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Drama pur in São Paulo - Räikkönen ist Weltmeister!

Im spannendsten WM-Finale aller Zeiten sicherte sich Kimi Räikkönen mit einem Sieg den WM-Titel - Lewis Hamilton nach Problemen zu Beginn nur Siebenter

(Motorsport-Total.com) - Das Jahr eins nach Michael Schumacher in der Formel 1 ist vorbei - und das heutige WM-Finale in Interlagos bei São Paulo hat alles gehalten, was man sich versprechen durfte: In der dramatischsten Titelentscheidung aller Zeiten krönte sich Kimi Räikkönen (Ferrari) zum ersten Mal in seiner Karriere zum Champion in der Königsklasse des Motorsports!

Podium in Brasilien 2007

Kimi Räikkönen rang sich als neuer Weltmeister immerhin ein Lächeln ab

Der Finne, als Underdog mit sieben Punkten Rückstand in den Grand Prix von Brasilien gestartet, machte im 71 Runden langen Rennen im 4,309 Kilometer langen Autodromo Carlos Pace alles richtig, leistete sich keinen einzigen Fehler, gewann mit ein bisschen Unterstützung von seinem Teamkollegen Felipe Massa das Rennen - und sicherte sich damit schlussendlich verdient die Weltmeisterschaft.#w1#

Knappste WM-Entscheidung aller Zeiten

Es war die knappste Titelentscheidung in der Geschichte der Formel 1, denn Räikkönen hat nach 17 Grands Prix 110 Punkte auf seinem WM-Konto - um einen mehr als die beiden McLaren-Mercedes-Piloten Fernando Alonso und Lewis Hamilton. Letzterer hätte es heute selbst in der Hand gehabt, aber nach einem kleinen Fehler in der ersten Runde lief alles gegen ihn - und so blieb die von vielen erwartete Sensation im Rookiejahr aus.

Was sich nach der Zieldurchfahrt abspielte, war Emotion pur: Am Ferrari-Kommandostand wusste man erst gar nicht, ob es reichen würde, bis Hamiltons siebenter Platz bestätigt war - der Brite hätte Fünfter werden müssen, um es doch noch zu schaffen. Als der Ausgang klar war, brachen jedoch alle Dämme, wurden auch ein paar Freudentränen vergossen. Nur der "Iceman" selbst blieb auf dem Podium stoisch wie immer, wenn auch mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht.

In den 71 Runden, die zu diesem Ausgang führten, spielte sich jedoch ein unglaubliches Drama ab, ein würdiges Ende einer furiosen Saison voller Triumphe, Tragödien und Kontroversen: Ferrari hatte das Geschehen von Beginn an im Griff - Massa wandelte die Pole Position in die Führung um, während Räikkönen außen an Hamilton vorbeischoss, interessanterweise aber nicht sofort auch an seinem Stallgefährten, was durchaus möglich gewesen wäre.

Hamilton warf es in der ersten Runde weg

Felipe Massa

Polesetter Felipe Massa bog als klar Führender in die erste Kurve ein Zoom

Hamilton kam auf den ersten Metern an und für sich gut weg, musste im Senna-S aber leicht vom Gas gehen, weil er sonst auf Räikkönen aufgefahren wäre, und verlor dadurch eine Position an Alonso. In der Anfahrt zu Kurve vier wollte Hamilton kontern, doch er verschätzte sich, kam von der Strecke ab und fiel auf den achten Platz zurück. Allerdings war damit noch nichts verloren - schon ein paar Kurven später war Jarno Trulli (Toyota) reines Kanonenfutter für ihn.

Der 22-Jährige schnappte sich anschließend weitere Konkurrenten, bremste sich auch an Nick Heidfeld (BMW Sauber F1 Team) vorbei - doch dann fiel die Vorentscheidung gegen ihn: Sein MP4-22 wurde im zweiten Sektor plötzlich langsamer, reparierte sich aber - ähnlich wie vor Jahren an gleicher Stelle bei Mika Häkkinen - selbst und nahm wieder volle Fahrt auf. Nur: Hamilton fiel dadurch auf den 18. Platz zurück.

In der Folge zündete er bis zum ersten Boxenstopp ein furioses Feuerwerk ab, doch dann begingen die Silberpfeile einen möglicherweise entscheidenden strategischen Fehler, indem sie frühzeitig die weichen Reifen aufzogen. Hamiltons Zwischensprint - er war auf einer Dreistoppstrategie - verlief nicht so erfolgreich wie geplant. Zwar setzte er noch einige fantastische Manöver, unter anderem mit brachialer Gewalt gegen Rubens Barrichello (Honda), aber auf Rang sieben war Endstation.

Gut 20 Sekunden fehlten zum Glück

Auf den benötigten fünften Platz, der ihn zum jüngsten Formel-1-Weltmeister der Geschichte gemacht hätte, fehlten ihm knapp 20 Sekunden. Seinem Teamkollegen Alonso erging es kaum besser: Der Titelverteidiger hatte gegen die überragenden Ferraris nicht den Funken einer Chance, musste sich früh damit abfinden, dass nicht mehr als ein Podium drin sein würde - und wurde nach 71 Runden mit 57 Sekunden Rückstand auf Räikkönen Dritter.

Ferrari machte indes alles richtig: Massa war der schnellere Mann, blieb daher auch zwei Stints lang vor Räikkönen, aber vor seinem letzten Boxenstopp unterlief ihm ein kleiner Fahrfehler, durch den sein Vorsprung auf den "Iceman" auf weniger als eine Sekunde schrumpfte - böse Zungen vermuteten ob der merkwürdigen Optik des Verbremsers in der letzten Kurve, dass dieser Absicht gewesen sein könnte. Aber ganz egal: Räikkönen kam nach seinem Stopp als Führender auf die Strecke zurück.

Ferrari musste nur ins Ziel fahren

Fernando Alonso und Lewis Hamilton

Die Vorentscheidung: Lewis Hamilton verschätzt sich gegen Fernando Alonso Zoom

Der Rest des Rennens bestand aus Ferrari-Sicht nur daraus, Hamilton zu beobachten, denn Alonso hatte man ja selbst in der Hand. Hamilton hätte nicht besser als Sechster werden dürfen - und als Heidfeld, Nico Rosberg (Williams-Toyota) und Robert Kubica (BMW Sauber F1 Team) ihren Fight um den vierten Platz mit der Brechstange ausfuhren, hätte es gut und gerne zu einer entscheidenden Kollision kommen können.

Rosberg, der zum Abschluss mit einer bärenstarken Performance auf den vierten Platz fuhr, glänzte bei seinem Überholmanöver gegen Kubica, nachdem er sich zuvor schon Heidfeld zurechtgelegt hatte. Kubica und Heidfeld kamen als Fünfter und Sechster ins Ziel und erreichten damit ihr Ziel, mit dem Team die 100-Punkte-Marke zu knacken. Rosbergs Resultat sicherte Williams-Toyota Rang vier bei den Konstrukteuren.

Hinter Hamilton staubte Trulli dank einer rundum soliden Vorstellung mit einer Runde Rückstand den verbleibenden Punkt ab, den David Coulthard (Red-Bull-Renault) um 24 Sekunden verpasste. Apropos Red-Bull-Renault: Mark Webber startete super ins Rennen, hielt sich aber bewusst von den WM-Kandidaten fern, lag auf Kurs zu Platz vier, ehe ihm die Technik einen Streich spielte und er aufgeben musste.

Turbulenter Start in den Grand Prix

Auch sonst gab es einige Nebengeräusche: Ralf Schumacher (Toyota), in seinem letzten Grand Prix vor dem Teamwechsel Elfter, war am Start mittendrin, als um ihn herum Giancarlo Fisichella (Renault) von der Strecke abkam und damit eine Kollision mit Sakon Yamamoto (Spyker-Ferrari) auslöste. Jenson Button, Rubens Barrichello (beide Honda) und den beherzt aufgeigenden Sebastian Vettel (Toro-Rosso-Ferrari) erwischte es durch technische Probleme.

Für eine Schrecksekunde sorgte Heikki Kovalainen (Renault), der nach einem frühen Boxenstopp wegen des Tumults in der ersten Kurve aussichtslos unterwegs war und ausgangs des Senna-S heftig abflog. Eine Safety-Car-Phase hätte für Hamilton das Rennen noch drehen können, zu dieser kam es jedoch nicht. Auch Adrian Sutil (Spyker-Ferrari), der aus der Boxengasse gestartet war, sah die Zielflagge nicht - insgesamt kamen nur 14 von 22 Teilnehmern an.

Erwähnenswert ist noch die Premiere von Kazuki Nakajima (Williams-Toyota), der das Saisonfinale anstelle von Alexander Wurz bestritt: Der Japaner fuhr von weit hinten mit schwerer Tanklast einen guten Grand Prix, glänzte zeitweise durch hervorragende Rundenzeiten, kam unterm Strich aber nicht über den zehnten Platz hinaus - immerhin gut eine Sekunde vor Schumachers Werks-Toyota, der theoretisch 2008 für ihn frei werden könnte.

Silberpfeil-Piloten mit je 109 Punkten

Lewis Hamilton und Rubens Barrichello

Lewis Hamiltons Aufholjagd, hier gegen Rubens Barrichello, blieb unbelohnt Zoom

Fazit: Räikkönen ist mit 110 Punkten und als Fahrer mit den meisten Siegen (sechs) Weltmeister 2007, auf den weiteren Plätzen folgen Hamilton, Alonso (je 109), Massa (94) und Heidfeld, der mit 61 Punkten seine erfolgreichste Formel-1-Saison als Fünfter beendete. In der Konstrukteurs-WM setzte sich Ferrari (204) vor dem BMW Sauber F1 Team (102) und dem Vorjahresweltmeister Renault (51) durch. McLaren-Mercedes ging wegen der Spionagestrafe leer aus.

Als kleine Randnotiz sei noch erwähnt, dass sich heute die Geschichte wiederholt hat, denn auch 1986, als die beiden Williams-Piloten Nigel Mansell und Nelson Piquet mit der besseren Ausgangsposition ins WM-Finale in Adelaide gingen, war am Ende der krasse Außenseiter Alain Prost (McLaren) der lachende Dritte. Heute in Brasilien hieß der erfolgreiche Underdog eben nicht Prost, sondern Räikkönen...

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