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Force India vor Williams: Hülkenberg in Hockenheim Siebter

Nico Hülkenberg ist beim Heimrennen der beste Fahrer im Verfolgerfeld - Force India schlägt in Hockenheim die direkte Konkurrenz von Williams und McLaren

(Motorsport-Total.com) - Force India erlebt auf dem Hockenheimring einen positiven Grand Prix und kann sich gegen die direkte Konkurrenz behaupten. Nico Hülkenberg fuhr bei seinem Heimrennen als Siebter ins Ziel. Sein Teamkollege Sergio Perez startete nach einem verpatzten Start eine Aufholjagd und schnappt sich noch einen WM-Punkt für den zehnten Platz. Damit sammelt Force India um fünf Zähler mehr als Williams und um drei mehr als McLaren. In der Konstrukteurs-WM beginnt Force India die Sommerpause als fünftbestes Team, aber der Rückstand auf Williams beträgt nur noch 15 Punkte.

Nico Hülkenberg

Nico Hülkenberg hatte die bessere Strategie als Valtteri Bottas Zoom

Das Momentum ist bei den vier Juli-Rennen ganz klar auf der Seite der britisch-indischen Mannschaft. Der siebte Platz auf dem Hockenheimring war auch das maximal mögliche Ergebnis. "Man kann es so zusammenfassen", sagt Hülkenberg. "Die drei Teams vorne sind einfach zu stark. Kimi ist 33 Sekunden vor mir ins Ziel gefahren. Diese Performance haben wir nicht. Zwischen uns, Williams und McLaren geht es sehr eng zu. Zwischen diesen drei Teams wird es bis Saisonende eng bleiben."

Dabei schlug Force India spät zu. Hülkenberg überholte in der 62. von 67 Rennrunden den Williams von Valtteri Bottas und schnappte sich den siebten Platz. Perez ging in der 65. Runde am McLaren von Fernando Alonso vorbei und wurde Zehnter. "Wir haben im Rennen auf drei Stopps umgestellt. Das hat uns am Ende den siebten Platz beschert", betont Hülkenberg den Unterschied zu Williams. Bottas machte nur zwei Stopps und fuhr mit den Reifen Supersoft, Soft und Soft. Hülkenberg startete ebenfalls mit Supersoft und wählte anschließend Soft, Supersoft und Soft.

Überholmanöver an Bottas war leichtes Spiel

Da seine Reifen in der Schlussphase um elf Runden frischer waren, hatte Hülkenberg leichtes Spiel mit Bottas. "Es war kein richtiges Duell, er war am Ende ein armer Hund, weil er mit komplett glattrasierten Hinterreifen unterwegs war. Er hatte nicht mehr viel entgegenzusetzen. Der ist selbst am Ende wie vom Himmel gefallen. Ich hatte noch deutlich frischere Reifen drauf. Es war nicht wirklich ein Kampf. Wir sind einfach vorbeigefahren. Über die Strategie haben wir es gemacht."


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Die Aussichten auf ein gutes Ergebnis waren bei Perez gleich nach den ersten Metern vorbei: "Ich hatte heute den schlechtesten Start meiner Karriere. Ich hatte stark durchdrehende Reifen und fiel auf den 16. Platz zurück. Das Team musste genau kalkulieren und die Strategie anpassen, damit ich wieder in eine konkurrenzfähige Position komme", berichtet Perez von seinem Rennen. "Der Abbau der Reifen war hoch, vor allem wenn man einem anderen Auto gefolgt ist."

Sein Höhepunkt war schließlich das Duell mit dem McLaren von Alonso. Am Ende musste der Spanier Benzin sparen und verbremste sich auch einige Male. "In den letzten Runden waren meine Reifen am Ende, aber Fernando war in einer ähnlichen Situation. Als ich eine Möglichkeit sah, probierte ich es. Ich hätte mir nicht gedacht, dass ich heute Punkte sammeln würde, aber ich habe es geschafft. Als Team haben wir in der ersten Saisonhälfte sehr gut gearbeitet. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch in den nächsten neun Rennen gute Tage haben werden."

Duell Williams gegen Force India: Es wird knapp

Für Hülkenberg endete das Heimrennen mit dem siebten Platz versöhnlich. Seine Saisonbilanz ist dennoch gemischt: "Mit diesem Wochenende bin ich definitiv zufrieden, aber mit dem ganzen Saisonverlauf nicht", denkt er an verpasste Gelegenheiten. Schließlich stand Perez zweimal auf dem Podest. Dass Hülkenberg zuletzt wieder Aufwind bekommen hat, stimmt ihn glücklich: "Jetzt heißt es in der Sommerpause zunächst abschalten, relaxen und die Batterien wiederaufladen. Wenn es dann wieder losgeht, geht es richtig zur Sache."

Sergio Perez

Sergio Perez schnappte sich am Ende noch einen McLaren Zoom

Der Vergleich zwischen Force India und Williams ist deshalb interessant, weil beide den gleichen Mercedes-Antrieb verwenden. Die Teamstruktur ist aber komplett unterschiedlich. Derzeit scheint Force India die vorhandenen Ressourcen besser zu nutzen. "Das scheint der Fall zu sein, aber ich habe nie bei Williams gearbeitet und weiß nicht, was sie haben", entgegnet Sportdirektor Andy Stevens. "Williams hat sicher viele Ressourcen, sie haben auch einen eigenen Windkanal vor der Türe. Sie haben auch den gleichen Mercedes-Antrieb wie wir. Sie haben auch zwei starke Fahrer. Für uns wird es schwierig, aber wenn wir es schaffen sollten, wären wir sehr glücklich."

Force India wird in der zweiten Saisonhälfte keine großen Updates vorstellen, denn die Konzentration liegt schon voll und ganz beim neuen Auto. "Man kann immer Kleinigkeiten machen und man will das Paket verbessern", so Stevenson weiter. "Mit diesem Paket fahren wir erst seit zwei Rennen und lernen es immer noch kennen. Die Ingenieure müssen es verstehen. An jedem Wochenende arbeiten wir daran, mehr Performance aus dem Auto herauszuholen."

Neben Williams kristallisiert sich McLaren immer stärker als weiterer Gegner heraus. Teamchef-Stellvertreter Rob Fernley sieht die Fortschritte des ehemaligen Topteams. "Ich schätze, dass McLaren der nächste Gegner sein wird." Aber in der Konstrukteurs-WM wird es wohl ein Zweikampf zwischen Force India und Williams bleiben: "Ich schätze, es wird ein Kopf-an-Kopf Rennen werden, weil keiner von uns noch signifikante Updates bringen wird. Wir müssen das Beste herausholen. Am Ende wird es an den vier Fahrern liegen", glaubt Fernley. Zu Saisonbeginn war Platz fünf bei den Konstrukteuren das Ziel von Force India. Das wurde nun nach oben korrigiert.