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  • 21.02.2013 · 10:04

  • von Roman Wittemeier

Force India: Seltsame Fahrerverhandlungen

Kandidaten gab und gibt es reichlich, aber das Cockpit neben Paul di Resta ist immer noch noch nicht besetzt: Warum Force India so lange zögert

(Motorsport-Total.com) - In 24 Tagen startet im australischen Melbourne der erste Grand Prix des Jahres 2013. So kurz vor dem Beginn der neuen Formel-1-Saison stehen noch nicht alle Einsatzpiloten fest. Das Gerangel um den freien Platz bei Force India neben dem gesetzten Paul di Resta ist noch immer nicht beendet. Aus dem großen Kreis der zahlreichen Bewerber um den Job sind noch zwei Kandidaten übrig geblieben: Jules Bianchi und Adrian Sutil. Beide kommen bei den aktuellen Tests in Barcelona zum Einsatz.

Bruno Senna

Karriere in der WEC: Bruno Senna trägt ab sofort Kleidung von Aston Martin Zoom

Die Verhandlungen zwischen dem indischen Rennteam und den potenziellen Einsatzpiloten ziehen sich nun schon über Monate. Man werde anhand der sportlichen Leistungsfähigkeit entscheiden, hieß es von Force India immer wieder. Die Realität sieht allerdings anders aus. Es geht um Geld und Motoren für 2014. Diese Tatsache hat auch Bruno Senna zu spüren bekommen. Der frühere Williams-Pilot zählte zum engsten Kreis der aussichtsreichen Bewerber, schied aber dann urplötzlich - trotz reichlich Sponsorengeld - aus.

"Es ist kaum zu verstehen, was damals passiert ist", schildert Senna, der sich inzwischen für ein Engagement mit Aston Martin in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) entschieden hat. "Es scheint so, als hätte der zweite Fahrer bei Force India auch nur zweitrangige Bedeutung", so der Brasilianer im Interview mit dem Radiosender 'Jovem Pan'. Aus Sicht von Senna liegen die Prioritäten des Teams derzeit woanders. Wo? Bei der Suche nach einem Motorenpartner für 2014.

Jules Bianchi ist ein Schützling aus Reihen von Ferrari. Die Italiener unterstützen den Franzosen. Bekommt Bianchi das Force-India-Cockpit, dann gibt es für das Team vergünstigte Antriebsstränge ab 2014 - ein wichtiger Faktor, denn die Antriebe werden nach Umstellung des Reglements (V6-Turbos, größere Hybridsysteme) deutlich teurer. Ferrari sucht einen neuen Kunden, denn man droht Toro Rosso an Renault zu verlieren.

Adrian Sutil hat seine Fürsprecher im Hause Mercedes. Der Gräfelfinger pflegt seit Formel-3-Tagen eine enge Bindung zum deutschen Hersteller. Die Mercedes-Antriebe für 2014 sollen teurer sein als jene von Ferrari, aber der Preis ist im Paket mit dem Rennsitz für Sutil sicherlich verhandelbar. Und Senna? Der fiel zwischen die Stühle, weil er eben keine Verbindung zu Motorenherstellern hat. "Wir haben verhandelt, aber plötzlich war es beendet", sagt der Brasilianer. "Sie waren einfach verschwunden. Das ging nicht nur uns so."