niedrig zu halten, und wo sollen die ganzen Transporter hin? Meiner Meinung nach ist Silverstone der einzig realistische Austragungsort."

Indes hat Clive Bowen, ein Motorsport-Berater, der auch an der neuen Rennstrecke in Dubai mitgewirkt hat, das East End als mögliches Areal in London vorgeschlagen. Nur: "Mir schaudert beim Gedanken an die Asphaltierungsarbeiten und die Auslaufzonen, die in der Park Lane notwendig wären." Es sei ein "spektakuläres" Projekt, fuhr Bowen fort, der gleichzeitig vorschlug, den Grand Prix dorthin zu verlegen, wo man ohnehin auch für Olympia 2012 renovieren müsste.

Buckingham Palace, Hyde Park, Piccadilly Circus, Trafalgar Square

Terence O'Rourke, ein Architekt mit Motorsport-Erfahrung, hat derweil ein aufregendes Streckenkonzept im Hinterkopf: "Die Mall runter, vor dem Buckingham Palace, wo eine Schikane wäre, vorbei, den Birdcage Walk rauf zum Hyde Park Corner, dann zu Piccadilly. Anschließend könnte man die Haymarket runterfahren, rund um den Trafalgar Square und wieder zurück zur Mall. Es wäre genügend Platz für Tribünen, aber ich tue mich schwer, die Boxen wo unterzubringen."

Bürgermeister Livingstone hat im Juli angekündigt, dass er den Grand Prix "auf jeden Fall" in die Tat umsetzen möchte, nämlich noch vor Ende seiner Amtszeit. Weil mindestens 18 Monate Vorlaufzeit einzuplanen sind, um die Organisation reibungslos abwickeln zu können, erscheint im Moment eine Formel-1-Premiere in London - falls überhaupt machbar - im Jahr 2007 am wahrscheinlichsten, schon davor könnte es aber nächstes Jahr eine weitere PR-Veranstaltung geben.