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FRIC-System: Neuerung ein alter Hut

Die "neue" FRIC-Aufhängung ist in Wahrheit ein alter Hut und wird nicht nur von Mercedes und Lotus eingesetzt

(Motorsport-Total.com) - Im Rahmen des Großen Preis von Malaysia tauchten erstmals Berichte über ein angeblich revolutionäres Aufhängungssystem auf, welches von Lotus und Mercedes verwendet werden soll. Das FRIC-System, FRIC steht hier für Front-and-Rear-Interconnected, soll über Hydraulikleitungen eine Verbindung zwischen den vier einzelnen Radaufhängungen herstellen und so die Fahrzeughöhe regulieren, wodurch die aerodynamische Effizienz der Fahrzeuge verbessert wird.

Lotus, Radaufhängung

Lotus gehört zu den Teams, die ein FRIC-System einsetzen sollen Zoom

Doch wie so oft halten sich die Teams bei technischen Neuerungen äußerst bedeckt und geben bei Nachfragen nur wage Antworten. Pat Symonds, technischer Berater von Marussia, bedauert diese Geheimniskrämerei. "Ich war schon immer der Meinung, dass wir in der Formel 1 zu viele Geheimnisse haben und zu wenig über die Technologie sprechen, die wir an den Autos einsetzen und die wir möglicherweise auf Straßenautos übertragen können", sagt Symonds gegenüber 'Sky Sports F1'.

Der Brite will dem - zumindest teilweise - ein Ende machen und verrät gleich einmal, dass das angeblich neue System gar nicht so neu ist: "Solche interagierenden Systeme zwischen Vorder- und Hinterachse sind nichts Neues. Die Systeme sind ähnlich denen, die man vor 30 oder 40 Jahren bei Leyland (britischer Fahrzeughersteller, Anm. d. Red.) gesehen hat. Ich habe im Jahr 1981 zum ersten Mal daran gearbeitet, aber das war nicht sonderlich erfolgreich", meint Symonds.

"Um ehrlich zu sein bin ich ein wenig überrascht, dass es jetzt als neue Spielwiese gepriesen wird." Pat Fry

Auch Pat Fry, Technischer Direktor von Ferrari wundert sich darüber, dass das FRIC-System ausgerechnet jetzt diskutiert wird. "Um ehrlich zu sein bin ich ein wenig überrascht, dass es jetzt als neue Spielwiese gepriesen wird", sagt Fry. "Ich glaube, die meisten Teams arbeiten schon seit drei oder vier Jahren daran." Das bestätigt auch Symonds. Laut dem Briten sind Lotus und Mercedes bei weitem nicht die einzigen Teams, die an diesem System arbeiten: "Zu meiner Zeit bei Renault haben wir ein solches System verwendet, und selbst ein kleines Team wie Marussia hat es seit drei Jahren im Auto."


Fotos: Großer Preis von China, Samstag


"Das ist nicht wahnsinnig kompliziert, aber recht interessant", sagt Symonds über das System. Das sieht sein Kollege Fry jedoch anders: "Das ist eine recht komplizierte Sache", so der Ferrari-Mann. Wegen der Komplexität und der Entwicklungskosten sei über dieses System von Seiten der Teams schon mit der FIA gesprochen worden: "Wir sprachen schon im vergangenen Jahr in Monaco im Rahmen der Technischen Arbeitsgruppe über dieses Thema und darüber, in diesem Bereich Geld zu sparen", so Fry.

"Daher ist es vorstellbar, dieses System ohne Feder einzusetzen." Pat Symonds

Bei der Funktionsweise des FRIC-Systems besteht laut Symonds eine falsche Auffassung: "Im Gegensatz zu dem, worüber viele Leute reden oder schreiben, ist es kein System, welches dem Nicken entgegenwirkt, sondern es verstärkt. Die Idee ist folgende: Wenn das Heck unter dem riesigen aerodynamischen Druck niedergedrückt wird, wird Flüssigkeit aus der Hinterachse nach vorne transferiert, sodass die Front ein wenig nach oben gedrückt wird. Das ermöglicht es, auf die Runde eine optimalere Bodenfreiheit zu fahren", erklärt der Ingenieur.

Mercedes soll das System nach mehrjähriger Entwicklungszeit mittlerweile so weit verfeinert haben, dass im W04 auf konventionelle Federn verzichtet und die Aufhängung nur über das Hydrauliksystem abgefedert wird. Laut Symonds ein realistisches Szenario: "Den Regeln nach müssen diese Systeme völlig passiv sein. Die meisten Systeme werden durch einen Hydraulikspeicher vorgeladen, arbeiten mit recht hohem Druck und sind in der Lage, einen großen Teil der Last zu unterstützen. Daher ist es vorstellbar, dieses System ohne Feder einzusetzen. Das war auch schon der Fall."

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