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  • 30.01.2014 · 22:42

  • von Roman Wittemeier & Dieter Rencken

Hohe Ziele bei Marussia: Q2 im Visier

Marussia ist von erheblichen Fortschritten zur Saison 2014 überzeugt: Der neue MR03 hat zwölf Monate Entwicklung im Windkanal hinter sich

(Motorsport-Total.com) - Marussia hat den Wettlauf gegen die Zeit gewonnen. Das kleine britisch-russische Team brachte am Donnerstag endlich den neuen MR03 auf die Teststrecke in Jerez auf die Bahn. Man drehte am ersten Tag mit dem neuen Auto - neuerdings mit Ferrari-Antrieb - mehr Runden als Weltmeister Red Bull. Im Team herrscht Erleichterung. Die höchsten Hürden auf dem Weg ins neue Formel-1-Jahr scheinen überwunden.

Max Chilton

Der Marussia-Ferrari MR03 feierte beim Jerez-Test sein Debüt Zoom

Auch die Einschreibegebühr ist mittlerweile von der Mannschaft überwiesen worden, das Sternchen des Vorbehalts hinter dem Namen in der FIA-Starterliste somit verschwunden. "Unsere Nennung ist bestätigt", bestätigt Teamchef John Booth. Es habe "normale" Verzögerungen im Winter gegeben. "Wir sind ein kleines Team, das zwischenzeitlich ein Problem im Cashflow hatte. So würde ich es mal erklären", berichtet der Brite auf entsprechende Nachfragen.

Im Gegensatz zu Lotus hat es Marussia nun geschafft, an den ersten Tests in Jerez teilzunehmen - wenn auch mit zweitägiger Verspätung. "Es war knapp und zwischenzeitlich gab es die Angst, dass wir es nicht rechtzeitig bis Jerez schaffen. Aber wir waren fest entschlossen, weil es enorm wichtig ist, in dieser Woche ein paar Runden zu fahren", sagt Booth. "Ich bin glücklich. Es war ein hartes Stück Arbeit bis hierher, aber mit dem Ergebnis bin ich zufrieden."

Fünf Runden in Jerez: Marussia hängt Red Bull ab

Der neue MR03 war erst am Mittwoch in Spanien angekommen. Am Folgetag warf man den Ferrari-Motor an und ließ Max Chilton fünf Installationsrunden fahren - kein Risiko beim ersten Auftritt. "Als ich gesehen habe, dass heute Morgen wieder ein paar Autos zerbröselt sind, da hatte ich bezüglich unserer Installationsrunden einige Sorgen. Wir sind durchgekommen, aber ein paar Systeme haben Alarm gegeben. Das schauen wir uns an und lösen es", erklärt der Teamchef.

"Wir sind fünf Installationsrunden gefahren. Leider ist uns am Ende die Zeit für einen gezeiteten Umlauf ausgegangen. Den hätten wir gern noch gemacht", sagt der britische Stammpilot, der in seine zweite Formel-1-Saison geht. "Wir sind immer aus eigener Kraft zurück an die Box gekommen. Das ist mehr als es manch anderen Teams gelungen ist", kann sich Chilton eine Breitseite gegen das Weltmeisterteam Red Bull nicht verkneifen.


Fotos: Marussia, Testfahrten in Jerez


"Zuverlässigkeit wird enorm wichtig sein. Wir hatten 2013 das zuverlässigste Auto im Feld. Das wollen wir nun auch wieder schaffen", so die Zielvorgabe von Booth. "Im vergangenen Jahr sind wir näher herangekommen bezüglich der Rundenzeiten. Jetzt geht es darum, auch mal Plätze gut zu machen. Wir wollen es aus eigener Kraft mehrmals ins Q2 schaffen. Das ist unser Ziel. Es ist sicherlich nicht leicht zu erreichen, denn es sind kluge Leute in der Formel 1 unterwegs, aber unser Ziel ist es trotzdem."

"Es ist unser erstes Auto, das eine umfassende Entwicklung im Windkanal hinter sich hat, bevor es gebaut wurde. Der Wagen von 2013 wurde fünf Monate im Windkanal entwickelt, unser neues Auto ein ganzes Jahr. Das sollte einige Fortschritte bringen", zeigt sich der Brite zuversichtlich. "Wir bekommen den gesamten Antrieb und das Getriebe von Ferrari. Die Zusammenarbeit funktioniert prächtig. Das Paket von Ferrari scheint gerade im Hinblick auf die Leistungsentfaltung sehr gut zu sein."

Bisher keinen Nachfolger für Symonds gefunden

"Wenn man den Werkswagen so fahren sieht, dann schaut das bestens aus. Dass wir das Paket komplett aus einer Hand bekommen, wird uns helfen", meint Booth. "Ein Kernpunkt der Tests in Jerez ist die Überprüfung der Kühlung. Die Erkenntnisse daraus fließen dann in weitere Entwicklungen für den Saisonstart ein." In der Firma in Banbury arbeiten die Fachleute bereits an weiteren Verbesserungen für den MR03.

"Wir werden bis Melbourne ein paar kleine Änderungen ans Auto bringen, aber nichts Großes. Wir arbeiten mit 190 Leuten und hatten genug Schwierigkeiten, es überhaupt bis Jerez alles fertig zu bekommen. Es laufen aber ein paar Versuche im Windkanal. Einige neue Teile werden wir mit nach Australien nehmen können", sagt Booth. Die Technikabteilung bei Marussia hat derzeit keinen führenden Kopf, nachdem Pat Symonds das Team in Richtung Williams verlassen hat.

Dave Greenwood hält als Chefingenieur das Zepter in der Hand. Die Frage, ob man einen neuen Technikdirektor als Nachfolger von Symonds holen werde, beantwortet Booth mit einem Wort: "Vielleicht." Der Brite erklärt: "Pat hatte großen Anteil an unserem Weg bis hierher. Das Designteam hat sich nach seinem Abschied nicht verändert. Wir sind derzeit sehr glücklich damit. Vielleicht holen wir einen Nachfolger für Pat, aber wir haben keine Eile."