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Haas-Duo im Austin-Qualifying in zwei Zwischenfälle verwickelt

Romain Grosjean wurde in Q1 zum Haas-Heimspiel unglücklich von Lance Stroll blockiert - Kevin Magnussen stand nach Falschinformation Sergio Perez im Weg

(Motorsport-Total.com) - So hatte sich das einzige US-amerikanische Team im Formel-1-Feld das Qualifying zum Heimrennen, dem Grand Prix der USA auf dem Circuit of The Americas in Austin, nicht vorgestellt. Kevin Magnussen war in Q1 langsamster aller 20 Fahrer. Für Teamkollege Romain Grosjean hatte der Tag schon schlecht begonnen, als er im Vormittagstraining ins Kiesbett gerutscht war und wertvolle Vorbereitungszeit verlor. Im Q1 fand sich Grosjean dann inmitten einer unglücklichen Situation um Williams-Youngster Lance Stroll wieder.

Romain Grosjean

Romain Grosjean erlebte einen ereignisreichen Samstag in Austin Zoom

Was war passiert? Stroll, der gerade sich auf seiner Out-Lap aus der Box befand. war in Kurve 19, der vorletzten Kurve der Strecke, in langsamer Fahrt unterwegs. Links neben ihm war Toro-Rosso-Pilot Daniil Kwjat auf seiner In-Lap unterwegs und bog demzufolge ebenfalls in langsamer Fahrt gerade in die Boxengasse ab. Hinter den beiden war Grosjean auf einer schnellen Runde unterwegs und wusste nicht, wo hin er ausweichen sollte.

Grosjean, der in besagter Kurve ohnehin schon recht weit nach außen getragen wurde, entschied sich, Stroll rechts zu überholen. Im selben Moment zog aber auch der Williams-Pilot nach rechts. Grosjean musste die Strecke verlasen und rodelte durch das Gras.

Die Rennkommissare, denen an diesem Wochenende Mika Salo beratend zur Seite steht, haben sich die Videoaufzeichnungen intensiv angesehen und sowohl Stroll als auch Grosjean zum Zwischenfall befragt. Ergebnis: Stroll hat eine Rückversetzung um drei Startplätze auferlegt bekommen.

Die Schilderung der Situation im Wortlaut der Kommissare: "Stroll war auf einer langsamen Runde. Grosjean war auf einer schnelle Runden. Stroll änderte auf Anweisung seines Ingenieurs ein paar Einstellungen und erhielt erst sehr spät die Information, dass Grosjean überholen will. Daraufhin zog Stroll nach rechts und verließ die Strecke. Doch Grosjean war schon außerhalb der Track-Limits unterwegs, als er sich zum Überholen auf der rechten Seite entschied. Stroll zog nach rechts. Es war offensichtlich, dass Stroll Grosjean in den Spiegeln nicht sehen konnte. Wie er betonte, konnte er nicht nach links ziehen, weil Kwjat ihn auf dieser Seite überholte."

Grosjean: "Habe nichts gegen ihn"

Lance Stroll

Lance Stroll tat, was er konnte, um Grosjean auszuweichen Zoom

"Ich habe mit Lance gesprochen", bemerkt Grosjean und versichert: "Ich habe nichts gegen ihn. Er war einfach in einer unglücklichen Position. Er fuhr auf der Ideallinie. Kwjat bog in die Boxengasse ab und er (Stroll; Anm. d. Red.) konnte deshalb nicht wirklich nach links ziehen." Das einzige Problem, das Grosjean eigener Aussage zufolge hat, ist "der große Geschwindigkeitsunterschied zwischen Autos auf einer Out-Lap und Autos auf einer schnellen Runde, denn der führt zwangsläufig zu Problemen", wie der erfahrene Franzose anmerkt.

Stroll, der auf besagter Out-Lap aus der Box heraus mit einem Motorproblem kämpfte ("Ich habe allein auf der Gegengerade 0,8 Sekunden verloren") schildert die Situation wie folgt: "Ich musste einfach irgendwo hin, um die Linie freizugeben. Nach links konnte ich nicht. Also musste ich nach rechts ziehen."

Ein Lerneffekt könne es für ihn nicht geben, wie der 18-jährige Williams-Rookie betont: "Es gibt nichts, was man daraus lernen könnte. Allenfalls vielleicht hinsichtlich der Kommunikation, alsodass man für die Runde aus der Box eine andere Strategie wählt, um sich in eine bessere und sichere Position zu bringen. So etwas sagt sich aber immer leicht. Es kann jedem passieren. Ich finde ohnehin nicht, dass es eine große Sache war. Es gab ja keinen Crash und ich stand in Q1 aufgrund meines Motorenproblems sowieso auf verlorenem Posten. Klar war es gefährlich, aber es war einfach unglückliches Timing. Es war eng, aber letztlich ist nichts passiert."

Kommissare sehen Fehlverhalten bei Williams

Ungeachtet dessen steht die Entscheidung der Rennkommissare, wonach Stroll in der Startaufstellung drei Plätze nach hinten muss. Die Erklärung dazu: "Die Kommissare glauben, dass Stroll unter den Umständen getan hat, was er konnte. Dennoch war es potenziell eine sehr gefährliche Situation, da der Geschwindigkeitsunterschied zwischen den beiden Autos im Scheitelpunkt von Kurve 19 mehr als 100 km/h betrug. Die Kommissare glauben, dass das Team Stroll früher hätte warnen sollen, dass Grosjean mit hohem Tempo aufschließt."

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass sich am Funk von Stroll eine Stimme befand, die in dieser Funktion seit Jahren nicht mehr tätig war. Luca Baldisserri springt als Renningenieur für den Formel-1-Rookie ein, weil sich dessen angestammter Ingenieur James Urwin gerade im Vaterschaftsurlaub befindet. Diesen Umstand und die lange Zeit seit Baldisserris bisher letztem Einsatz will man bei Williams aber nicht als Ursache für eine Fehlkommunikation mit Stroll erkennen.

Lance Stroll

Trotz Strafe in Höhe von drei Startplätzen rückt Stroll einen Platz nach vorn Zoom

"Ich glaube, es war einfach ein Fehler des Teams", meint Williams-Technikchef Paddy Lowe und weiter: "Wir hatten einfach nicht genug Zeit, um uns in eine effektive Position (auf der Strecke; Anm. d. Red.) zu bringen. Luca mag der Kommunikator sein, aber es war ein Teamfehler. Enttäuschend ist, dass wir auf diese Art und Weise drei Startplätze verloren haben."

Der Verlust von drei Startplätzen ist freilich nur Theorie. Denn weil Stroll, der Q1 auf Platz 17 abschloss, von den noch gravierenderen Rückversetzungen dreier anderer Fahrer profitiert, rückt der Kanadier im Endeffekt sogar einen Startplatz nach vorn und fährt nach aktuellem Stand der Dinge von Platz 16 los. Zu verdanken hat er dies den Strafen gegen Max Verstappen, Nico Hülkenberg und Brendon Hartley, die allesamt mit neuen Antriebskomponenten von Renault fahren und deshalb 15, 20 und 25 Startplätze nach hinten müssen.

Magnussen steht Perez im Weg und entschuldigt sich

Grosjean war nicht der einzige Haas-Pilot, der in Q1 in Austin in einen Zwischenfall verwickelt war. Teamkollege Kevin Magnussen stand beziehungsweise fuhr im Weg von Sergio Perez (Force India) und hat dafür eine Strafe in Form von Rückversetzung um drei Startplätze kassiert. Magnussen kann die Entscheidung durchaus nachvollziehen. "Inzwischen weiß ich, dass er auf einer schnellen Runde war. Mir wurde aber gesagt, er sei gerade aus der Box gekommen", verweist der Däne auf einen Funkspruch vom Haas-Kommandostand.

Kevin Magnussen

Kevin Magnussen wurde vom Haas-Kommandostand falsch informiert Zoom

Perez' Sichtweise: "Ich war natürlich sehr sauer, weil ich wusste, was das für mein Qualifying bedeutet." Damit spricht der Mexikaner auf die Tatsache an, dass er nach dem Blockade-Manöver durch Magnussen gezwungen war, einen neuen Reifensatz aufzuziehen, um es ins nächste Qualifying-Segment (Q2) zu schaffen. "Mehr noch als das war es mir aber wichtig, dass ich meinen Ärger nicht mitnehme", sagt Perez nach seiner ersten Enttäuschung.

Für Magnussen ist die Enttäuschung Perez' keine Überraschung. "Ich habe ihn nicht vorbeigelassen. Deshalb kann ich verstehen, dass er sauer ist. Ich kann nur sagen, dass ein Fehler war und es mir leid tut. Ich habe ihn blockiert. Also kommt die Strafe nicht überraschend. Wir sind gemeinsam zu den Kommissaren gegangen und ich habe mich entschuldigt", betont der Däne und unterstreicht sein Verständnis für Perez' Ärger und für die Strafe: "Ich wäre in seiner Situation auch sauer gewesen." Perez betont aber: "Es war ja gar nicht sein Fehler. Es war ein Fehler des Teams. Mir war klar, dass er das nicht mit Absicht gemacht hat."

Günther Steiner, Kevin Magnussen

Günther Steiner bedauert den Kommunikationsfehler des Haas-Teams Zoom

So sieht es auch Magnussen selbst. Obwohl er in dieser Saison mehrfach in ähnliche Situationen verwickelt war, will der Haas-Pilot keinen Trend erkennen: "Ich will Leuten natürlich nicht im Weg stehen, denn ich hasse es, wenn mir Leute im Weg stehen. Wenn man anderen Leuten die Rundenzeit kaputtmacht, ist das einfach unfair. Ich habe es aber heute wirklich nicht mit Absicht gemacht. Die Kommissare sind Profis. Sie sehen das. Es ist ja nicht so, dass ich ständig Strafen kassieren würde. Ich bin auch nicht der Fahrer mit den meisten Strafpunkten. Es gibt andere Fahrer, die mehr Strafpunkte haben als ich."

Haas-Teamchef Günther Steiner fasst in Bezug auf den Zwischenfall Magnussen vs. Perez zusammen: "Es war einfach eine Fehlkommunikation. Darauf sind wir nicht stolz. Wir akzeptieren die Strafe. Wir müssen jetzt einfach sicherstellen, dass so etwas nicht wieder passiert." Ähnlich wie im Falle Stroll ist es unterm Strich für Magnussen gar keine Strafe. Weil er auch er von den Rückversetzungen Verstappens, Hülkenbergs und Hartleys profitiert, startet Magnussen, obwohl in Q2 nur 20., am Sonntag von Position 17. Die Formel-1-Logik lautet in diesem Fall: 20+3=17.

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