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  • 21.04.2011 · 18:48

  • von Britta Weddige

Häkkinen: "Der Titel gibt Vettel Selbstvertrauen"

Mika Häkkinen glaubt, dass Sebastian Vettel als Weltmeister gegenüber der Konkurrenz im Vorteil ist: Dem Druck besser gewachsen

(Motorsport-Total.com) - Inzwischen ist es 20 Jahre her, dass Mika Häkkinen seine Karriere in der Formel 1 begann. Und sein erster WM-Titel liegt auch schon ein paar Jahre zurück: 1998 triumphierte er mit McLaren zum ersten Mal, im Jahr danach gelang dem "fliegenden Finnen" die Titelverteidigung. Damit ist Häkkinen übrigens einer von bisher nur neun Formel-1-Piloten, die zweimal in Folge Weltmeister wurden.

Mika Häkkinen

Mika Häkkinen glaubt, dass Sebastian Vettel mental im Vorteil ist

In diesem Jahr schickt sich Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel an, als zehnter Fahrer überhaupt in diese Statistik aufgenommen zu werden. Und Häkkinen glaubt, dass die Chancen für den Heppenheimer gut stehen - auch wenn dessen Alltag als Weltmeister nun ganz anders aussieht als noch vor einem Jahr. Häkkinen erinnert sich dabei an seinen eigenen ersten Titelgewinn 1998: "Es war einfach unfassbar, was ich danach an Marketingpflichten erledigen musste", sagt er im Interview mit 'Autosport'. "Das bringt der Titelgewinn automatisch mit sich."

Allerdings sei die Situation für ihn selbst damals etwas anders gewesen: "Für mich war es härter, weil ich so viel Arbeit hatte. Nach 1998 musste ich all die Marketingjobs erledigen und die ganze Testarbeit. Heutzutage darf man während der Saison nicht mehr testen. Aber die Marketingarbeit ist etwas anders als früher. Sie strengt einen körperlich und mental mehr an."

Doch trotz dieser Zusatzbelastung sieht Häkkinen Vettel als Weltmeister der Konkurrenz gegenüber im Vorteil. "Natürlich macht einen der Titel selbstbewusster. Er gibt einem wirklich Selbstvertrauen. Du weißt, dass du es geschafft hast. Du hast einen Titel gewonnen. Das liegt nicht mehr länger als Ballast auf deinen Schultern. Deshalb kannst du dich jetzt auf die Details konzentrieren", weiß Häkkinen aus eigener Erfahrung.

"Du weißt, dass du es geschafft hast. Du hast einen Titel gewonnen." Mika Häkkinen

Man müsse "den Diamanten nicht mehr schleifen", sondern man könne einfach an den Kleinigkeiten arbeiten, die für den Sieg nötig sind. "Es macht dann sehr viel Spaß. Man beginnt etwas zu rechnen, aber es macht wirklich Spaß. Die anderen Jungs rätseln und mutmaßen, aber du weißt genau, wie es funktioniert", beschreibt der Finne. "Deshalb kann man mit wesentlich mehr Druck umgehen als andere. Denn du verstehst Dinge, die andere erst noch kennenlernen müssen."

Großer Druck könne zum Beispiel bei einem entscheidenden Finalrennen herrschen. Das war 2010 bei Vettel in Abu Dhabi so - und das war auch bei Häkkinen beide Male der Fall, als er Weltmeister wurde. "Dieser letzte Grand Prix, nachdem du das ganze Jahr gekämpft hast. An diesem einen Tag kann man das ganze Jahr verlieren, und es gibt keine zweite Chance. Es gibt kein 'nächstes' Wochenende. Du verlierst alles", beschreibt Häkkinen, was mental in einem Titelkandidaten vorgeht.

"Der Druck ist so groß, dass du gar nicht weißt, wo du hingehen sollst. Also musst du in dich selbst gehen", erklärt der zweimalige Weltmeister. "Du musst wirklich anfangen, mit dir selbst zu reden. Denn um dich herum ist in einem solchen Moment so viel los. Es ist also immens wichtig, wie man mit dem Druck umgeht und mental die Kontrolle behält. Von daher hat man einen Vorteil den Fahrern gegenüber, die den Titel noch nicht gewonnen haben."