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Formel-1-Technik 2015: Force Indias einzigartiges B-Modell

Die langersehnte B-Version des Force India VJM08 weist einzigartige Detaillösungen auf, die offenbar Wirkung zeigen - Upgrades auch bei Ferrari und Manor-Marussia

(Motorsport-Total.com) - Was die technischen Neuerungen für den Grand Prix von Großbritannien betrifft, so ist es das Force-India-Team, das die Schlagzeilen beherrscht. Grund: Die B-Version des VJM08 feiert in Silverstone ihr langersehntes Renndebüt.

Sergio Perez

Die B-Version des Force India VJM08 weist raffinierte Detaillösungen auf Zoom

Weil die britische Grand-Prix-Piste eine ausgefeilte Aerodynamik verlangt, handelt es sich beim aktuellen Wochenende um einen ganz entscheidenden Zeitpunkt in der Saison, um neue Teile einzusetzen.

Zwar haben nahezu alle Teams neue Detaillösungen im Gepäck. Die entscheidenden Entwicklungsschritte aber wurden bei Force India und Manor-Marussia getätigt. Zudem hat sich Ferrari an der Front des SF15-T für eine neue Aero-Philosophie entschieden.

Force India

Der Force India VJM08 fährt beim Heimrennen mit seiner einzigartigen Lochnase, einem neuen Frontflügel, neuen Kühlern, neuen Seitenkästen und einer neuen Radaufhängungsgeometrie. Nachdem die Korrelation zwischen Windkanal und Rennstrecke im vergangenen Jahr ein Problem gewesen war, hat Force India im Windkanal von Toyota in Köln ein neues Aero-Programm gestartet.

Weil es sich dabei um ein neues Projekt handelte und weil hinsichtlich Aerodynamik-Tests gewisse Einschränkungen der FIA gelten, hat es ein wenig gedauert, bis die Ergebnisse auf der Strecke zu sehen waren. Seit den ersten Testläufen in Köln sind sechs Monate vergangen. Die tatsächliche Testphase umfasste aber nur zehn Wochen.

Wenn man bedenkt, dass nach wie vor mit einem Modell der Größe 50 Prozent (mitgenommen aus dem kleineren Windkanal in Brackley) gearbeitet wird, dann sind die von Force India erzielten Resultate ermutigend. Einige (kleinere) Updates wurden bereits an die A-Version des VJM08 geschraubt. Schon dabei wurde deutlich, dass die Korrelation zwischen Windkanal und Rennstrecke stimmt. Das Debüt der B-Version hat die hohen Erwartungen des Teams voll bestätigt.

Sergio Perez

Die Nase mit ihren zwei Löchern ist die auffälligste Veränderung Zoom

Von allen Veränderungen, die das Auto aufweist, ist die Nase mit ihren zwei Löchern dasjenige Teil, welches die größte Aufmerksamkeit erhielt. Die "Nasenlöcher" sorgen für einen deutlich verbesserten Luftstrom in Richtung Fahrzeugheck, ohne jedoch mit viel Aufwand eine kurze Nase produzieren zu müssen.

Um nicht in einen Konflikt mit dem Reglement zu geraten, sind die Öffnungen der beiden Löcher so gestaltet, dass sie im Inneren der Nase einen geschlossenen Kanal bilden. Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgte man im vergangenen Jahr bei Lotus mit dem "Schneepflug-Splitter" unterhalb der Zwei-Zinken-Nase.

Wenngleich sich die äußere Form der neuen Force-India-Nase kaum vom Vorgängermodell unterscheidet, so handelt es sich doch um eine komplette Neukonstruktion hinsichtlich der Struktur und der Form im Detail. Ein langer Kegel (quasi die Brücke zwischen den beiden Löchern) formt nun einen Großteil der Crashstruktur.

Auch die äußeren Bereiche und die Aufhängung für den Frontflügel sind Teil der Struktur, wenngleich es sich dabei um untergeordnet tragende Teile handelt. Der Frontflügel und die vorderen Luftleitbleche sind ebenfalls neu. In beiden Fällen hat sich die Force-India-Designabteilung Anleihen bei der von Red Bull eingesetzten Lösung geholt.

Nico Hülkenberg

Die Kühler für das ERS sitzen bei Force India nun in den Seitenkästen Zoom

Im Mittelteil des runderneuerten Force India fällt auf, dass die beiden Lufteinlässe links und rechts des Überrollbügels, die der Kühlung des ERS dienten, verschwunden sind. Die entsprechenden Kühlelemente sitzen nun in den Seitenkästen anstatt über dem Getriebe.

Dank dieser Veränderung konnte die Motorenabdeckung deutlich schlanker gestaltet werden. Sie weist nun eine schmale Haifischflosse und einen schmalen Cola-Flaschenhals auf. Diese Veränderung wiederum verlangte nach einer anderen Aufhängung für den Heckflügel. Gelöst wurde das Ganze mit einer neuen Flügelaufhängung, die nun enger um ein nach unten verlegtes Auspuffendrohr verläuft.

Hinsichtlich der Mechanik profitiert das Auto von einer neuen Hinterradaufhängungsgeometrie. Diese arbeitet nun in Einklang mit der hydromechanischen Hinterradaufhängung, die in Barcelona zum ersten Mal eingesetzt wurde. Eine ähnliche Lösung ist auch für die Vorderachse geplant, zum Einsatz kommt diese aber noch nicht.

Nachdem man sich am Freitag mit verschiedenen Setup-Optionen für das neue Paket beschäftigt hat, stellt die B-Version des VJM08 schon jetzt einen Fortschritt gegenüber der A-Version dar. Das verleiht dem Team Hoffnung hinsichtlich der Performance im Rennen und beim Grand Prix von Ungarn. Für den Grand Prix von Belgien plant Force India mit weiteren Upgrades für den Frontflügel und den Unterboden.

Ferrari

Ferrari hat sich im Bemühen, den Rückstand auf Mercedes zu verkürzen, am direkten Gegner orientiert. Die Rede ist von der Aero-Philosophie an der Front des Autos. Sowohl der Frontflügel des SF15-T als auch die Halterungen für die Onboard-Kameras an der Nase erinnern nun an die Lösung, wie sie Mercedes beim F1 W06 anlässlich des Grand Prix von China präsentierte.

Während die schmaleren Kamera-Aufhängungen sofort ins Auge stechen, handelt es ich bei den Veränderungen am Frontflügelprofil um Nuancen. Ungeachtet dessen haben diese Veränderungen eine deutlich größere Auswirkung auf die Performance.

Sebastian Vettel

Am Ferrari SF15-T gibt es Updates an Frontflügelprofil und Kamera-Aufhängungen Zoom

Wie am Mercedes, so weist nun auch der Frontflügel am Ferrari ein gebogenes äußeres Profil auf. Im direkten Vergleich ist die Lösung der Italiener stärker gebogen. Neben der Neugestaltung der äußeren Flügelprofile wurde ein Luftleitblech an der Endplatte entfernt. Dafür ist auf den mehrfach gestuften Zusatzflügel vorn ein neues Luftleitblech hinzugekommen.

Wie bei den meisten Updates im Bereich des Frontflügels, so handelt es sich auch in diesem Fall um eine Maßnahme, die den Luftstrom um die Vorderräder herum in Richtung Fahrzeugheck verbessern soll. Um eine Erhöhung des Abtriebs an der Vorderachse geht es dabei weniger.

In Zusammenhang mit den Veränderungen an der Front wurde am Ferrari auch die Aerodynamik am Heck angepasst. Die auffälligste Veränderung betrifft die hinteren Bremsbelüftungen. Dort ist das Luftleitblech in zwei Teile gesplittet worden. Vorher war es ein geschlossenes Bauteil.

Manor-Marussia

Manor-Marussia fährt nach wie vor mit einer geringfügig modifizierten Version des 2014er-Marussia. Ursprünglich hatte man geplant, ein komplett neues Auto zu bauen, um die Vorteile der 2015er-Antriebseinheit von Ferrari ähnlich gut nutzen zu können wie Sauber.

Roberto Merhi

Der Manor-Marussia MR03B mit neuem Bodywork und einen neuem Unterboden Zoom

Inzwischen aber hat man sich bei Manor-Marussia entschieden, mit einem komplett neuen Auto bis zur kommenden Saison zu warten. Stattdessen bekommt das aktuelle Auto schrittweise ein paar Updates spendiert.

In Silverstone hat man für den MR03B neue Verkleidungsteile am Heck und einen neuen Unterboden dabei. Diese Teile hätten ursprünglich schon in der Saison 2014 zum Einsatz kommen sollen. Dank der neuen Teile kommt das Heck des Autos nun schlanker daher. Die Cola-Flaschenform ist stärker ausgeprägt.

Anhand der Erkenntnisse aus den Freien Trainings stellen die Veränderungen eine Verbesserung dar. Es ist daher davon auszugehen, dass beide Autos auch im Rennen mit den neuen Teilen ausgestattet sein werden.

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