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Im Westen viel Neues: Techniktrends aus Austin

Auch in der Endphase der Saison rüsten die Teams die Autos weiter auf: Craig Scarborough nimmt die Neuerungen von Ferrari, McLaren und Lotus unter die Lupe

(Motorsport-Total.com) - Die Formel-1-Saison biegt auf die Zielgerade, doch auch in den USA präsentierten die Teams neue Entwicklungen bei Aerodynamik und Chassis. Viele dieser Entwicklungen werden erst beim Design für die nächste Saison zum Tragen kommen, doch Ferraris Heckflügel und die überarbeitete Nase von McLaren sind noch für dieses Jahr gedacht.

Ferrari untersuchte ein ganzes Paket technischer Updates. Einige davon sollen noch 2014 zum Einsatz kommen, andere erst 2015. Der neue Heckflügel verfügt über eine komplexe neue Endplatte. Diese hat ein flacheres Profil. Das Flügelprofil geht nun nicht mehr in die Endplatte über, sondern ist auf die schmalere Innenseite aufgesetzt. Zusätzlich befinden sich unter dem Flügelprofil neue Schlitze in der Endplatte. Diese leiten Überdruck nach außen und leiten die Luft unter die Flügelspitze. Das reduziert den Luftwiderstand, der durch Luftverwirbelungen an der Endplatte entsteht. Eine ähnliche Lösung wurde in dieser Saison auch schon von Red Bull eingesetzt.

Außerdem überarbeitete Ferrari am Auto von Kimi Räikkönen die Geometrie der Hinterradaufhängung. Dadurch soll die Traktion verbessert und der durch durchdrehende Räder verursachte Abbau der Reifen eingedämmt werden. Am Auto des Finnen waren im Freien Training zudem verschiedene Aerodynamik-Sensoren zu sehen. Ein Behälter an der Innenseite des Vorderrads enthielt Drucksensoren, welche den komplexen Luftfluss an der Innenseite des Vorderrads messen sollten.

Neue Nase bei McLaren

Nachdem McLaren bei den vergangenen Rennen einige Aero-Updates ausprobiert hatte, gab es auch in Austin ein weiteres kleines Update. Beim Finale in Abu Dhabi, wo doppelte Punkte vergeben werden, wird McLaren dann wahrscheinlich ein größeres Paket bringen.

Im Gegensatz zu Lotus handelte es sich beim Update der Nase um eine Lösung für das 2014er-Auto, weil das Nasenreglement für 2015 aufgeräumt wird. Die rüsselartige Verlängerung der Nase geht an den Unterseite nun in die dahinter liegende Crash-Struktur über. Dabei handelt es sich aber eher um einen Aufsatz als um eine neue Nase, sodass keine neuen Crashtests erforderlich sein sollten.

Bei der alten Nase hatte der Finger einen abgerundeten Übergang und ging unmittelbar in den keilförmige Nase dahinter über. Nun verfügt die Verlängerung über einen tropfenförmigen Übergang, der stromlinienförmiger sein sollte, da die Verkleidung weit unter die Oberseite der Nase reicht.

Lotus zeigt die neue Nase des Jahrgangs 2015

Lotus war das erste Team, das eine Nase einsetzt, die den Regeln für die Saison 2015 entspricht. Während des Freien Trainings testete das Team anstatt der charakteristischen Doppelzinken eine tief heruntergezogene, keilförmige Nase. Da Lotus die Nase nicht im großen Stil fahren konnte, wurde das Training dazu genutzt, Aerodynamik-Daten zu sammeln.

Die neue Nase war keilförmiger und tiefer als alle Nasen des Jahrgangs 2014 und weist in der Mitte des Frontflügels eine Spitze auf. Das ist die laut neuem Reglement kürzest zulässig Länge. Längere Nasen sind weiterhin erlaubt.

Lotus-Nase

Die neue Lotus-Nase war die auffälligste Neuerung in Austin. Zoom

Diese breite, flache Spitze befindet sich, wie in den neuen Regeln vorgeschrieben, zehn Millimeter oberhalb des Frontflügels. Dadurch wird sich der geringe Abstand zwischen Nase und Flügel zunutze gemacht, indem ein leicht zurückgezogenes seitliches Nasenprofil hinter dem vorderen Ende des Frontflügels entsteht, um einen Unterdruck-Bereich zu erschaffen, der für zusätzlichen Anpressdruck sorgt.

Ein weiteres Merkmal der Nase ist die steil abfallende Oberseite. Auch das ist den neuen Regeln geschuldet, nach denen sich die Crash-Struktur nicht oberhalb einer gedachten Linie zwischen Nasenspitze und Chassis befinden darf. Es ist jedoch Möglich, eine sogenannte Eitelkeits-Blende oberhalb dieser Linie anzubringen. Lotus hat jedoch einfach die Oberseite abgesenkt. Der abrupte Übergang ins Chassis erforderte eine neue Abdeckung an der Oberseite, die den Übergang geschmeidiger aussehen lässt.

Unter der Nase befand sich ein modifizierter Frontflügel. An der Doppelzinken-Nase war der Frontflügel an seiner Vorderkante befestigt. Bei der neuen Nase sind nun nach vorne gerichtete Träger notwendig, um die Halterungen zu erreichen. Diese wird man 2015 nicht mehr an der Nase sehen, vielmehr werden Halterungen zurück an die Hinterkante des Forntflügels wandern.

Da Lotus diese Nase im Freien Training fuhr, war ein Crashtest nötig. Da die Nase in diesem Jahr keinen Performance-Vorteil bringt, wird sie im Rennen wohl nicht zu Einsatz kommen, könnte aber noch im ein oder anderen Freien Training zu sehen sein.

Neues Lenkrad bei Force India

Nach der Einführung der neuen Antriebseinheiten erlaubte die FIA 2014 den Einbau komplexer LCD-Displays ins Lenkrad. Das machten viele Teams, doch Force India gehörte zu den Rennställen, die ihr Lenkrad nicht überarbeiteten und weiter auf die althergebrachten, einfacheren LED-Anzeigen setze.

Nachdem die Möglichkeiten, mit dem Fahrer über Boxenfunk zu kommunizieren in diesem Jahr beschnitten wurden und im nächsten Jahr weiter eingeschränkt werden, hat das Team das Lenkrad nun auch mit einem funktionaleren Display ausgestattet. Das liefert dem Fahrer nun statt des Boxenfunks Informationen, mit denen er die Einstellungen des Autos verbessern kann.

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