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Formel 1 Kanada 2016: Hamilton holt Pole in Montreal

Knapper als gedacht, aber doch: Hamilton schlägt Rosberg um 0,062 Sekunden - und beinahe verliert Mercedes die Pole-Position noch an Sebastian Vettel...

(Motorsport-Total.com) - Der viermalige Montreal-Sieger Lewis Hamilton wurde seiner Favoritenrolle gerecht und sicherte sich die Pole-Position für den Grand Prix von Kanada (Formel 1 2016 live im Ticker). Allerdings war es knapper als nach der souveränen Trainingsleistung am Freitag gedacht: Der Mercedes-Pilot hatte am Ende gerade mal 62 Tausendstelsekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen Nico Rosberg.

Lewis Hamilton, Nico Rosberg, Sebastian Vettel

Sebastian Vettel, Polesetter Lewis Hamilton und Nico Rosberg in Montreal Zoom

"Ich war heute einfach nicht so schnell wie gestern, aber es hat gereicht. Dabei war meine Runde wirklich nicht gut", analysiert Hamilton, nach dem erlösenden Sieg in Monaco diesmal betont cool. Die Entscheidung führte er bereits im ersten Q3-Run herbei: "Meine erste Runde war gut, aber es hat knapp nicht gereicht", seufzt Rosberg. "Ich wusste, ich habe die Mega-Chance auf die Pole, aber dann war's schon in der ersten Kurve zu Ende. Vorderrad blockiert, das war's."

Somit konnte keiner der beiden Mercedes-Fahrer seine Zeit aus dem ersten Run verbessern, was beinahe eine Last-Minute-Überraschung ermöglicht hätte. Denn Sebastian Vettel setzte aus dem Nichts "eine Wunderrunde", wie Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda staunt. Gerade mal 0,178 Sekunden fehlten am Ende - und trotzdem entschuldigte er sich in der Auslaufrunde am Boxenfunk bei seinen Mechanikern!

Man habe "über Nacht einen Schritt" gemacht, stellt Vettel erfreut fest, aber: "Ich bin nicht ganz zufrieden, wenn ich ehrlich bin. Ich dachte, wir können heute ein Wort um die Pole mitreden. Zumindest wollte ich die Mercedes splitten. Da war ich im ersten Moment ein bisschen enttäuscht." Die letzte Runde sei "alles in allem schon okay" gewesen, trotz minimaler Fehler in den Kurven 6 und 10, also beim Herausbeschleunigen aus der Spitzkehre.

Ohne seine Zeitenverbesserung wäre Vettel Fünfter geworden, denn nach dem ersten Q3-Run lag er noch hinter Max Verstappen. Der Red-Bull-Fahrer fiel auf den fünften Platz zurück, weil sich neben Vettel auch sein Teamkollege Daniel Ricciardo steigern konnte - trotz Mauerkuss auf den allerletzten Metern! "Es fühlte sich wie ein ziemlich heftiger Kuss an", grinst der Australier, trotzdem nur um 0,354 Sekunden langsamer als Hamilton.

"Ich musste an Carlos denken und betete nur, dass die Räder dranbleiben", ergänzt er. Eine Anspielung auf Carlos Sainz (16./Toro Rosso), der in Q2 in die "Wall of Champions" crashte und für eine Unterbrechung des Qualifyings sorgte. Ricciardo fuhr einfach zu schnell in die letzte Schikane und bezahlte beim Herausbeschleunigen für seinen Übermut. Aber: "Seb war eineinhalb Zehntel schneller als ich. So viel hat das nicht gekostet."

Für das Rennen sieht er gegen Mercedes eine "Außenseiterchance", denn: "Unsere Longruns waren gestern nicht gut, aber die Bedingungen werden morgen anders sein, vielleicht sogar nass." Formel-1-Experte Marc Surer hat Red Bull jedenfalls auf der Rechnung: "Sie sind nicht einmal drei Zehntel weg von Hamilton. Das lässt brutal hoffen für den Rest der Saison! Zumal Mercedes diese Extraleistung für die Qualifikation im Rennen nicht fahren kann."

"Auf dieser Art Strecke", stimmt Gerhard Berger zu, "hatte man Mercedes ganz klar vorne erwartet. Der Rückstand von drei, vier Zehntel ist immer noch da, aber Ferrari und Red Bull haben aufgeschlossen. Es wird spannender. Wenn Red Bull hier auf drei Zehntel an Mercedes dran ist, kann man sich ausrechnen, dass die da oder dort zuschlagen können in dieser Saison." Vielleicht schon morgen? "Ihre Longruns haben stark ausgesehen", sagt Hamilton über Ferrari.

Kimi Räikkönen (6./Ferrari/+0,767) und Valtteri Bottas (7./Williams/+0,858) stehen in der Startaufstellung wieder einmal näher beisammen, als ihnen lieb ist, schließlich sind die beiden Finnen in der Vergangenheit schon öfter aneinandergeraten. Und Felipe Massa (Williams/+0,957), Nico Hülkenberg (Force India/+1,140) und Fernando Alonso (McLaren/+1,526) komplettieren die Top 10. "Q3 auf einer Strecke wie dieser", sagt Alonso, "damit müssen wir zufrieden sein."

Aus Sicht von Pascal Wehrlein (Manor) sah es, weil er zwischenzeitlich auf P14 lag, lange nach einer Q2-Sensation aus, am Ende wurde er aber doch noch auf den 18. Platz verdrängt. Renault hatte besonderes Pech: Kevin Magnussen konnte am Qualifying nach dem Unfall im Freien Training nicht teilnehmen, Jolyon Palmer verpasste den Einzug ins zweite Segment um gerade mal 15 Tausendstelsekunden gegen Romain Grosjean (15./Haas).

Palmer hätte zu allem Überdruss seinen Renault beinahe in der gleichen Kurve gegen die Wand gesetzt wie ein paar Stunden zuvor Magnussen, konnte den Crash ausgangs Kurve 8 aber gerade noch vermeiden. Sainz etwas später dann nicht mehr. Aber der Spanier nimmt seinen Abflug mit Galgenhumor: "Wenn es eine Mauer gibt, in die man am liebsten kracht, dann ist es die 'Wall of Champions'." Auch wenn er noch kein Weltmeister ist...