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Hembery: Pirelli rüstet sich für die Zukunft

Pirelli konzentriert sich bereits auf die Reifen für die kommende Saison - Motorsportchef Paul Hembery gibt Einblick in die Planungen für die Zukunft

(Motorsport-Total.com) - Nicht nur die Teams bereiten sich bereits auf die kommende Saison vor, sondern auch Pirelli. Seit dem Comeback 2011 wird es für die italienische Firma das dritte Jahr als Alleinausrüster der Königsklasse sein. Ende 2013 läuft der Vertrag aus und es ist noch offen, ob Pirelli weiterhin in der Formel 1 bleiben wird. Derzeit deuten aber alle Anzeichen daraufhin. Noch steht aber die Saison 2013 ins Haus. Jeweils zu Saisonbeginn 2011 und 2012 musste sich Pirelli heftige Kritik anhören, denn für viele Bobachter spielten die Reifen eine zu große Rolle. Wie wird es im kommenden Jahr sein? "Dass das Reifenthema in diesem Jahr so groß war, lag zu großen Teilen in den Veränderungen an den Autos. Das wird es 2013 nicht wieder geben", ist sich Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery sicher.

Paul Hembery

Paul Hembery will den Teams die Setup-Arbeit erleichtern

Speziell das Verbot der vom Auspuff angeströmten Diffusoren hatte größere Auswirkungen als zunächst angenommen. Der Anpressdruck im Heck ist deutlich geringer als noch im Vorjahr, wodurch die Autos mehr rutschen und die Reifen anders beansprucht werden. Das Reglement bleibt für die kommende Saison stabil, weshalb Hembery nicht mit Überraschungen rechnet: "Die Autos werden sich zum kommenden Jahr nur geringfügig verändern. Unser Ziel ist es, den Teams die Arbeit in dem Sinne zu erleichtern, dass sie ihre Autos besser auf beide zur Verfügung stehenden Mischungen abstimmen können."

Und wie will Pirelli das bei zwölf verschiedenen Autos bewerkstelligen? "Uns stehen viele Möglichkeiten offen. Vieles wird davon abhängen, wo die Teams am Saisonende stehen. Dass sich die Autos von 2012 zu 2013 nicht dramatisch verändern werden, ist aus unserer Sicht natürlich prima. Wenn wir gewisse Tendenzen erkennen, die vielleicht zu konservativ sind, was die Boxenstopps angeht, dann könnten wir die Sache etwas aufpeppen."

"Generell werden wir wohl hergehen und versuchen, die Reifen bei ihrem Arbeitsfenster ein bisschen einfacher zu gestalten, um die Setuparbeit etwas zu erleichtern", spricht Hembery einen Kritikpunkt speziell der ersten Saisonhälfte an. "Wir wollen aber nicht den Durchschnitt von zwei bis drei Boxenstopps pro Rennen aufs Spiel setzen." Es bleibt ein schmaler Grat, weshalb die Reifen oft als "Schwarzes Gold" bezeichnet werden.

"Man darf nicht vergessen, dass wir nur vier Mischungen haben, um damit 20 verschiedene Rennstrecken abzudecken", spricht Hembery einen weiteren wichtigen Faktor an. "Es ist klar, dass hier (Singapur; Anm. d. Red.) eine der beiden Mischungen nicht optimal sein wird. In Bahrain funktionierte sogar gar keine perfekt. Für Bahrain bräuchte man ganz eigene Mischungen. Für uns käme es nicht teurer, wenn wir sechs oder acht verschiedene Mischungen hätten, aber das Regelwerk gibt dies nun einmal vor."

Regenreifen werden überarbeitet

Die größten Veränderungen wird es im kommenden Jahr bei den Regenreifen geben. "Wir werden noch einen dreitägigen Test auf nasser Strecke in Le Castellet durchführen, weil es ein paar Veränderungen am Regenreifen geben wird. Der Pneu soll weniger Aquaplaning zulassen, eine etwas weichere Struktur bekommen."

"Das Arbeitsfenster soll näher an jenem des Intermediates sein, mit dem eigentlich alle sehr zufrieden sind." In verregneten Freien Trainings herrschte kaum Fahrbetrieb, weil die Autos mit dem Unterboden aufschwammen. Die Reifen waren weniger das Problem, aber dennoch will Pirelli nachbessern. Der aktuelle Regenpneu verdrängt bis zu 60 Liter Wasser pro Sekunde.

Pirelli

Die Regenreifen erfahren die größte Überarbeitung von Pirelli Zoom

Auch bei den Reifenmarkierungen will man im Detail nachbessern. "Wahrscheinlich gibt es da nur eine Änderung", meint Hembery diesbezüglich. "Da müsst ihr schon abwarten. Diese Entscheidung wird von der Marketing-Abteilung getroffen. Wir werden wohl eine Farbmarkierung verändern. Überhaupt haben die Markierungen in diesem Jahr viel besser funktioniert. Du siehst genau, welche Pneus an welchem Auto montiert sind. Sehr viel wird da wahrscheinlich nicht passieren. Beschwerden gab es jedenfalls kaum. Sieht man einmal vom harten Reifen ab. Da meinten manche Beobachter, sie könnten ihn nicht erkennen."

Pirelli feilt also nur noch an Details. Es wurde auch schon mehrfach diskutiert, ob man die Dimension der Reifen verändern könnte und sie mehr an das Profil jener Reifen heranbringen könnte, die an den LMP1-Prototypen verwendet werden. Dieses Thema ist derzeit aber vom Tisch. "Die Dimensionen werden gleich bleiben. Es sieht auch so aus, als würde es 2014 in diesem Bereich keine Veränderungen geben. Die Teams müssen dann ohnehin schon mit vielen Neuerungen zurechtkommen", spricht Hembery das neue Reglement an.

Ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung sind die Reifen-Modelle für die Teams. Im Windkanal werden die Attrappen an die Prototypen für das kommende Jahr montiert. Diese Reifenmodelle sind für die aerodynamischen Berechnungen immens wichtig, weshalb Pirelli schon früh alle Eckpunkte festgelegt haben muss, um die Teams mit den korrekten Modellen zu beliefen. Das schürt natürlich Zeitdruck. "Ja, da gibt es einen gewissen Druck. Da müssen in der kommenden Woche mal Entscheidungen getroffen werden", sagt Hembery diesbezüglich.

Testauto ein Knackpunkt

Ein wichtiges Thema für Pirelli ist seit jeher das eigene Testauto. Nur damit können Simulationserkenntnisse auf die Strecke übertragen werden. Ist das Auto aber technisch - speziell beim Abtriebslevel - zu weit von den aktuellen Boliden entfernt, kann Pirelli unter Umständen nicht die passenden Pneus liefern. Derzeit hat man einen Renault aus dem Jahr 2010 zur Verfügung. Einen neueren Wagen wird man in absehbarer Zeit auch nicht bekommen.

"Das wird wohl kaum gehen", bedauert Hembery. Problematisch könnte es werden, wenn Pirelli auch über 2013 hinaus in der Formel 1 bleibt, denn "niemand hat ein Auto nach 2014er-Art vor 2014 fertig, aber wir müssen trotzdem testen. Es sieht so aus, als müsste der 2010er-Renault noch ein Jahr länger durchhalten." Bislang lief der Wagen auch zufriedenstellend. "Das Auto lief gut. Wir hatten einzig in der vergangenen Woche mal ein Problem mit einer Lichtmaschine. Das war schade, weil wir wichtige Testzeit verloren haben. Aber grundsätzlich war der Wagen bisher immer höchst zuverlässig."

Obwohl sich Pirelli derzeit auf die kommende Saison konzentriert, steht auch die Frage im Raum, was danach kommt. "Unser derzeitiger Vertrag endet nach der Saison 2013. Das ist der aktuelle Stand", sagt Hembery. "Bevor wir die Vertragsdinge nicht geklärt haben, können wir nur wenig über 2014er-Reifen sagen. Es gibt einige Ideen. Sicher ist, dass wir bei 13-Zoll-Reifen bleiben werden. Es könnte interessante Entwicklungen geben, die auch bezüglich des Einsatzes bei Straßen-Sportwagen relevant sind."

"Bei solchen Autos ist man bei den Reifen im Motorsportbereich unterwegs. Wir haben schon ein paar Dinge im GT-Sport ausprobiert, die heute an den neuen Sportwagen von Porsche und Ferrari Standard sind. Die Anforderungen sind hoch. Der neue Ferrari F12 hat über 700 PS, der neue Enzo wird 950 PS haben, der neue McLaren hat ebenfalls solche Power."

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