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Formel 1 Kanada 2015: Souveräner Sieg für Lewis Hamilton

Keine Chance für Nico Rosberg: Lewis Hamilton gewinnt den Grand Prix von Kanada in Montreal - Sebastian Vettel nach toller Aufholjagd Fünfter

(Motorsport-Total.com) - Kaum ist Vivian Rosberg nicht mehr dabei, kann Lewis Hamilton wieder gewinnen: Der Mercedes-Pilot sicherte sich den Sieg beim Grand Prix von Kanada mit einer souveränen Leistung vor seinem Teamkollegen Nico Rosberg und Williams-Fahrer Valtteri Bottas. Für eine kleine Überraschung sorgte in Montreal Sebastian Vettel, der vom 18. Startplatz aus eine tolle Aufholjagd hinlegte und Fünfter wurde.

Lewis Hamilton, Nico Rosberg

Nico Rosberg und Lewis Hamilton auf dem Podium beim Rennen in Montreal Zoom

Hamilton und Rosberg lieferten sich zwar über weite Strecken ein zeitmäßig enges Duell, doch das Gefühl, dass Rosberg gefährlich werden konnte, hatte man eigentlich nie. Vor dem ersten und einzigen Boxenstopp betrug der Abstand über vier, danach plötzlich nur noch zwei Sekunden - und nach einem Verbremser von Hamilton, der möglicherweise den Reifen nicht gut getan hat, sah es kurz so aus, als könnte es doch noch eng werden.

Rosberg zoomte sich einmal kurz in die DRS-Sekunde, doch fast so, als würde er nur mit seinem Gegner spielen, zog Hamilton sofort wieder weg. Danach gab es einige interessante Funksprüche: Rosberg wurde gesagt, sein Bremsverschleiß sei "kritisch" und er solle erst im Finish angreifen, während Hamilton mitgeteilt wurde, 50 Meter früher zu bremsen, um Benzin zu sparen. Für die letzten zwei Runden wurden daraus sogar 100 Meter gemacht.

Als Rosberg wissen wollte, wie viel Benzin Hamilton noch zur Verfügung hat, bekam er keine Antwort. Möglicher Hintergrund: Mercedes hatte davor über Funk sehr konkrete Anweisungen gegeben, doch das ist eigentlich seit 2014 verboten - denkbar, dass Rennleiter Charlie Whiting die Mercedes-Renningenieure ermahnt hat. Hamilton war dann im Finish souverän, fuhr wieder auf bis zu dreieinhalb Sekunden davon, rettete 2,3 Sekunden über die Ziellinie.

Nach zwei Niederlagen hintereinander ein wichtiger Sieg für den WM-Leader: "Das habe ich gebraucht! Nico war schnell, aber ich hatte die Kontrolle und konnte immer anziehen, wenn es nötig war." Was Rosberg neidlos anerkennt: "Ich habe Druck gemacht wie ein Wahnsinniger, aber er hat sich keinen Fehler geleistet." Das Rennen habe er schon gestern verloren: "Es war nur die Startposition, die den Unterschied gemacht hat."

Auf den Rest der Welt hatte Mercedes in Montreal 40,7 Sekunden Vorsprung. Bottas und Kimi Räikkönen (Ferrari) lieferten sich um den dritten Platz ein finnisches Duell. Am Start hatte noch Räikkönen die Nase vorne, das änderte sich aber durch einen Dreher in der Spitzkehre, unmittelbar nach dem Boxenstopp. "Genau das Gleiche ist mir vergangenes Jahr passiert", fluchte er am Funk. Damals hatte er sich von der Elektronik und plötzlich einsetzender Power irritieren lassen.

Obwohl Räikkönen seinen dritten Stint mit Supersoft-Reifen fuhr, hatte er keine Chance mehr, Bottas zu attackieren, und fuhr fünf Sekunden nach seinem Landsmann über die Ziellinie. Sein Vorsprung auf Teamkollege Vettel betrug nach 70 Runden 4,3 Sekunden - was Vettel zum heimlichen Mann des Rennens macht. "Vettel wäre keine 40 Sekunden hinter Mercedes ins Ziel gekommen", glaubt Experte Marc Surer. Aber vom 18. Startplatz aus war nicht mehr möglich.

Vettel kam früh zum ersten Boxenstopp, stand 6,6 Sekunden - zu lang. Im Duell mit Ex-Ferrari-Pilot Fernando Alonso (McLaren), der sich gegen den Positionsverlust mit harten Bandagen wehrte, kam es zu einer (folgenlosen) Berührung. Später presste sich Vettel im Duell um Platz sieben an der Wall of Champions an Nico Hülkenberg (Force India) vorbei - und wusch seine Hände nach dessen Dreher in Unschuld: "Ich habe ihn nicht berührt."

Was stimmen mag, aber: "Ohne meinen Dreher wären wir kollidiert", ärgert sich Hülkenberg, der dadurch nicht nur hinter Vettel, sondern auch hinter Felipe Massa (Williams) auf Platz neun zurückfiel. Die Rennleitung sprach dafür aber keine Strafe aus. "Der Vorfall war unglücklich, aber that's Racing", findet Hülkenberg. "Wahrscheinlich hätte ich ihn direkt vorbeilassen sollen, denn ich hätte ihn sowieso nicht halten können."

Massa wurde am Ende Sechster, 10,3 Sekunden vor Pastor Maldonado (Lotus). Maldonado verlor in der dritten Kurve eine Position gegen Hülkenberg, gewann diese aber mit einem strategischen "Undercut" zurück. Sein Teamkollege Romain Grosjean kassierte eine Fünf-Sekunden-Strafe, weil er Will Stevens (Manor-Marussia) beim Überrunden über die Nase fuhr. Für beobachtende Experten völlig unverständlich, dass Grosjean die Schuld dafür zunächst bei Stevens sah.

Im Lotus-Sandwich erreichten Hülkenberg und Daniil Kwjat (Red Bull) die Positionen acht und neun. Sergio Perez (Force India) wurde Elfter, Carlos Sainz (Toro Rosso) Zwölfter. Letzterer verspielte seine Chancen wahrscheinlich schon am Start, als er vier Positionen einbüßte. McLaren-Honda verzeichnete einen weiteren Doppelausfall. Noch mehr schmerzt aber wahrscheinlich, dass Jenson Button schon im 22. Umlauf überrundet wurde.

Safety-Car-Fahrer Bernd Mayländer blieb diesmal arbeitslos, und auch sonst war Kanada 2015 keiner der allerspannendsten Grands Prix auf dem Circuit Gilles Villeneuve. Massa zeigte ein tolles Manöver gegen den beherzt gegenhaltenden Sauber-Fahrer Marcus Ericsson (der in der Auslaufrunde stehen blieb), Max Verstappen (Toro Rosso) ließ Felipe Nasr (Sauber) einmal toll stehen. Apropos Sauber: Platz 14 für Ericsson war diesmal das Höchste der Gefühle.

In der Weltmeisterschaft führt Hamilton nun mit 151 von 175 möglichen Punkten vor Rosberg (134) und Vettel (108). Bei den Konstrukteuren liegt Mercedes (285) vor Ferrari (180) und Williams (104). Nur Manor-Marussia hat noch nicht angeschrieben. Weiter geht's in zwei Wochen mit dem Grand Prix von Österreich. Und davor steht noch das 24-Stunden-Rennen von Le Mans auf dem Programm - mit Nico Hülkenberg im Porsche.

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